Nach langem Streit: Am Unteren Schützenrain entsteht am Ausläufer des Engelbergs ein neues Wohnquartier mit Kita.

Zumindest, was den zeitlichen Rahmen anbetrifft, reiht sich das künftige Baugebiet bei den meisten anderen in Leonberg ein. Denn auch um eine 0,8 Hektar große Fläche am Unteren Schützenrain ist jahrelang gerungen worden. Jetzt aber wurde beim sogenannten Investorenauswahlverfahren ein Siegerentwurf ermittelt.

Die Vorstellungen des Karlsruher Büros Weisenburger Projekt GmbH haben die Jury, in der Planungsfachleute und Kommunalpolitiker gesessen haben, überzeugt. Diese sehen zehn Loggien mit, wie es heißt, „viel Privatsphäre“ vor. Außerdem sind zehn Reihenhäuser mit ebenso vielen Carports geplant. Insgesamt sieht der Investor am Unteren Schützenrain 48 Wohneinheiten vor, 15 davon werden als sogenannter bezahlbarer Wohnraum, 11 Prozent als „preisgedämpftes Wohneigentum“ umgesetzt.

Oberhalb der Feuerbacher Straße

Eine Kindertagesstätte soll komplett in Holz gebaut werden. Auch eine Wohngemeinschaft für Senioren ist vorgesehen. Die Winkelhäuser oberhalb der Feuerbacher Straße, die teilweise in Holz gebaut werden, sind gleichzeitig ein Schallschutzriegel. Fossile Brennstoffe, so verspricht der Investor, kommen kaum zum Einsatz. Stattdessen gibt es Wärmepumpen und Fotovoltaik-Anlagen.

Das komplette Gelände liegt am Nordhang des Engelbergs. Genau darin liegt der Knackpunkt: Dieser Bereich ist besonders wertvoll, vier Biotope liegen in direkter Nachbarschaft. So bezeichnet denn auch der Baubürgermeister Klaus Brenner das Gebiet als „sensibel“. Daher habe man die Expertise von Umweltverbänden wie dem BUND und der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt. Die Architekten sagten eine behutsame Planung zu.

„Ökologisch das falsche Gebiet“

Doch damit geben sich zumindest die Grünen nicht zufrieden. „Von den elf eingereichten Investoren-Konzepten hat uns keines gerade mit Blick auf die Belange des Naturschutzes überzeugt“, erklärt der Leonberger Fraktionsvorsitzende Bernd Murschel. Noch deutlicher wird seine Kollegin Birgit Widmaier: „Es ist aus ökologischen Gründen das falsche Gebiet.“

Dass es geeignetere Flächen gibt, wird auch in den anderen Fraktionen nicht grundsätzlich in Abrede gestellt. „Aber es ist ein Kompromiss, und an den haben wir uns immer gebunden gefühlt“, sagt die CDU-Fraktionschefin Elke Staubach.

Tatsächlich hatte der Gemeinderat vor beinahe vier Jahren zwei Gebiete sozusagen im Paket beschlossen. Neben dem Schützenrain ist an der Berliner Straße am Rande des Stadtparks ein etwa 1,35 Hektar großes Wohnquartier vorgesehen. Auch hier hatte es Bedenken gegeben, könnte doch der Stadtpark als grüne Lunge des Zentrums zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Jahrelang wurde hin und her diskutiert, insbesondere die SPD wies auf den dringenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum immer wieder hin. Der Kompromiss zwischen den Fraktionen bestand darin , dass beide Gebiete, sowohl der Untere Schützenrain als auch die Berliner Straße, kleiner ausfielen als ursprünglich gewollt.

Damit sind in der Kernstadt die Möglichkeiten weiterer Wohnviertel noch nicht ausgereizt. Die Kreissparkasse baut auf ihrem Gelände in der Stuttgarter Straße nicht nur ein neues Direktionsgebäude, sondern zudem ein Quartier mit rund 80 Wohnungen. Und im Postareal sind neben Gewerbe und Gastronomie 100 Wohnungen geplant.