Nach wenigen Tagen bereits wird dem Weinliebhaber die nahe Zukunft verleidet, findet unser Kolumnist Michael Weier. Weil die Zukunft nicht rosig erscheint und die Menschen zu oft in Schwarz und Weiß denken.

Mit viel Lärm hat mich das neue Jahr begrüßt, und daran waren nicht nur die Böller schuld. Vor meinem Büro haben sich die Landwirte mit wildem Gehupe etwas Luft verschafft und mich daran erinnert, dass die Lage im Weinbau ziemlich schwierig ist. Weinbauern sind auch Bauern, was mich etwas subjektiv auf die Sache schauen lässt. Ganz grundsätzlich aber ist doch klar: Die Welt ist auch hier nicht schwarz oder weiß – sondern grau. Es gibt viele Weingüter, denen gehen die Streichungen der Subventionen am Allerwertesten vorbei. Es gibt welche, die ächzen sicher unter weniger Gewinn – und es gibt Betriebe, große Genossenschaften, deren Mitglieder bereits jetzt fahrlässig wenig verdienen. Aber das ist Politik, wir kümmern uns besser um den Weingenuss.

 

Und hier musste ich zu Beginn des neuen Jahres trotz allen Lärms natürlich gute Vorsätze fassen. Experten im Internet haben ja den Dry January erfunden, andere kontern diese alkoholfreie Zeit mit dem Spruch: Ich trinke eigentlich immer trockene Weine. Und diejenigen ohne Alkohol? Liegt eine Flasche davon seit vielen Monaten in meiner Küchenschublade. Mit dieser Ignoranz bin ich übrigens auf einer Linie mit vielen anderen Deutschen: Nur 17 Prozent haben sich vorgenommen, weniger Alkohol zu trinken. Erschreckend bei dieser Statistik ist allerdings: An erster Stelle der Vorsätze steht Geld sparen, angesichts der Inflation verständlich. Aber dies passt nicht so recht zum Genuss. Gesünder ernähren wollen sich 46 Prozent der Befragten, 26 Prozent unter anderem die Ausgaben für Lebensmittel reduzieren. Widersprüche, wohin das Auge schaut!

Ich halte es deshalb lieber mit einer Weinhandlung: Am 17. Januar, schreibt diese, werden die Vorsätze in durchschnittlichen Jahren zumeist über Bord geworfen. Spätestens. Deshalb machen sie an diesem Tag eine Weinprobe.