Bauerntag in Winnenden Das kritisieren die Landwirte

Ein Landwirt testet beim Bauerntag in Winnenden einen Kärcher-Reiniger. Foto: Gottfried Stoppel
Ein Landwirt testet beim Bauerntag in Winnenden einen Kärcher-Reiniger. Foto: Gottfried Stoppel

Beim Bauerntag in Winnenden beklagen die Redner die ausufernde Bürokratie. Und der Kärcher-Chef Hartmut Jenner wird spontan Mitglied im Bauernverband.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Winnenden - Mitunter fühlten sich die Landwirte wie in einem „Dschungel der Vorschriften“, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenhole-Rems. Mit Blick auf die neue Düngeverordnung erklärt Helmut Bleher am Freitag beim Bauerntag im Auditorium der Firma Kärcher in Winnenden: Die Kollegen wüssten schon von ganz allein, dass sie keinen Dünger ausbringen könnten, wenn der Boden gefroren sei. Bleher redet sich regelrecht in Rage, spricht von Bürokratie 4.0 und zu vielen Kontrollen. Im Übrigen sei „Dünger kein Atommüll“, sondern ein natürliches Produkt.

Auch die große Politik kommt in Blehers Geschäftsbericht nicht gut weg. Eine EU-Abgeordnete der Grünen habe kürzlich erklärt, alle Landwirte sollten doch freiwillig auf Bio umstellen. Andernfalls werde das Problem halt mit dem Ordnungsrecht gelöst. Diese Aussage habe ihn an die Politik in der DDR erinnert. Die Landwirte würden oft zu Sündenböcken erklärt. Ihre Arbeit müsse mehr gewürdigt werden, denn „alle leben davon“. Zufriedene Gesichter im Saal, viel Applaus.

Liegt das Insektensterben an den milde Wintern?

Der Vorsitzende des Verbands, Klaus Mugele, fordert, dass auch in Deutschland die landwirtschaftlichen Betriebe Beihilfen bekommen, um sich Versicherungen gegen Naturkatastrophen, etwa gegen Frost, leisten zu können. In anderen EU-Staaten würden bis zu 80 Prozent der Kosten übernommen. Zum Thema afrikanische Schweinepest sagt Mugele: „Wir begrüßen sehr, dass für die Jägerschaft Verschärfungen rückgängig gemacht werden.“ Wildschweine gelten als Überträger der Krankheit, die für den Menschen zwar ungefährlich ist, die aber Schweinezüchter schnell in den Ruin treiben könnte.

Mugele kritisiert, dass die Bauern für das Insektensterben verantwortlich gemacht würden. Er fordert „detaillierte Erhebungen vorzunehmen“ und die Ursachen zu erforschen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könne nicht der Grund für das Insektensterben sein, denn Pestizide würden schon sehr lange verwendet. In der jüngeren Vergangenheit seien vielerorts Hecken und Biotope angelegt worden, es habe also „eine Aufwertung stattgefunden“. Das massenhafte Sterben von Insekten liege womöglich an den sehr milden Wintern der vergangenen Jahre oder an neuen Kraftstoffzusätzen.

Verzicht auf Fleisch und Gentechnik

Der Gastredner Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Uni Göttingen, spricht später über das Thema „Sicherung der Welternährung“. Er sagt, es sei nicht utopisch, bis 2030 den Hunger weltweit zu beenden. Nicht alle Thesen des Fachmanns, der früher an der Uni Hohenheim geforscht hat, dürften den Landwirten schmecken. Er sagt zum Beispiel, dass auch der Verzicht auf Fleisch dazu beitragen könnte, das Problem zu lösen. Am wichtigsten sei aber der technische Fortschritt, Stichwort Gentechnik. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass der Einsatz von sogenannten GVOs – gentechnisch veränderten Organismen – die Erträge der Getreideproduktion um rund 20 Prozent steigern könne. Es kämen dabei sogar rund 37 Prozent weniger chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Die Einkommen der Landwirte seien um satte 68 Prozent gestiegen.

Für Freude sorgt auch der Hausherr: Hartmut Jenner entscheidet sich, spontan Mitglied beim Bauernverband zu werden. Der Vorsitzende der Kärcher-Geschäftsführung zeigt alte und neue Filmchen von Kärcher-Hochdruckreinigern, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen und erzählt, dass er aus einer Bauernfamilie stamme und zwei Hektar Land besitze.




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