Baubürgermeisterwahl in Göppingen Der Nächste, bitte

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Nach acht Jahren werden dem Göppinger Baubürgermeister Olav Brinker kaum noch Chancen auf eine zweite Amtszeit eingeräumt. Dennoch sind kaum Bewerbungen im Rathaus eingegangen. Der Ruf sei eben ruiniert, heißt es unter Stadträten.

Olav Brinker hat kaum noch Perspektiven im Technischen Rathaus von Göppingen Foto: StZ
Olav Brinker hat kaum noch Perspektiven im Technischen Rathaus von Göppingen Foto: StZ

Göppingen - Vor acht Jahren ist die Stadt Göppingen von Bewerbern regelrecht überrannt worden. 52 Mappen stapelten sich damals beim Oberbürgermeister. Diesmal wollten bis zur Wochenmitte nur elf Männer und Frauen Baubürgermeister werden, darunter sind nach Informationen der StZ Berufsanfänger ebenso wie Fachfremde, die weder ein Architektur-, noch ein Ingenieursstudium vorzuweisen haben.

Quasi in letzter Sekunde ging nun noch einmal ein kleiner Stoß an Bewerbungen ein. 14 waren es damit bis zum Freitag, dem vorletzten Tag der Bewerbungsfrist. Sollten unter den Spätentschlossenen nicht noch einige Hochkaräter gewesen sein, wäre es am besten, die Stelle ein zweites Mal auszuschreiben. Das sagen zumindest einige derer, die die ersten elf Namen schon kennen. Bei der Suche nach einem Feuerwehrkommandanten, in Göppingen ebenfalls eine traurige Geschichte, hat man es vor wenigen Tagen so gemacht. Doch beim Baudezernenten geht das nicht. Schließlich gibt es gesetzliche Fristen für das Wahlamt.

Die Querelen wirken abschreckend

Der Stellenmarkt sei eben nicht mehr so angespannt wie im Jahr 2006, lautet eine Erklärung für das dünne Bewerberfeld. „Viele qualifizierte Bewerber gehen heute lieber in die Privatwirtschaft“, glaubt das FDP-Urgestein Rolf Daferner. Andere vermuten hingegen, dass die ständigen Querelen zwischen dem gegenwärtigen Amtsinhaber Olav Brinker und dem Oberbürgermeister Guido Till abschreckend gewirkt haben könnten. „Wer googelt, weiß, was in Göppingen läuft“, sagt der Freie Wähler-Chef Wolfram Feifel.

Der CDU-Fraktionschef Felix Gerber ist nicht dieser Meinung. Zusammen mit der FDP und dem Oberbürgermeister hatte er angeregt, ganz auf einen Baubürgermeister zu verzichten. Jetzt sagt er: „Ein selbstbewusster und guter Bewerber lässt sich von Meldungen über Querelen doch nicht abhalten.“ Tatsächlich scheint dies vor acht Jahren kein Problem gewesen zu sein, obwohl schon damals die Spannungen an der Rathausspitze weit über die Stadt Göppingen hinaus bekannt waren. Der damalige Amtsinhaber Joachim Hülscher und der noch recht neue Oberbürgermeister Guido Till lagen im Dauerclinch. Der OB, damals noch bei der SPD, setzte sich durch. Mit Hilfe von SPD, FDP und CDU, die sich allerdings nicht ganz einig war, hievte er Olav Brinker, Leiter des Fachbereichs Bauwesen der Stadt Speyer, an die Spitze des Technischen Rathauses. „Herr Hülscher sollte um jeden Preis abgewählt werden“, erinnert sich der Grünen-Fraktionschef Christoph Weber. „Heute ist es nicht viel besser.“

Der OB hält nichts von seinem Baudezernenten

Kein Jubel, aber Erleichterung herrschte damals vor acht Jahren. Jetzt könne wieder Sacharbeit geleistet werden, hieß es. Doch das war ein frommer Wunsch. Denn es änderte sich einiges, aber nichts zum Besseren. Der OB blieb weiter auf Mobbingkurs, nur die Reaktionen waren andere: Wo Hülscher zurückgekeift hatte, zog Brinker den Schwanz ein. Genutzt hat es ihm nicht: Schon bald erklärte ihm der OB in einem Vier-Augen-Gespräch, was er von ihm halte: nämlich nichts.

Während Hülscher als Stadtrat in die Kommunalpolitik zurückkehrte und den OB auf diese Weise immer wieder zu piesacken versucht, ist Brinker seither nicht viel mehr als ein Frühstücksdirektor, der an einem leeren Schreibtisch in einem kahlen Büro sitzt und ein B-4-Gehalt kassiert. „Meine Mitarbeiter sind gegen mich vergattert“, beklagte sich Brinker einmal öffentlich. Das letzte Fünkchen Hoffnung, in Göppingen noch einmal zu reüssieren, verlosch am 14. Oktober 2012, als Till bei der OB-Wahl mit einem triumphalen Sieg in eine zweite Amtszeit startete.

CDU-nah mit Zivildienstvergangenheit

Seither ist der gebürtige Hamburger noch stiller geworden. Seine Bewerbungsunterlagen hat er dennoch eingereicht. Wirkliche Chancen werden jedoch einem anderen Mitarbeiter des Technischen Rathauses eingeräumt. Der langjährige Chef des Tiefbauamtes, Helmut Renftle, bietet sich als Alternative an. Er ist gut vernetzt, durch seine freundliche Art bei allen Gemeinderatsfraktionen beliebt, gilt als CDU-nah – seine Frau ist Mitglied –, kann aber auch mit den Grünen, die ihn vom Fahrradclub ADFC kennen und um seine Vergangenheit als Zivildienstleistender wissen. Vor allem aber gilt sein Verhältnis zum OB als intakt.

Allerdings hat Renftle schon zweimal vergeblich versucht, auf die Bürgermeisterbank zu wechseln. Beides Mal schaffte er es nicht in die engere Wahl. Als Tiefbauer fehle ihm die stadtplanerische Kompetenz, hieß es. Jetzt wird er 63 Jahre und ist damit eigentlich aus dem Alter heraus, in dem man neue Karriereschritte plant. Bis 68 und damit nur noch knapp fünf Jahre, statt der üblichen acht, dürfte er nach dem Beamtenrecht noch amtieren. Er wäre nicht viel mehr als ein Kandidat des Übergangs.

Die Stadtplanerin flüchtet nach Leinfelden

Viele hatten deshalb auf eine Kandidatur der Stadtplanerin Eva Noller gehofft. Doch die 45-Jährige entschwand im Herbst als Erste Bürgermeisterin nach Leinfelden-Echterdingen. Der OB habe ihre Ambitionen nicht unterstützt, wurde damals gemunkelt. „Dass uns Frau Noller abhanden gekommen ist, ist sehr, sehr bedauerlich“, sagt Feifel, dessen Freie Wähler nach der Fusion mit der Bürgerallianz inzwischen zur zweiten Kraft im Rat aufgestiegen sind.

Also hoffen die Stadträte, dass sich kurz vor Schluss doch noch eine passende Persönlichkeit findet. Die Erwartungen sind hoch geschraubt: „Kompetent, zupackend, selbstbewusst und eigenständig“, müsse der künftige Baubürgermeister sein, sagt der SPD-Fraktionschef Armin Roos. FDP-Mann Daferner wünscht sich gar „einen zweiten Schuckenböhmer“. Aber „solch dominante Figuren“ wie den Vorvorgänger, der von 1974 bis 1998 das Baudezernat regierte und von dem es hieß, ihm sei egal, wer unter ihm Oberbürgermeister sei, „gibt es heute ja nicht mehr“.

Resignation macht sich breit

Fast resigniert klingt da das Anforderungsprofil des Grünen-Fraktionschefs Christoph Weber: Man suche „die eierlegende Wollmilchsau, die sowohl dem OB gefällt als auch dem Gemeinderat, der hinsichtlich Stadtbild und Stadtentwicklung keine hohen Ansprüche hat.“ Nach dieser Beschreibung wäre ein Tiefbauamtschef vielleicht gar keine schlechte Wahl.




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