Die Stadt soll zuerst alle Grundstücke aufkaufen: Das hat der Gemeinderat vor einem Jahr als Bedingung für sein Ja für das Baugebiet Korntal-West festgelegt. Die Stadt ist seitdem auf die Grundstücksbesitzer zugegangen – und hat Probleme beim Aufkauf.

Strohgäu: Annegret Jacobs (jac)

Korntal-Münchingen – Gelingt es der Stadt Korntal-Münchingen, rund 120 Korntalern ihre Grundstücke abzukaufen? Gelingt die innerstädtische Flurbereinigung? Das ist derzeit die entscheidende Frage für die Entwicklung des geplanten Neubaugebiets Korntal West. Seit rund zehn Monaten verhandelt die Kommune dazu mit den Eigentümern der Grundstücke westlich der Hermann-Hesse-Straße. Jetzt liegt ein Überblick zum aktuellen Stand vor. Dieser wird bald dem Gemeinderat vorgestellt.

Konkretes zum Erfolg der Kommune beim Grundstücksverkauf will Bürgermeister Joachim Wolf noch nicht sagen. Nur so viel: „Wir haben bei weitem nicht genug Flächen zusammen, um mit einem ersten Bauabschnitt beginnen zu können.“ Das an sich, so Wolf, sei auch nicht das Entscheidende. Viel mehr gehe es der Verwaltung um die Perspektive. Die Kommune verhandle mit 120 Eigentümern, wohinter in vielen Fällen auch noch Erbengemeinschaften stehen. „Wenn sich nur ein Besitzer eines zentralen Grundstücks quer stellt, scheitert das Neubaugebiet.“

SPD steht hinter dem Vorschlag

Hintergrund: im vergangenen Jahr beschloss der Gemeinderat, dass die Stadt die Grundstücke des 10,5 Hektar großen Geländes aufkaufen soll. Die SPD-Fraktion hatte diese Variante in einem Antrag eingebracht. Die Sozialdemokraten argumentierten, nur so ließen sich die städtebaulichen Ziele der Kommune verwirklichen. Zum einen soll der Grundstückspreis möglichst niedrig und damit für junge Familien erschwinglich sein. „Eine Verjüngung ist gerade für Korntal wichtig, wo die Bevölkerung im Schnitt recht alt ist“, so der SPD-Sprecher Egon Beck. Zum anderen soll die Bebauung im neuen Viertel hohe ökologische Standards erfüllen – um den Schaden durch die Flächenversiegelung aufzufangen. Dem SPD-Antrag schloss sich damals die Mehrheit im Gemeinderat an. Auch die Grünen stimmten zu, die eigentlich gegen das Baugebiet am Ortsrand sind.

Heute frage er sich, so Wolf, „ob allen Beteiligten damals die Auswirkungen der Entscheidung klar gewesen sind“. Der Bürgermeister räumt ein, die Verwaltung habe dem Gemeinderat keine Empfehlung für die Bodenordnung gegeben. Wolf sagt auch: Kauft die Stadt die Grundstücke auf, hat sie freie Bahn, ihre Ziele für das Viertel zu verwirklichen. Für ein so großes Baugebiet wie Korntal West sei dieses Verfahren allerdings „sehr ungewöhnlich“. „Das macht man eigentlich nur, wenn man wenige Grundstücke zusammenkauft.“

„Ansonsten herrscht das freie Spiel der Kräfte“

Die Regel, so Wolf, sei ein amtliches Umlegungsverfahren. Dabei kauft die Kommune die Flächen nicht auf. Vielmehr müssen die Grundstücksbesitzer ihre Flächen an die Stadt abtreten und werden ausbezahlt oder bekommen nach der Flurbereinigung ein neues Grundstück zugewiesen. Dieses Verfahren sei einfacher, biete der Stadt aber kaum Einflussmöglichkeiten auf das Baugebiet. „Die Käufer müssen die Vorgaben des Bebauungsplanes erfüllen – ansonsten herrscht das freie Spiel der Kräfte.“

Als weitere Variante bringt die Verwaltung von Korntal-Münchingen nun das freiwillige Umlageverfahren ins Spiel. Dieses sei ein Mittelweg. Die Stadt müsse die Grundstücke nicht aufkaufen, habe aber dennoch die Möglichkeit, über den Bebauungsplan hinaus Einfluss auf den Gestaltung des Viertels zu nehmen. Wolf betont, dass er vor der Gemeinderatssitzung keines der drei Verfahrensmodelle bewerten will. Derzeit gelte der Grundsatzbeschluss. Doch vielleicht wird der Gemeinderat bald einen neuen Grundsatzbeschluss fällen. Wolf: „Aus der Tatsache, dass die Bodenordnung für Korntal West erneut auf die Tagesordnung kommt, kann man schon schließen, dass wir noch Gesprächsbedarf sehen.“ Die Verwaltung, so der Bürgermeister weiter, werde dem Gemeinderat auch eine Empfehlung für ein Modell geben. Nur für welches – darüber schweigt man sich vorerst aus.