Bauen in Baden-Württemberg Land will Staatsgebäude aus Holz

Holzbauten – wie hier die Salzlagerhalle in Geislingen – sind nicht nur ökologisch interessant, sondern können auch einen besonderen ästhetischen Reiz entfalten. Foto: Martin Duckek
Holzbauten – wie hier die Salzlagerhalle in Geislingen – sind nicht nur ökologisch interessant, sondern können auch einen besonderen ästhetischen Reiz entfalten. Foto: Martin Duckek

Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk (CDU) will den natürlichen Rohstoff Holz mit einer millionenschweren Offensive voranbringen – auch aus Klimaschutzgründen.

Politik/Baden-Württemberg : Arnold Rieger (ari)
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Stuttgart - Der Baustoff Holz soll künftig für Landesgebäude Pflicht werden. Dies sieht eine „Holzbau-Offensive“ vor, die Baden-Württembergs Agrar- und Forstminister Peter Hauk am Dienstag dem Kabinett vorlegen will. Der CDU-Politiker begründet dies vor allem mit der Eigenschaft des Rohstoffs, Kohlendioxid zu speichern: „Dem Land kommt eine Vorbildfunktion dabei zu, die Potenziale des Holzbaus zum Erreichen der Klimaschutzziele auszuschöpfen“, heißt es in dem Konzept, das unserer Redaktion vorliegt.

Neu- und Umbauten, aber auch Modernisierungen sollen deshalb „so weit wie möglich in moderner Holz- oder Holzhybridbauweise“ erstellt werden. Letzteres bedeutet, Holz mit anderen Baustoffen zu kombinieren. Ursprünglich wollte Hauk die Vorgabe sogar noch schärfer formulieren und eine generelle Pflicht zur Holzbauweise einführen. Doch dagegen wehrte sich dem Vernehmen nach die staatliche Bauverwaltung. Hauks Ministerium wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Holz hat viele Vorteile

Das Konzept sieht außerdem vor, das Thema Holzbau weiter zu erforschen und zu bewerben. Dazu plant Hauk Ausgaben in den nächsten fünf Jahren von rund 17 Millionen Euro. Damit will er unter anderem Gastprofessuren in Architektur und Ingenieurwissenschaften finanzieren. Aber auch Informationsveranstaltungen, Schulungen von Bauherren und „Leuchtturm-Vorhaben“ sollen mit dem Geld gefördert werden: „Die Realisierung von Modell­vorhaben ist eine wirkungsvolle Methode, den Holzbau offensiv voranzubringen“, heißt es in dem Konzept.

Hauk begründet den Vorstoß mit wirtschaftlichen und klimapolitischen Argumenten. In verbautem Holz und in Holzwerkstoffen werde „Kohlenstoff dauerhaft gebunden“, heißt es. Holz bietet sich laut dem Konzept aber auch an, um bestehende Gebäude aufzustocken, und leistet so einen Beitrag zur Linderung des Wohnraummangels. Derzeit werden rund 30 Prozent der Häuser im Land mit Holz gebaut, bei Mehrfamilienhäusern sind es nur knapp sieben Prozent. Es wird damit gerechnet, dass die Baustoffbranche gegen das Konzept protestiert, weil sie darin eine Benachteiligung anderer Baumaterialien sieht.

Auch das für den Hochbau zuständige Finanzministerium dämpft zu hohe Erwartungen: „Wir bauen, soweit möglich, in Holz- oder Hybridbauweise, weil das unsere Ressourcen schont“, so Sprecher Benjamin Hechler. Mehr als 40 Gebäude seien in den vergangenen Jahren mit Holz gebaut worden. „Allerdings lassen sich etwa eine Klinik, eine Tiefgarage oder ein Gefängnis schlecht nur aus Holz bauen.“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterstützt Hauks Anliegen jedoch. Am kommenden Mittwoch wird der Grünen-Politiker als Redner bei der Fachtagung „Holzbau Baden-Württemberg“ in Stuttgart erwartet. Die Landesregierung setze sich dafür ein, „den Anteil der Holzverwendung im Bauwesen weiter zu steigern und so die ökologische Modernisierung Baden-Württembergs weiter voranzubringen“, schreibt Kretschmann in der Einladung.

Proteste der Baustoffbranche erwartet

Baden-Württemberg verfügt laut dem Statistischen Landesamt (2016) bei einer Gesamtfläche von 3,57 Hektar über 1,35 Millionen Hektar Waldfläche. Rund ein Viertel davon ist in Landeseigentum. Kommunen und Privateigentümer verfügen über die größten Waldflächen. Im Schnitt werden jedes Jahr rund acht Millionen Kubikmeter Holz ­geschlagen.

– Land begibt sich auf den Holzweg 




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