Bauern im Kreis Göppingen Grillen ohne Reue

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Die Tierhalter im Kreis Göppingen werben für regionales Fleisch auf dem Grill – und läuten die Saison bei Schneeregen ein.

Frisch gebrutzelt und aus heimischer Zucht: dafür werben Göppinger Landwirte. Foto: dpa
Frisch gebrutzelt und aus heimischer Zucht: dafür werben Göppinger Landwirte. Foto: dpa

Kreis Göppingen - Weil es neuerdings schick ist, bei winterlichen Temperaturen zu grillen, konnte die Grillsaison auf dem Göppinger Schillerplatz am Mittwoch problemlos trotz des Schneeregens beginnen. Eingeladen dazu hatte der Kreisbauernverband, der rund 500 Tierhalter in seinen Reihen zählt und mit dem Verkauf frisch gegrillter Würste die Verbraucher für regionale Fleischprodukte interessieren wollte.

Der örtliche Metzger weiß, woher das Fleisch stammt

Unter dem Motto „Wir machen deinen Grillsommer“ haben sich die Fleischerzeuger an die Kampagne des Landesbauernverbandes angehängt. Für regional erzeugte Fleischwaren müsse der Verbraucher zwar mehr bezahlen als für Ware vom Discounter, dafür gebe der örtliche Metzger aber Auskunft über Herkunft und Haltung der Tiere, sagte Johannes Strauß, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands.

Als Gütezeichen könne sich der Verbraucher auf das bekannte schwarz-gelbe Qualitätszeichen Baden-Württemberg mit den drei Löwen verlassen, das für überdurchschnittlich hohe Qualität und für kontrollierte Tierhaltung stehe. Beim Schweinefleisch aus dem Kreis Göppingen könne man davon ausgehen, dass 99 Prozent aller Tiere im nahen Umkreis geboren und gemästet würden. Der Uhinger Schweinezüchter Wolfgang Daiber erklärte, er verkaufe seine Tiere an Mästereien im Umkreis von 20 Kilometern Entfernung.

Kurze Wege zum Schlachthof

Der Großteil dieser Tiere werde später im Göppinger Schlachthaus geschlachtet, das von rund 60 Metzgern aus der Region genutzt wird. Der Einzugsbereich der verwertenden Metzgereibetriebe reiche von Stuttgart über den Rems-Murr-Kreis und den Kreis Böblingen bis nach Tübingen. Während viele Schlachthäuser in der Region geschlossen worden seien, weil die Investitionen für die Umsetzung der baulichen Voraussetzungen nach dem EU-Hygienerecht zu teuer waren, habe sich der Göppinger Schlachthof behaupten können, sagte Strauß. Die kurzen Wege zum Schlachter setzten die Tiere weniger unter Stress und hielten so den Wasseranteil im Gewebe klein. Auch Peter Salchow von der Fleischerinnung Neckar-Fils setzt sich für Fleisch aus dem Kreis Göppingen ein. Er bezeichnete das Produktionstempo der Göppinger Schlachteinrichtung, in der pro Stunde etwa 80 Schweine geschlachtet würden, als überschaubar. Hier könne sorgfältiger gearbeitet werden als in industriell ausgerichteten Schlachtbetrieben, in denen die Zahl der pro Stunde getöteten Tiere drei- bis vierstellig sei. Ähnlich verhalte es sich auch mit den Mastbetrieben im Kreis Göppingen. Während bei den Schweinebauern im Kreis, typisch für die kleinbäuerlichen Strukturen im Südwesten, kaum mehr als 1000 Tiere im Stall stünden, könnten es in den industriell geprägten Massentierhaltungsbetrieben im Norden der Republik bis zu 30 000 Tiere sein.