Bauerntag in Künzelsau Bauern sehen sich zu Unrecht am Pranger

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Rund 400 Landwirte und Vertreter aus Politik und Verwaltung haben sich beim Bauerntag in Künzelsau getroffen. Der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems erklärt, was die Landwirte umtreibt.

Viele Bauern haben aus Protest gegen das Agrarpaket grüne Kreuze aufgestellt. Foto: Gottfried Stoppel
Viele Bauern haben aus Protest gegen das Agrarpaket grüne Kreuze aufgestellt. Foto: Gottfried Stoppel

Künzelsau - Aufbruchstimmung habe der Bauerntag signalisiert, resümiert Jürgen Maurer, der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems, nach der Veranstaltung am vergangenen Freitag in Künzelsau. „Wir Bauern müssen unser Tun wieder mehr erklären, um Vorurteile zu reduzieren“, sagt Maurer. Diesen Appell hatte er in seiner Rede auch an die rund 400 Gäste gerichtet, unter denen neben den Landwirten zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung waren.

„Die Verordnungen für die Landwirtschaft haben ein Ausmaß erreicht, das unerträglich ist“, meint Maurer und spielt dabei auf das Agrarpaket der Bundesregierung an, das unter anderem ein Tierwohllabel, weniger Düngung und weniger Pestizide vorsieht. „Wenn man das Tierwohl verbessern kann – selbstverständlich. Aber landwirtschaftliche Betriebe sind auch Wirtschaftsbetriebe, die sich am Ende des Tages rechnen müssen“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbands. Gerade beim Thema Tierwohl stehe zudem das Genehmigungsrecht baulichen Veränderungen von Ställen häufig im Weg, erklärt er.

Kritik am Volksbegehren

Auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ kritisiert Jürgen Maurer scharf. Die darin erhobenen Forderungen, wie die Erhöhung des Ökolandbau-Anteils auf 50 Prozent bis 2035, die Halbierung der mit Pestiziden belasteten Flächen bis 2025 und das Verbot von die Artenvielfalt gefährdenden Pestiziden in Schutzgebieten hätten „für zehntausende Betriebe das Aus bedeutet“.

Die Landesregierung hatte auf das Volksbegehren mit einem Eckpunktepapier reagiert, das unter anderem eine Reduktion der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 Prozent sowie 30 bis 40 Prozent Ökolandwirtschaft bis 2030 vorsieht. Gleichzeitig soll der Artenschutz in Städten und Privatgebieten verstärkt werden. Es sei wichtig, dass auch letztere in den Blick genommen werden, sagt Maurer.

Im übrigen, betont er, würden sich viele Landwirte bereits seit Jahrzehnten für Umweltschutz und Artenvielfalt einsetzen, etwa mit Blühpatenschaften gegen Entgelt oder Blühstreifen entlang der Felder. Sein eigener Betrieb sei Teil des bundesweiten FRANZ-Projekts (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft), in dem praxistaugliche und wirtschaftlich tragfähige Naturschutzmaßnahmen entwickelt und erprobt werden.

Die Landwirtschaft als Teil der Lösung

Aber: „Biodiversität muss bepreist werden, das muss auch irgendwoher bezahlt werden, wenn das ein gesamtgesellschaftlicher Anspruch ist“, fordert der Vorsitzende des Bauernverbands. Überhaupt müssten viel stärker auch andere Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in den Fokus genommen werden, was Umwelt- und Klimaschutz angeht: „Wir alle tragen Verantwortung. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betont Jürgen Maurer und kritisiert, dass in der öffentlichen Debatte oftmals der Eindruck erweckt werde, vor allem die Landwirtschaft sei schuld an Umweltproblemen. „Die Landwirtschaft hat sicher einen Anteil daran, aber sie ist auch ein Großteil der Lösung.“

Dabei komme es letztlich aber ebenso auf die Verbraucher an, etwa bei der Nachfrage nach Biolebensmitteln. „Wenn ich meinen Betrieb umstelle und keiner kauft meine Produkte, dann bin ich pleite“, sagt Maurer. Einer Statistik der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft zufolge lag der Anteil von Bio-Lebensmitteln am Lebensmittelumsatz in Deutschland 2018 bei 5,28 Prozent – und ist im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen. Für 2013 etwa weist die Statistik einen Anteil von 4,46 Prozent aus.

„Wenn wir der Natur was Gutes tun können, sind wir gerne bereit dazu – aber es muss finanziell machbar sein“, betont der Vorsitzende des Bauernverbands.

Der Bauernverband

Mitglieder: Der Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems hat derzeit rund 4800 Mitglieder in drei Landkreisen. Wie der Verband auf seiner Homepage mitteilt, bewirtschaften diese rund 100 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, 1000 Hektar Weinbau sowie rund 25 000 Hektar Wald.

Schwerpunkte: Die wirtschaftlichen Schwerpunkte der Betriebe liegen dem Verband zufolge in der Veredlung. Demnach stehen rund 35 Prozent der baden-württembergischen Schweine und 70 Prozent der Puten in den Ställen der Mitgliedsbetriebe. Ebenfalls von Bedeutung ist die Milchviehhaltung, vor allem in den Kreisen Schwäbisch Hall und Rems-Murr. Im Hohenlohekreis sowie im Remstal betreiben viele der Landwirte den Anbau von Wein, Kernobst und Feldgemüse.