Bauern klagen oft über das Wetter. Mal ist es zu stürmisch oder zu kalt, mal zu heiß oder zu trocken. Aber ein Blick auf die Bilanzen der Betriebe zeigt auch, dass ein Landwirt weit mehr braucht als gutes Wetter.

Stuttgart - Ein enttäuschender Sommer und Wetterkapriolen, Corona, Preiskrise bei den Schweinehaltern und schlechte Kassenlage - die Laune auf vielen baden-württembergischen Bauernhöfen ist schlecht. Zahlreiche Landwirte haben nach Angaben ihres Landesverbands im vergangenen Wirtschaftsjahr schlechtere Geschäfte gemacht als im Jahr zuvor. „Das war mehr Schatten als Licht“, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied am Montag in Stuttgart zu den Unternehmensergebnissen des Geschäftsjahres 2020/21 (bis 30. Juni 2021). Besonders hart habe es die Schweinehalter getroffen.

Der Bauernpräsident rechnet so schnell nicht mit Licht am Ende des Tunnels: „Auch die Aussichten im aktuellen Wirtschaftsjahr sind für alle Sparten ernüchternd“, sagte er. Die Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel hätten wegen Lieferengpässen und gestiegenen Energie- und Treibstoffpreisen angezogen und ein Allzeithoch erreicht. „Das belastet die Landwirtschaft erheblich“, warnte Rukwied. „Die gestiegenen Erlöse bei Milch, Rindfleisch und Feldfrüchten werden durch die deutlich verteuerten Betriebsmittel aufgezehrt.“

Fehlende Nachfrage in Gastronomie schadet Schweinehaltern

Durchschnittlich lag das Ergebnis je Familienarbeitskraft für einen Betrieb in Baden-Württemberg bei 35 210 Euro, nach 36 924 Euro im Jahr zuvor. Eine geringe Abnahme im Vergleich zu den Schweinehaltern: Durch die Corona-Pandemie, die fehlende Nachfrage der Gastronomie und das gebremste öffentliche Leben sei der Schweinepreis eingebrochen und habe sich seitdem nicht erholt, sagte Rukwied.

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Die Ergebnisse der Betriebe seien um 58,6 Prozent auf 25 547 Euro je Familienarbeitskraft abgestürzt. „Für die Schweinehalter ist die Situation katastrophal und existenzbedrohend“, warnte der Bauernpräsident. „Unsere Schweinehalter stehen mit dem Rücken zur Wand und fürchten um ihre Zukunft.“ Rukwied forderte Überbrückungshilfen und Abnahmegarantien der Lebensmittelhändler und der Regionalprogramme.

Winzer fahren Verluste ein

Auch Winzer und Landwirte mit gemischtem Angebot haben 2020/21 im Vergleich zum Vorjahr Verluste eingefahren: Die Erträge der Weinbaubetriebe gingen wegen der Witterung und der vielen abgesagten Feste um 10,8 Prozent auf 29 396 Euro je Familienarbeitskraft zurück. Die Gemischtbetriebe verzeichneten ein Minus von 6,3 Prozent auf 25 778 Euro. „Bei diesem Betriebszweig schlug sich vor allem der eingebrochene Schweinepreis nieder“, sagte Rukwied. Dagegen hätten sich die Milchvieh- und Futterbaubetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr erholt. Die Ergebnisse pro Familienarbeitskraft legten bei den Milchviehbetrieben um 13,9 Prozent auf 37 799 Euro zu, bei den Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkühen sogar um ein Viertel auf 20 366 Euro.

Acker- und Obstbau verzeichneten den Angaben nach einstellige Zuwächse. Allerdings bleibe das Einkommensniveau dort weiter niedrig, betonte Rukwied. Während der Ackerbau um 6,6 Prozent auf 33 277 Euro wuchs, legten die Obstbauern um 3,4 Prozent auf 73 044 Euro je Familienarbeitskraft zu. „Wir hatten eine sehr gute Ernte bei ordentlichen Preisen“, sagte Rukwied.

Fast 40.000 landwirtschaftliche Betriebe im Südwesten

Für die Bilanz hat der Verband die Einkommen von 1314 Betrieben ermittelt, die im Haupterwerb in der Landwirtschaft arbeiten. Vom Bruttoeinkommen muss nicht nur die Familienarbeitskraft bezahlt werden, also der Betriebsinhaber oder die Besitzerin, seine Partnerin oder ihr Partner sowie weitere Familienangehörige und Verwandte, die auf dem Betrieb leben und arbeiten. Das Einkommen soll auch die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals abdecken, es werden zudem Sozialabgaben, Steuern und finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration abgezogen.

In Baden-Württemberg gibt es laut Statistik 39 100 Betriebe mit einer durchschnittlichen Größe von 36 Hektar. Die überwiegende Mehrheit (88 Prozent) von ihnen wird als Familienbetrieb geführt. Jeder dritte Betrieb arbeitet im Haupterwerb, knapp zwei Drittel im Nebenerwerb.

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