Baukästen- und Spielzeugschau in Burgstetten Von A wie Anker bis M wie Märklin

Von Annette Clauß 

Allerhand zum Spielen – von Baukästen bis zur Puppe – zeigt der Historische Verein Burgstetten in der Pfarrscheuer. Die Besonderheit: alle Exponate sind selbst gemacht. Am Sonntag kann man sie bestaunen.

Die  Soleil Royal  sucht noch einen Bastler, der sie vollendet. Foto: Gottfried Stoppel
Die Soleil Royal sucht noch einen Bastler, der sie vollendet. Foto: Gottfried Stoppel

Burgstetten - Prachtvolle Segelschiffe, eine Tischorgel, Zinnsoldaten namens Preußens Gloria und ein Londoner Doppeldeckerbus, der einem Baukasten der Marke Märklin entstammt – in der Pfarr- und Zehntscheuer von Erbstetten haben die Mitglieder des Historischen Vereins Burgstetten dieser Tage alle Hände voll zu tun mit dem Aufbau der neuen Sonderausstellung. Die versammelt unter dem Titel „Als man Fantasie noch anfassen konnte“ allerhand, was sich unter dem Begriff Spielzeug zusammenfassen lässt. Das Besondere daran: die Exponate sind durchweg selbst gemacht, ob Modellflugzeug oder Puppe, Schachspiel oder Kaufladen.

Mehr als 400 Stücke seien dieses Mal zusammengekommen, sagt Jochen Elzmann vom Historischen Verein Burgstetten. Wie immer haben die Bewohner der Ortschaft fleißig mitgeholfen und Ausstellungsstücke samt deren Entstehungsgeschichte vorbeigebracht. „Alles wird nummeriert, damit man es später wieder zurückgeben kann“, erklärt Jochen Elzmann. Er selbst hat beispielsweise den gewaltigen Flugzeugträger zur Verfügung gestellt, den er als 16-Jähriger in den 1950er-Jahren in mühevoller Arbeit aus großen Papierbögen ausgeschnitten und kunstvoll geklebt hat. „Nebenbei habe ich Musik von Bill Haley vom Band gehört“, erinnert sich Jochen Elzmann, der die Fitzelarbeit damals als angenehme Beschäftigung empfunden hat: „Das war für mich eine Stunde Entspannung nach den Hausaufgaben.“

Mekanik versus Märklin

Seine spätere Ingenieurskarriere hatte schon einige Jahre früher angefangen – mit einem Metallbaukasten der Firma Mekanik, einem Konkurrenten der Göppinger Firma Märklin, deren Baukästen nach eigenem Bekunden „in allen besseren einschlägigen Geschäften“ verkauft wurden. Auf Kunststein statt Metall setzte die thüringische Firma Anker, deren Produkte kleine Architekten glücklich machten.

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Baukästen: Vor dem Zweiten Weltkrieg setzte man auf Metall, in den 1960er-Jahren schraubte der Nachwuchs seine Fahrzeuge auch schon mal aus Holzelementen und -schrauben der Reihe Baufix zusammen. In den Siebzigern machte der Kunststoff manches möglich, was zuvor nicht denkbar gewesen war. Ein Konstruktions-Baukasten von Fischertechnik ist in Erbstetten zu sehen, daneben gibt es diverse Segelschiffmodelle, die dank Plastik selbst winzigste Details aufweisen. Neben dem berühmten Dreimaster Bounty ist auch die Soleil Royal, das Flaggschiff der französischen Flotte, zu bewundern. Bei letzterem Modell, das aus 2300 Teilen besteht, fehlen allerdings noch Takelage und Segel: „Wer will fertig bauen?“ steht auf dem Hinweisschild am Schiff. Freiwillige vor!

Hermann Pflugfelder hat mehrere Gesellschaftsspiele aus eigener Herstellung im Museum vorbeigebracht. Darunter ein selbst an der Drehbank gefertigtes Schachspiel. „Ich komme aus Fichtenberg“, erklärt er und zeigt erst auf den schwarzen Turm – „Das ist der Bergfried der zerstörten Rötenburg“ – und dann auf den hellen: „Das ist der Wasserturm von Fichtenberg.“ Nebenan stehen selbst gegossene und bemalte Zinnsoldaten stramm und ein kunstvoll gemaltes Brettspiel liegt da, bei dem sich die Teilnehmer vom Start an der Kirche in Erbstetten bis nach Backnang durchschlagen und allerlei Aufgaben bewältigen müssen. Das Ziel, das Kaufhaus Max Mayer, ist inzwischen Geschichte.