Bauern erläutern ihre Nöte Leonberger Landwirte stinksauer aufs Rathaus
Bei der Felderrundfahrt in Leonberg glänzen Vertreter aus dem Rathaus und dem Rat durch Abwesenheit. Ganz im Gegensatz zu Korntal-Münchingen.
Bei der Felderrundfahrt in Leonberg glänzen Vertreter aus dem Rathaus und dem Rat durch Abwesenheit. Ganz im Gegensatz zu Korntal-Münchingen.
Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können, die Felder-Rundfahrt der Leonberger Landwirte und die ihrer Kollegen aus Korntal-Münchingen. Traditionell hatten diese dazu eingeladen, bei einer Traktorfahrt über die Gemarkungen Probleme – und derer gibt es reichlich – anzusprechen, Vorschläge zu machen und Lösungen zu erörtern.
Die Veranstaltung in Leonberg kann mit „Frust“ überschrieben werden. Kein Oberbürgermeister – obwohl das Datum nach seinem Terminkalender festgelegt wurde –, kein Amtsleiter, lediglich eine Mitarbeiterin war dazu verdonnert, sich die angesprochenen Themen zu notieren. Als einzige Vertreter des Gemeinderates waren Thomas Hartung, Gernot Hegenbart (beide AfD) und Jörg Langer (Freie Wähler) bei der Veranstaltung anwesend. Letzterer fuhr aber mehr in seiner Rolle als Kartoffelbauer mit.
Angesicht so geringem Interesse an dem einzigen öffentlichen Forum, an dem die Landwirte ihre Belange kundtun können, war die Stimmung bei der Abfahrt am Gebersheimer Sportheim bei den rund 50 Teilnehmern nicht die beste. Das konnten sich auch die beiden OB-Kandidaten Marion Beck und Tobias Degode zu Gemüte führen.
Ganz anders die Rundfahrt in Korntal-Münchingen, veranstaltet von den Ortsobmännern Andreas Abrell (Korntal) und Friedrich Siegle (Münchingen): Auf den fünf Traktoranhängern drängten sich mehr als 100 Leute. Die Rathausspitze war anwesend, zahlreiche Gemeinderäte, Naturschützer sowie die Landfrauen. Auch die Landtagsabgeordneten Konrad Epple (CDU) und Markus Rösler (Grüne) waren gekommen.
Zwei existenzbedrohende Entwicklungen treibt die Landwirte um. Zum einen sind es die Pläne, auf beiden Seiten der Autobahnen einen 200 Meter breiten Streifen auf bestem Ackerland mit riesigen Solarparks zuzubauen. Das betrifft in Korntal-Münchingen einen zwei Kilometer langen Abschnitt. In Leonberg sind es rund 35 Hektar Fläche von der Feinau bis zum Eisengriff.
In Korntal-Münchingen sprachen der Vize-Bürgermeister Kai Langenecker und in Leonberg die Eltinger Bauernobfrau Annalena Keppler das Thema Fotovoltaik an. Langenecker wies darauf hin, dass die Kommunen keine Handhabe gegen solche Anlagen und kein Mitsprachemöglichkeit bei der Gestaltung haben. Er hofft auf eine Mischung von Fotovoltaik und Windkraft, denn auf Münchinger Gemarkung sind auch drei riesige Windräder im Gespräch.
Fotovoltaik wird lediglich im Zusammenspiel zwischen einem möglichen Investor und den Besitzern der Böden ablaufen. Sind die sich einig, kann es losgehen. Dabei winken die Investoren mit den großen Geldscheinen, während die Landwirte lediglich Kleingeld für die Pacht aufbringen können. „Wenn der Investor das 20-fache anbietet, dann können wir nicht mithalten“, formulierte es die Eltinger Obfrau.
Die andere große Gefahr stellt ein Insekt dar, das seinen Speiseplan geändert hat – die Schilf-Glasflügelzikade. „Die gab es schon immer bei uns, aber selten“, erläuterte in Leonberg der Pflanzenbauberater Simon Metz. Hierzulande wurde sie seit 2016 sogar in der Roten Liste bedrohter Arten geführt. Doch nun schmecken ihr Rüben, Kartoffeln und anderes Gemüse besser und es kommt zur Massenausbreitung.
„Das Problem ist nicht die Zikade, sondern die Bakterien, die sie überträgt wenn sie das Blatt ansticht“, sagte Larissa Klein, die Geschäftsführerin des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer, in Korntal-Münchingen. Diese sind Erreger von zwei Krankheiten die in einem Zeitraum von zwei Wochen die Rübenbestände zusammenbrechen lassen. Und die Krankheit verhindert das, was eigentlich der Zweck der Zuckerrübe ist, die Zuckerbildung.
Bei der Wintergerste, die als Futter dient, sieht es gut aus. „Der Ertrag ist so hoch, wie ich es nie erlebt habe“, sagt der Gebersheimer Milchvieh-Bauer Hans-Georg Schwarz, der selbst Futter für seine 500 Kühe anbaut. Pflanzenbauberaterin Ronja Ballreich kann die gute Ernte bei Wintergerste auch im Kreis Ludwigsburg bestätigen.
Wie sieht es mit den Preisen aus? Diese Frage wurde in Leonberg Frank Kogel, dem Baywa-Filialleiter in Heimerdingen, und in Korntal-Münchingen Peter Janßen, Verkäufer im Außendienst bei Baywa, gestellt. Den Weizenpreis entscheiden Russland, die USA und China, und der liege bei 18 Euro pro 100 Kilogramm. Für Braugerste, deren Marktpreis von den großen Mälzereien in Europa bestimmt wird, bekommen die Landwirte 18,80 Euro für 100 Kilogramm. Das sei für diese fast eine Null-Runde.
In Korntal-Münchingen wurde der ab 2033 geplante Ausbau der B 10 angesprochen. Konrad Epple ist ein Befürworter, während Marcus Rösler sich dagegen aussprach. Der Naturschützer Joachim Völlm bemängelte, dass die drei geplanten Windräder zu nahe an das Münchinger Naturschutzgebiet Aischbach, dem letzten Standort des Rebhuhnes, gebaut werden sollen.
In Leonberg gab Revierförster Ulrich Greß einen Einblick in den Zustand des Waldes. Der sehe grüner aus als im Vorjahr, es gebe weniger Schäden durch Borkenkäfer. Aber akut sei weiterhin das Eschentriebsterben. Im Stadtwald habe die Esche drei Prozent ausgemacht, jetzt seien es nicht mal mehr ein Prozent. Zudem würden junge Bäume an den 66 Kilometer Waldrändern des Reviers häufig absterben und umkippen, was zur Gefahr wird. Deshalb wird die Hauptaufgabe des neuen stellvertretenden Revierleiters Leon Rommel die Verkehrssicherheit sein.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es unzutreffend, als einziger Vertreter des Gemeinderats sei Jörg Langer zugegen gewesen. Tatsächlich nahmen neben ihm auch die Gemeinderäte Thomas Hartung und Gernot Hegenbart an der Veranstaltung teil.