Bauknecht in Schorndorf Konzern gibt den Standort auf

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Bauknecht macht seine letzte deutsche Fabrik dicht. 240 Mitarbeiter sollen zur Schweizer Firma Solarcell wechseln, die im Remstal künftig Solarzellen herstellen will.

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Schorndorf - Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass Bauknecht die Produktion von Geschirrspülern im saarländischen Neunkirchen eingestellt hat. Nun schließt der Hausgerätehersteller auch noch seine letzte deutsche Fertigungsstätte in Schorndorf. Dort arbeiten rund 500 Menschen für das zum US-Konzern Whirlpool gehörende Unternehmen. In Schorndorf wurden seit rund zehn Jahren großvolumige Waschmaschinen der Baureihe Access produziert, die zu 90 Prozent in den USA verkauft wurden – zunächst mit großem Erfolg. In Spitzenjahren verließen rund 900 000 Geräte die Fabrik. 2011 waren es aber nur noch knapp 200 000 Stück. Bereits im April hatte Bauknecht deshalb den Abbau von rund 200 Stellen in Schorndorf beschlossen.

Zuletzt hat sich der Einbruch am US-Markt weiter beschleunigt. Seit April 2011 sei das für Bauknecht relevante Segment der Frontlader-Waschmaschinen um weitere 23 Prozent eingebrochen, sagte der Geschäftsführer von Bauknecht Hausgeräte, Manfred Davids. Die Folge seien Überkapazitäten und Preiskämpfe. Zudem belasteten gestiegene Materialkosten das Geschäft. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns frühzeitig mit Alternativen beschäftigt“, sagte Davids. Die Alternative, für die sich die Bauknecht-Verantwortlichen entschieden haben, sieht so aus: die Waschmaschinenproduktion in Schorndorf läuft noch in diesem Jahr aus. Parallel dazu baut das Schweizer Unternehmen Solarcell in den frei werdenden Gebäuden eine Solarzellenfertigung auf. Bauknecht-Geräte wird es freilich weiter geben, sie werden aber künftig komplett in anderen Whirlpool-Werken hergesellt.

Von den rund 300 Beschäftigten in der Bauknecht-Produktion sollen laut Davids 240 das Angebot bekommen, zu Solarcell zu wechseln. 60 Mitarbeiter werden demnach nicht übernommen. Entwicklung und Einkauf von Bauknecht mit derzeit rund 200 Beschäftigten sollen in Schorndorf verbleiben. Eine Verlagerung dieser Funktionen – etwa an den Verwaltungssitz Stuttgart – sei nicht geplant, bekräftigte Davids. Die Entwicklungsabteilung soll nach seinen Worten sogar gestärkt werden und die Verantwortung für Frontlader-Waschmaschinen in ganz Europa und Asien erhalten.

Solarzellen statt Waschmaschinen

Solarcell wird in Schorndorf nach eigenen Angaben insgesamt rund 70 Millionen Euro investieren. Weitere zehn Millionen Euro sollen von Bauknecht kommen – etwa für erforderliche Umbauten. Bauknecht hat das Betriebsgelände bereits Ende der 90er Jahre verkauft und zurückgemietet. Auch Solarcell wird als Mieter in Schorndorf einziehen. Bereis im dritten Quartal wollen die Schweizer mit der Produktion beginnen, im vierten Quartal soll eine zweite Produktionslinie aufgebaut werden. Am Jahresende sollen 180 Bauknecht-Mitarbeiter dort arbeiten. Bis Ende 2013 plant Solarcell mit drei Fertigungslinien und insgesamt 290 Mitarbeitern im Remstal.

Solarcell-Verwaltungsrat Jürg Tschofen sieht im Solargeschäft weiter gute Wachstumsperspektiven. Die aktuellen Negativmeldungen aus der Branche, die unter Förderkürzungen und der Billigkonkurrenz aus China leidet, scheinen ihm keine Sorgen zu bereiten – im Gegenteil. „Die sinkenden Preise sind gut für die Branche“, sagt der Schweizer. Das biete die Chance, dass sich die Solarstromproduktion bald auch ohne staatliche Hilfen rechne, meint Tschofen. Zudem würden durch die aktuelle Solarkrise einige Konkurrenten verschwinden. Im Wettbewerb mit den Asiaten will Solarcell mit besserer Qualität – etwa was den Wirkungsgrad angeht – ­punkten. Zudem passe eine regionale Pro­duktion besser zum Grundgedanken der Energiewende als der Transport von Solarzellen um die halbe Welt. Auch der niedrige Lohnkostenanteil von maximal fünf Prozent spreche für eine Fertigung vor Ort. Solarcell will auch davon profitieren, dass etwa die Hälfte der Produktion an die Muttergesellschaften Solar Industries (Schweiz) und MX Holding (Italien) gehen soll, die die Zellen in ihren eigenen Modulen verbauen wollen.

Die Bedingungen, zu denen die Bauknecht-Mitarbeiter zu Solarcell wechseln können, sind noch offen. Dieter Knauß von der IG Metall Waiblingen, hofft deshalb auf baldige Gespräche mit dem Management. Klar ist, dass zunächst alle Produktionsmitarbeiter in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln, wo sie für ihre neue Tätigkeit geschult werden.