Bauernaufstand Armer Konrad Ein Geheimbund der Bauern

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Überall im Land erheben sich nun im Mai 1514 die Bauern. Schmauder, der heute das Museum im Humpis-Quartier in Ravensburg leitet, hat für seine Dissertation alle Akten durchgeackert. In 32 von 43 Ämtern Württembergs lassen sich Proteste nachweisen, zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sind im Armen Konrad organisiert, der überwiegende Rest – mit Ausnahme der Ehrbarkeit natürlich – sympathisiert mit den Aufständlern.

Der Konrad, das ist ein Geheimbund. Bei den Treffen zieht ein Anführer einen Kreis auf dem Tisch oder im Straßenstaub, und wer mit seinem Messer oder seiner Gabel hineinsticht, schwört dem Bund Treue. Konspirativ sind die Versammlungen, die in bestimmten Häusern stattfinden, etwa beim Anführer Caspar Pregatzer in Schorndorf. Dort richtet man, nach herzoglichem Vorbild, eine Kanzlei ein, in der Briefe an die anderen Haufen oder an die Obrigkeit verfasst werden.

Herzog Ulrich ist ein Bauchmensch, emotional und nachtragend, aber er ist nicht dumm. Er spürt die Bedrohung und reitet immer wieder persönlich hinaus in die Orte und Städte und versucht, die dortigen Bauern zu beschwichtigen. Doch das nutzt nur wenig. Also entscheidet er eine gute Woche nach der Wasserprobe des Gaispeters, die neuen Gewichte wieder zurückzunehmen: Die Bauern haben einen Sieg errungen.

Aber das genügt ihnen nicht mehr. Überall im Land läuft die Kunde herum: Kommt zur Kirchweih nach Untertürkheim, am 28. Mai, da wollen wir den Oberen kräftig Bescheid stoßen. Ulrich sieht sich so genötigt, ein zweites Mal Zugeständnisse zu machen. Er verspricht, einen Landtag anzusetzen, auf dem der Herzog, die Ehrbarkeit, die Bürger und Bauern über die Forderungen beraten.

Die Rebellen werden betrogen

Doch dann geschieht das Unfassbare. Die Bauern werden schlichtweg betrogen: Denn die städtische Oberschicht lehnt es rundheraus ab, sich mit dem Gesindel an einen Tisch zu setzen. So findet in Tübingen nur der Landtag der Ehrbarkeit statt. Anschließend, so verspricht es Herzog Ulrich, komme er zum Bauernlandtag nach Stuttgart. Dort warten die Rebellen in den Tavernen mit wachsendem Unmut auf den Herrscher – und sie warten vergebens, wie sich am 13. Juli herausstellt: Herzog Ulrich sagt den Stuttgarter Landtag ab. Man werde die Beschwerden der Bauern in den Ämtern verhandeln, lässt er mitteilen. Am 8. Juni 1514 verkünden Herzog Ulrich und die Ehrbarkeit den Tübinger Vertrag. Ein eindeutiger Verrat an den Bauern.

Man wundert sich eigentlich, wieso der Württemberger Friedrich Schiller nie ein Drama über den Aufstand des Armen Konrads geschrieben hat, steckt doch in der Geschichte alles, was er für seine Theaterstoffe liebte: ein tyrannischer Herrscher, stolze Rebellen, Freiheitsliebe, Tragik und Verrat – immerhin hat der Hechinger Autor Friedrich Wolf dies 1924 übernommen, das Theater Lindenhof zeigt das Stück vom 16. Mai an in Fellbach.

Der Tübinger Vertrag vom Juni 1514 besitzt ein Janusgesicht. Auf der einen Seite billigt der Herzog der Ehrbarkeit zwar weit gehende Mitspracherechte zu. Insofern ist der Vertrag, der bis zu Napoleons Zeiten, also 300 Jahre lang, Gültigkeit besaß, durchaus von epochemachender Bedeutung. Auf der anderen Seite bleiben die Bauern nicht nur ausgesperrt, sondern sollen mit einer Abgabe den Preis bezahlen. Die reichen Bürger profitieren letztlich noch vom Aufruhr der Bauern.

Eine Welle der Empörung brandet nun durch Württemberg. Und der Gaispeter ist wieder mittendrin. Er versucht in vielen Städten und Orten, die Bewohner davon zu überzeugen, dass sie dem Tübinger Vertrag „nit schwören noch das uffgelegt gelt geben“ – Herzog Ulrich reist bereits durch die Ämter und nimmt die Huldigung entgegen.

Und tatsächlich, draußen im Land bröckelt die Front. Etwa tausend Männer noch aus vielen verschiedenen Orten ziehen aber erneut auf den Kappelberg, wo knapp drei Monate zuvor alles seinen Anfang genommen hat. Es herrscht eine drangvolle Enge dort oben. Aber die Städte aus der Umgebung liefern Lebensmittel, ein gewisser Wagenhans versucht, in Straßburg und Nördlingen Spieße und Büchsen zu kaufen, und Reinhard Gaisslin, der wortgewaltige Pfarrer von Markgröningen und ideologische Kopf des Armen Konrads, bringt geistige Nahrung. Das Bauernheer sei unbesiegbar, verkündet er: „Wan das gantz Rych dafur käme, sie schlügen sie nit.“