Wer Wert legt auf Bioprodukte, hat in Leinfelden-Echterdingen seit Kurzem eine Einkaufsmöglichkeit weniger. Die Biosupermarktkette Denns Biomarkt hat ihre Filiale in der Echterdinger Mitte Ende Juni geschlossen – „aus wirtschaftlichen Gründen“, wie der Leiter für die Region Stuttgart bei Denns Biomarkt, Sascha Mess, mitteilte. In Stuttgart-Möhringen gibt es indessen seit wenigen Wochen ein neues Angebot für Biofans.
Till Brodbeck, der in wenigen Jahren den Familien- und Biolandbetrieb von seinem Vater Klaus übernehmen soll, hat an der Lohäckerstraße 18 einen Laden eröffnet, der rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche geöffnet ist. In den Regalen findet man ökologisch angebautes Gemüse und andere Bio-Produkte. Die sogenannte Hofbox läuft auf Vertrauensbasis, die Kunden zahlen mit Karte. Und auch einen klassischen Hofladen gibt es, in dem montags und freitags von 14.30 bis 18.30 Uhr und während der Spargelzeit auch mittwochs von 16 bis 18 Uhr eingekauft werden kann. Die Brodbecks sind mit ihrem Bioangebot freilich bei weitem nicht alleine auf den Fildern – auch nicht, was den Rund-um-die-Uhr-Verkauf angeht. Hier listen wir einige Bio-Hofläden auf.
Bio-Gemüsehof Hörz in Filderstadt Am Rande von Bonlanden im Bühlerfeld baut die Familie Hörz eigenen Angaben zufolge mehr als „80 verschiedene Gemüsesorten, Salate, Kräuter, Ingwer und zwei verschiedene Melonenarten an“ – alles nach strengen Bioland-Richtlinen. Verkauft werden die Produkte im eigenen Hofladen (Im Bühlerfeld), der freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet hat. Zudem haben die Landwirte samstags von 7 bis 12 Uhr auf dem Wochenmarkt in Plattenhardt (Uhlbergstraße 33) einen Stand. Wer weiter weg wohnt und zu den Verkaufszeiten andere Pläne hat, kann sich eine sogenannten Grüne Kiste nach Hause liefern lassen. Was rein soll, kann man selbst entscheiden, beliefert werden der Großraum Stuttgart, die Fildern, Esslingen und Reutlingen.
Biohof Ruckh in Waldenbuch Bei den Ruckhs in Waldenbuch gibt es zwar keinen klassischen Hofladen. Auf ihrem Gelände in Waldenbuch (Stuttgarter Straße 100) stehen aber gleich mehrere Automaten, an denen man rund um die Uhr Milch, Eier, Honig, Linsen, Kartoffeln und Apfel- und Birnensaft ziehen kann. Mit Ausnahme des Honigs ist alles Bio. Bereits im Jahr 1995 haben Alfred und Margret Ruckh ihren Betrieb auf die damaligen EU-Bio-Richtlinien umgestellt. Seit 2000 nun ist der Betrieb ein anerkannter Bioland-Hof.
Michaelshof in Leinfelden-Echterdingen Auf dem Michaelshof der Schäfers in Leinfelden-Echterdingen entsprechen Bio-Gemüse und Bio-Fleisch gar Demeter-Richtlinien. Verkauft werden die Produkte immer zu bestimmten Terminen. Der nächste ist am Freitag, 20. September, 15 bis 18 Uhr. Fleisch der Angus-Jungrinder muss vorab per Mail bestellt werden. Wer nicht auf den nächsten Verkaufstermin warten will und ohnehin nur Gemüse braucht, wird auch in den Alnatura-Filialen in Filderstadt, Degerloch, auf dem Killesberg, in Reutlingen und in Tübingen, in den Erdi-Filialen in Echterdingen und Bernhausen sowie beim Obstgut Bläsiberg in Tübingen fündig.
Eselsmühle in Musberg Die Eselsmühle in Musberg ist bei weitem nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel im Siebenmühlental. In der Holzofenbäckerei, die bereits seit den 1950er Jahren besteht, werden in acht Öfen Brote und Brötchen in Demeter-Qualität gebacken. Die Steinofenbrote entstehen nicht in der Eselsmühle, sondern in Steinenbronn, aber ebenfalls nach Demeter-Richtlinien. Die Backwaren werden neben anderen Bio-Lebensmitteln, beispielsweise Obst, Gemüse, Säfte, Weine und Käse, im Mühlen-Kaufladen vertrieben, der montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet hat.
Reyerhof in Möhringen Zurück nach Stuttgart-Möhringen: Im Herzen des Stuttgarter Stadtbezirks verkauft der Reyerhof (Unteraicher Straße 8), der sich ebenfalls Demeterhof nennen darf, frisches Gemüse wie Feldsalat, Kraut, Kartoffeln, Möhren und Rote Bete im Herbst und Winter, Kohlrabi, Fenchel und Spinat im Frühjahr und frische Salate, Erdbeeren, Buschbohnen, Zucchini, Gurken und Tomaten im Sommer. Es gibt verschiedene Milchprodukte sowie Rindfleisch aus eigener Schlachtung, Käse, Backwaren, Nudeln, Kaffee, Tee und andere Getränke. Kaffee und Kuchen können vor Ort konsumiert werden, es gibt eine Sitzecke im Laden und Tische im Hof. Im Sommer wird auch Eis angeboten. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 8 bis 13 Uhr.
Wo es sonst noch Bio gibt und was das eigentlich heißt
Biosupermärkte
Auf den Fildern gibt es mehrere Biosupermarktketten, die das Angebot der Hofläden erweitern. Denns Biomarkt hat zwar seinen Laden in Echterdingen geschlossen, in Vaihingen und Möhringen gibt es aber nach wie vor Filialen. In Echterdingen kann man weiterhin im Biomarkt Erdi einkaufen, in Filderstadt-Bernhausen und Möhringen gibt es auch eine Filiale. Degerloch hat mit Alnatura, Naturgut und Tegut einiges für Bioliebhaber zu bieten. Einen weitere Alnatura-Filiale findet man in Filderstadt-Plattenhardt.
Richtlinien
Bio ist nicht gleich Bio. Das grün-weiße EU-Bio-Siegel gilt als am wenigsten streng. Landwirtschaftliche Betriebe, die nach der EU-Öko-Verordnung arbeiten, halten sich an vorgegebene Mindest-Anforderungen. Das bedeutet etwa, dass Produkte frei von Gentechnik sind, auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz verzichtet wird und Tiere artgerechter gehalten werden. Allerdings dürfen auch Betriebe, die nur einen Teil auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt haben, ihre Produkte mit dem Logo kennzeichnen. Verbände wie Naturland, Bioland und Demeter haben für sich selbst eigene, strengere Regeln definiert. Bioland- und Naturland-Betriebe müssen etwa komplett auf ökologische Bewirtschaftung umstellen, um sich so nennen zu dürfen. Demeter gilt als am strengsten. Das schmerzhafte Enthornen von Kühen ist beispielsweise verboten und das Futter muss zu 75 Prozent von einem Demeter-Betrieb stammen.