Fenster, die bei Wind von alleine aufgehen, Kleister, der bei Minusgraden einfriert, und im Winter „maximal Frostfreiheit“: Hört man von den Zuständen im Weil der Städter Bauhof, wird schnell klar, warum sich die Stadt schon seit mehreren Jahren um einen Neubau des Standorts in Merklingen bemüht. „Unzumutbare Arbeitsbedingungen“ würden derzeit am Bauhof herrschen, wiederholte der Erste Beigeordnete Jürgen Katz auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. „Wir haben Sandsäcke auf das Dach gelegt, damit es uns die Dachplatten nicht hochhebt.“ Die Mängel am Bestandsgebäude, zu denen auch rudimentäre Sanitär- und Aufenthaltsräume und andere arbeitsschutzrechtliche Mankos gehören, hatte nach Angabe der Stadtverwaltung auch die zuständige Unfallkasse in den vergangenen Jahren immer wieder angemahnt.
Einigkeit herrscht also nicht nur in der Verwaltung, sondern auch unter den Stadträten: Ein neuer Bauhof muss dringend her. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte der Gemeinderat bereits im September 2023 gefasst, damals hatte man noch auf einen zügigen Baubeginn im Herbst 2024 gehofft. Vergeben hatte man die Planungsleistungen dann aber erst im Juni 2024, unter anderem wegen eines aufwendigen, europaweiten Vergabeverfahren, das eine externe Begleitung notwendig machte.
Frist für Fördertopf läuft Ende Januar ab
Seit vergangenem Sommer hatten es Stadt und Planer schließlich eilig – denn um Gelder aus dem Ausgleichstock, einem Landesfördertopf für leistungsschwache Gemeinden, zu beantragen, müssen die Planungen für den Neubau bis zum Stichtag Ende Januar eingereicht werden. 1,5 Millionen Euro für den Neubau des Bauhofs verspricht man sich im Rathaus aus diesem Ausgleichstock. Um die Frist einzuhalten, hat man den Beschluss über die Planungen noch im Januar auf die Tagesordnung des Gemeinderats gesetzt – und den Stadträten die zahlreichen Unterlagen dazu scheinbar erst kurz vorher vorgelegt.
Dass es dafür gleich zu Beginn der zweistündigen Aussprache zum Thema Bauhof entsprechende Kritik aus den Rängen der Stadträte hagelt, können nicht einmal die wiederholten Entschuldigungen seitens der Stadtverwaltung entgegenwirken. Man habe „keine böse Absicht“ gehabt, plädierte Bürgermeister Christian Walter. Trotzdem: „Wir fühlen uns unter Druck gesetzt“, kommentierte FDP-Rat Hans Dieter Scheerer angesichts der kurzen Zeit, um die umfangreiche Planungen zu durchdringen und in den Fraktionen zu besprechen. „Ich bin sehr enttäuscht, wie das heute gelaufen ist“, sagte Grünen-Rätin Sonja Nolte, der Entscheidungszwang sei „unmöglich.“ Als „Blackbox“ bezeichnete Stadtrad Benjamin Gehring (FW) den Entwurf. „Mir fehlt die Griffigkeit, für was wir hier Geld ausgeben.“
Planer rechnen mit Kosten von rund 15 Millionen Euro
Druck verspüren auch die Stadträte, weil ein Teil des bestehenden Bauhofs bereits im Sommer abgerissen wurde, damit die Fläche für einen Neubau der Firma Silberform genutzt werden kann. Ein Jahr zu warten, bis man erneut einen Antrag beim Ausgleichstock einreichen kann, will also niemand. „Wir haben den Bauhof im laufenden Betrieb auseinandergerissen“, sagte SPD-Rat Felix Mayer. Es sei zwar bedauerlich, wie das Verfahren gelaufen sei. „Aber ich sehe die Schuld nicht rein bei der Verwaltung.“
Erschrocken ist man im Raum auch angesichts des stolzen Preises, der für den neuen Baubetriebshof geschätzt wird: 15 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Noch nicht inkludiert sind hierbei die Kosten für die Aufschüttung des Geländes zwischen Würm und Merklinger Wendelinskapelle, weil man den Bauhof auch bei Extremwetter vor Hochwasser schützen will. Ein erster Entwurf für das Gelände, den die Planer nach zugegebenermaßen wenigen Monaten Arbeit im November vorgelegt hatten, hätte sogar 20 Millionen Euro gekostet. „Ich habe dann die Reißleine gezogen“, erklärte Katz den Gemeinderäten. „Damit gehe ich in kein Gremium.“
Keine dezentralen Bauhofflächen mehr
Abgespeckt hat man also, laut Katz, „Notwendiges von Wünschenswertem getrennt und die Flächenansätze reduziert.“ In einem zweiten Entwurf habe man die Gebäude kompakter gestaltet, ist damit also bei Kosten von 15 Millionen Euro gelandet. Das sei, bestätigt Katz auf Nachfrage unserer Zeitung, die Basisvariante, „die tatsächlich für einen funktionierenden, den aktuellen Anforderungen entsprechenden Baubetriebshof notwendig sind.“
Geplant sind drei Gebäude, in denen Büro- und Sozialräume, Lagerflächen, Fahrzeughallen und alle nötigen Werkstätten untergebracht sind. Zahlreiche Flächen im gesamten Stadtgebiet, die der Baubetriebshof aktuell etwa für die Lagerung nutzt, würden damit wegfallen, der Betrieb würde am neuen Standort zentralisiert.
Verwaltung plädiert für „Zukunftsvariante“
Ergänzend zur Basisversion des neuen Bauhofs hatte man den Gemeinderäten eine ergänzende Fassung vorgelegt – eine rund 850 000 Euro teurere „Zukunftsvariante“, die etwas mehr als die gesetzlich vorgeschrieben PV-Anlagen, eine Regenwasserzisterne oder Videoüberwachung beinhaltet. „Der neue Bauhof muss 50 Jahre halten“, sagte Bürgermeister Walter. „Deshalb plädiere ich für die Zukunftsvariante.“ 2021 habe man laut Walter die Kosten einer Sanierung im Bestand auf zehn Millionen Euro geschätzt. Die Summe und das Konzept der Planung hält er deshalb für „kein schlechtes Ergebnis“.
Bei allem Unmut über die hohen Kosten und die kurzfristige Vorlage im Gemeinderat überwiegt am Ende die klare Notwendigkeit für einen neuen Bauhof. Einstimmig sprechen sich die Stadträte schließlich für die Planungen aus, allerdings nur mit dem kleinen Zusatz „vorläufig“. Für die Beantragung des Augleichstocks dürfte das reichen. Die Details will man noch einmal im Technischen Ausschuss diskutieren.