Baugebiet in Renningen Die neue Kita bekommt Dachterrassen

Wo jetzt noch wildes Gestrüpp wächst, wird in Zukunft ein neuer Kindergarten entstehen. Foto: Simon Granville

Der Entwurf für den neuen Kindergarten in Renningen sieht ein Gebäude mit Dachterrassen vor. Auch für Wohnungen wäre dort später noch Platz.

Ein treppenförmiges Gebäude mit wunderschönen begrünten Dachterrassen – was problemlos als Plan für ein schickes neues Hotel durchgehen könnte – ist tatsächlich der Entwurf für den Kindergarten im Baugebiet Schnallenäcker III in der neuen Korngäustraße. Damit die Familien, die in das neue Baugebiet ziehen, auch einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen, soll dort ein ganz neues Gebäude für drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen entstehen. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig für diesen Entwurf. Der bietet unter anderem den Vorteil, dass sich an oder auf dem Gebäude im Nachhinein noch Wohnungen realisieren lassen, so, wie von der Stadt ursprünglich angedacht.

 

Vertreter der Planungsfirma Thost aus Pforzheim und des Architekturbüros Kilian+Partner aus Stuttgart stellten im Gemeinderat insgesamt zwei Varianten vor, wie ein neuer Kindergarten aussehen könnte. Die Pläne erfolgten in Abstimmung mit der Abteilung Kinder und Familie im Rathaus sowie der zukünftigen Kindergartenleitung.

Warum nicht klassisch dreistöckig?

Als eine mögliche Variante wurde ein klassisches dreistöckiges Gebäude vorgestellt. Für eine Kindergartennutzung seien flache Gebäude nicht sinnvoll, erklärte Alice Botzian von Kilian+Partner. „Denn das Wichtigste für die Nutzer sind die Freiflächen.“ Und je flacher ein Gebäude ist, desto weniger Freiflächen stehen zur Verfügung. Glücklicherweise ermögliche der Bebauungsplan eine große Gebäudehöhe.

Das Problem bei diesem Entwurf: Eine spätere Aufstockung des Hauses mit Wohnungen wäre hier technisch schwierig. Denn das Gebäude mit den großen Fluren und Deckenfenstern lebt vom natürlichen Licht von oben. „Wir wollten hier einen Kindergarten entwickeln, der so gut ist, wie er ist“, so Alice Botzian. Alternativ könnte man, mit Abstand zum Gebäude, ein eigenes Wohnhaus errichten. Damit würde aber viel Freifläche für die Kinder verloren gehen.

Dachterrassen als Freifläche

„Wir haben uns also überlegt: Warum holen wir den Garten nicht auf das Gebäude?“, formuliert es Alice Botzian. Der Kindergarten im zweiten Entwurf ist daher treppenförmig angelegt. Das Dach des jeweils unteren Stockwerks soll als begehbare Landschaft gestaltet werden, damit die Kinder der oberen Stockwerke immer direkt nach draußen gelangen können. „Das oberste Geschoss wäre dann für die Krippengruppen, die auf der Dachterrasse einen geschützten Freibereich bekämen.“ Ein weiterer Vorteil dieses Entwurfs ist derjenige, dass man dort mit deutlich überschaubarerem Aufwand zusätzlichen Wohnraum schaffen könnte: sowohl mit einem weiteren Stockwerk als auch mit einem Anbau ans Hauptgebäude.

Dass das erste Gebäude nicht der Vorgabe aus dem Gemeinderat entspricht, eine spätere Aufstockung mit Wohnungen zu ermöglichen, stieß auch auf Kritik. Letztlich zeigte sich der Rat aber zufrieden, vor allem mit dem zweiten Entwurf mit den Dachgärten. Nur die Frage nach einer Tiefgarage galt es noch zu klären. Die wäre für den Fall interessant, dass später dort tatsächlich noch Wohnungen entstehen. Allerdings hat sich gezeigt, dass ein sofortiger Bau keine echten Synergien brächte, etwa 1,5 Millionen Euro würde die Tiefgarage wohl zusätzlich kosten. Das Teilprojekt wurde daher aufgeschoben, ein späterer Bau ist aber jederzeit möglich.

Kosten: Knapp fünf Millionen Euro

Insgesamt werden die voraussichtlichen Kosten im Vergleich zur Machbarkeitsstudie von 2018 arg in die Höhe schießen. Wobei man damals noch von etwa 1000 Quadratmetern Grundfläche für das Gebäude ausging. Von 3,5 Millionen Euro war damals die Rede. Die Variante 1 (1400 Quadratmeter) käme nach aktuellem Stand auf etwa 5,6 Millionen Euro, die Variante 2 (1200 Quadratmeter) auf 4,8 Millionen Euro. Mit Garage wären es direkt 6,3 Millionen. „Die Kosten galoppieren uns davon“, bemängelte Wolfgang Steudle von der CDU und verwies auf frühere Projekte, in denen die Kosten am Ende den Berechnungen tatsächlich entsprachen. „Das hätte ich gerne wieder.“ Das allerdings war vor Corona und dem Krieg in der Ukraine. Seither seien langfristige Voraussagen sehr schwer geworden, sagte der Stadtbaumeister Hartmut Marx. „Bei der Riedwiesensporthalle zum Beispiel sind wir genau in die ungünstigste Zeit reingerutscht, was die Ausschreibungen angeht.“

Das Baugebiet Schnallenäcker III befindet sich nördlich der Nelkenstraße, gegenüber also von Schnallenäcker II, wo sich bereits rund 1000 Menschen angesiedelt haben. Im neuen Baugebiet sollen ebenfalls rund 1000 Renninger ein neues Zuhause finden. Längst entstehen dort die ersten Häuser. Bis der neue Kindergarten steht, wird es aber noch etwas dauern. Die Ausschreibungen sollen Ende 2024 beginnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2026 vorgesehen. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wird ein provisorischer Kindergarten mit Containern errichtet. Der kostet rund zwei Millionen Euro und soll im ersten Halbjahr 2024 aufgestellt werden.

Weitere Themen