Bauerntag in Fellbach Landwirte wollen nicht als Sündenböcke gelten

Von Michael Käfer 

Zwischen Bullerbü und Tierfabrik: Beim Treffen der baden-württembergischen Bauern in der Fellbacher Schwabenlandhalle mahnt Andreas Möller in seinem Vortrag einen realistischeren Blick auf die moderne Nahrungsmittelerzeugung an.

Gegen das Artensterben: Blühwiesen auf dem Schmidener Feld. Foto: Patricia Sigerist
Gegen das Artensterben: Blühwiesen auf dem Schmidener Feld. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Manchmal lohnt sich ein von außen kommender Blick auf die eigene Organisation. Das dürfte sich der Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Joachim Rukwied, gedacht haben, bevor er Andreas Möller als Gastredner zur am Dienstag in der Fellbacher Schwabenlandhalle veranstalteten Mitgliederversammlung seiner Organisation eingeladen hat. Lässt man außen vor, dass Andreas Möller 1989 Rostocker Meister im Friedfischangeln war, dann halten sich seine Bezüge zur Landwirtschaft in Grenzen.

Die Kommunikation der Landwirte müsse aber auch mehr Mut und Humor haben

Mit seinem Buch „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ hat der Kommunikationschef des Ditzinger Maschinenbauers Trumpf jedoch für Furore gesorgt. „Der Ton zwischen Landwirtschaft und Öffentlichkeit ist rauer geworden“, sagte Andreas Möller. Ein idealisiertes Bild von der Landwirtschaft herrsche in weiten Teilen der Bevölkerung vor, Zeitschriften wie die „Landlust“, die eine höhere Auflage hat als das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, prägten das Bild: „Das ist fast wie Volksmusik zum Lesen.“ Gleichzeitig fehlten bei vielen Menschen elementare Grundkenntnisse sowie eine Vorstellung von den Härten der Landwirtschaft vor deren Mechanisierung: „Wir wollen eigentlich gar nicht wissen, wie es in der guten alten Zeit war.“

Für zumindest etwas Abhilfe kann nach Ansicht des Kommunikationsprofis eine personalisiertere Berichterstattung sorgen. „Wir brauchen in der Landwirtschaft mehr Gesichter“, betonte Andreas Möller.

Andreas Möller Foto: Michael Käfer
Die Kommunikation der Landwirte müsse aber auch mehr Mut und Humor haben. Einen Trost immerhin hatte er den 400 Zuhörern in die Schwabenlandhalle mitgebracht: Branchen wie die Finanzindustrie oder die Autobauer hätten ein noch schlechteres Image als die Landwirtschaft.

Bezüglich des Volksbegehrens zum Schutz der Bienen warnte er vor unerwünschten Folgen

„Das Verständnis für die Tätigkeit der Bäuerinnen und Bauern ist in weiten Teilen der Bevölkerung nicht vorhanden“, sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) und schlug damit in dieselbe Kerbe wie Andreas Möller. Als dominierendes Thema hat Peter Hauk den Klimaschutz ausgemacht, dessen Erfolge jedoch „hinter den Notwendigkeiten zurückbleiben“. Er warnte vor einem Punkt, von dem an die Klimafolgen unumkehrbar werden, etwa wenn die Permafrostböden auftauen und ihre Methanvorkommen freigeben würden: „Das muss auf alle Fälle verhindert werden.“ Die Lösung kann seiner Ansicht nach jedoch nicht in nationalen deutschen Alleingängen liegen. Als Beispiel verwies der Minister auf die Tierproduktion und den zunehmenden Import von Ferkeln. In Baden-Württemberg sieht er die Lage dank kleinbäuerlicher Strukturen noch als relativ gut an.

Bezüglich des Volksbegehrens zum Schutz der Bienen warnte er vor unerwünschten Folgen, wenn etwa Streuobstwiesen nach ihrem gesetzlichen Schutz nicht mehr förderfähig seien oder eine stark ausgeweitete, extensivierte Ökolandwirtschaft zu Ertragseinbußen führe, die durch Importe ausgeglichen werden müssten. Probleme dürften nicht aus Deutschland herausverlagert werden: „Es gibt eine Gesamtverantwortung.“

Gerade in städtischen Milieus zeige man gerne mit dem Finger auf die Landwirte

Zum Klimawandel sagte Joachim Rukwied: „Es ist eine globale Herausforderung für die Menschheit.“ Der diplomierte Landwirt, der auch den nationalen sowie den europäischen Bauernverband anführt, begrüßte neben Dutzenden von Verbandschefs elf Bundes- und Landtagsabgeordnete, darunter Jochen Haußmann (FDP) und Siegfried Lorek (CDU). „Wir müssen Lösungen auf den Weg bringen, aber wir müssen Ursache und Wirkung mitberücksichtigen“, sagte er mit Blick auf das Artensterben. Der 57-Jährige bejahte dabei eine Mitverantwortung der Landwirtschaft. Aber auch der hohe Flächenverbrauch spiele eine Rolle. Gerade in städtischen Milieus zeige man gerne mit dem Finger auf die Landwirte, „ohne den eigenen Lebenswandel zu überdenken“. Rukwied erkennt die Lösung vieler Probleme in der Landwirtschaft nicht in einer Rückkehr zu früheren Strukturen, sondern im Fortschritt etwa durch die Digitalisierung: „Wir brauchen Innovationen, auch und gerade in der Landwirtschaft.“