Sie ist marode, unansehnlich und nicht mehr zeitgemäß: Deshalb soll die vielgenutzte Pliensaubrücke zum Teil neu gebaut werden. Das hat starke Auswirkungen auf den Verkehr.
Es ist schon lange klar, dass die Pliensaubrücke nicht bleiben kann, wie sie ist. Die Verbindung zwischen Innenstadt und Pliensauvorstadt ist marode und leidet unter der hohen Zahl an Fußgängern und Fahrradfahrern, die sie täglich nutzen. Der Mittelteil des Bauwerks, der über den Neckar führt, muss dringend erneuert werden. Inzwischen hat der Gemeinderat den Baubeschluss gefasst. Doch der Bau dürfte knifflig werden.
Mit dem jüngst gefassten Beschluss können im kommenden Frühjahr die ersten Arbeiten ausgeschrieben werden, im Sommer kann der Bau dann starten. Zunächst soll die Baustraße durch den Merkelpark angelegt werden, dann die Umleitungsstrecke für den Fuß- und Radverkehr von der Steinbogenbrücke über die Vogelsangbrücke bis zur Neckarstraße. Anschließend will man die temporäre Behelfsrampe von der Steinbogenbrücke auf das Niveau der B-10-Rampen herstellen.
Abbruch der Esslinger Pliensaubrücke dürfte knifflig werden
Richtig knifflig dürfte es aber vor allem im Herbst werden, wenn der Brückenteil über dem Neckar abgebrochen wird. Die Stadtverwaltung bezeichnet den Rückbau als „sehr komplex und technisch äußerst anspruchsvoll“. Nicht zuletzt ist – analog zum Rückbau der früheren Hanns-Martin-Schleyer-Brücke in Mettingen – dafür eine Vollsperrung der Schifffahrt auf dem Neckar erforderlich. Diese ist bereits terminiert, nämlich auf den Zeitraum zwischen dem 3. Oktober und dem 18. Oktober 2026. Innerhalb dieser zwei Wochen muss die Brückenmitte zwingend komplett abgebrochen werden.
Unmittelbar nach dem Rückbau des mittleren Brückenteils sollen auch die Erdrampen, das Betonwiderlager und die sogenannte Betonbohrpfahlwand am Pliensauturm entfernt werden. Schließlich soll der Ersatzneubau des mittleren Brückenteils filigran gestaltet werden und am Pliensauturm statt über Erdrampen über einen Durchlass führen, durch den ein Rad- und Fußweg entlang des Neckars geführt werden kann.
Neue Esslinger Pliensaubrücke soll Ende 2027 fertig sein
Anfang 2027 will die Stadt dann mit dem Bau der neuen Pliensaubrücke beginnen, die bis Ende 2027 fertig sein soll. Bis dahin gilt die Umleitung für Fußgänger und Radfahrer über die Vogelsangbrücke. Sie dürfen während der Bauarbeiten eine Spur auf der Brücke nutzen, die sonst dem Autoverkehr vorbehalten ist.
Der neue Brückenteil soll mit sechs Metern etwas breiter werden als ursprünglich einmal vorgesehen. Denn eine Verkehrszählung im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass inzwischen offenbar mehr Fuß- und Radverkehr über die Brücke läuft als noch vor einigen Jahren. Deshalb soll auch die Rampe von der Brücke hinunter in den derzeit im Bau befindlichen Neckaruferpark fünf Meter statt der zunächst anvisierten vier Meter breit werden.
Für einen Teil der Rampe muss eine etwa 400 Quadratmeter große Teilfläche der Deutschen Bahn genutzt werden. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass sie laut eines sogenannten Gestattungsvertrags aus dem Jahr 2020 dazu berechtigt ist, diesen Bereich als öffentliche Grün- und Freifläche zu nutzen. Inzwischen sei der Vertrag auch um den Zusatz erweitert worden, dass dieses Areal für den Bau einer Rampe als Rad- und Fußweg beziehungsweise als Verkehrsfläche genutzt werden darf. Anfang August habe man den aktualisierten Vertrag erhalten.
Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Bauprojekt auf rund 20 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung rechnet mit Fördermitteln in Höhe von rund 9,7 Millionen Euro. Allerdings sehe man die genaue Höhe der Zuschüsse erst auf dem Bewilligungsbescheid des Landes – und diesen erwarte man erst Ende des Jahres.