Baukultur in Baden-Württemberg Nachhaltigkeit aus Leidenschaft
Wie nachhaltige Architektur die Baukultur im Südwesten bereichert: Der inspirierende Band „In Hülle und Fülle. Baukunst für Mensch und Natur“ präsentiert Beispiele aus Baden-Württemberg.
Wie nachhaltige Architektur die Baukultur im Südwesten bereichert: Der inspirierende Band „In Hülle und Fülle. Baukunst für Mensch und Natur“ präsentiert Beispiele aus Baden-Württemberg.
Stuttgart - Die Zukunft des Bauens muss nachhaltig sein – in der Architektur ist die Notwendigkeit des ökologischen Umsteuerns Konsens, zumindest in der Theorie. Aber, und das stimmt hoffnungsfroh, zunehmend auch in der Praxis. Die Autorin Jeannette Jäger und der Fotograf Frank Paul Kistner haben jedenfalls für ihr Buch „In Hülle und Fülle. Baukunst für Mensch und Natur“ zahlreiche Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen in Baden-Württemberg ausfindig gemacht. Mit ihrer Auswahl wollten sie „Lust machen auf nachhaltig gestaltete Architektur“ und zeigen, dass es sich lohne, sich für sie einzusetzen, schreibt Jäger in ihrem Vorwort. Sie ist Gesellschafterin der Transformations- Nachhaltigkeitsberatung Jäger und zudem Dozentin an der DHBW für Nachhaltiges Bauen.
Der Band, der in der Kunstreihe „G:sichtet“ des Stuttgarter Gatzanis Verlags erschienen ist, stellt bereits vielfach publizierte Projekte vor wie etwa das Öko-Baugemeinschaftshaus Max Acht im Stuttgarter Olga-Areal. Oder auch den hölzernen Urbach Turm im Remstal: Mit dem elegant gewundenen Aussichtsturm haben die Stuttgarter Architekturforscher Jan Knippers und Achim Menges mittels digitaler Konstruktionsmethoden den Holzbau revolutioniert.
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Zudem wird beschrieben, wie die Forschungsspeerspitze der Bauingenieure an der Universität Stuttgart zur Materialeinsparung die Methoden des Ultraleichtbaus vorantreibt und Bauten entwickelt, die in der Lage sind, sich an äußere Einflüsse anzupassen. Auch wer schon bestehende Bauten weiter verwendet und umnutzt, schont Umwelt und Klima. Ein bislang eher wenig beachtetes und dabei überaus reizvolles Beispiel stellt die Verwandlung einer Bäckerei zu einem Kunstraum, der Galerie AK2, in Stuttgart dar, die die Architektin Tina Kammer zusammen mit dem Galeriebetreiber Andreas Körner konzipiert hat.
Die öffentliche Hand als Bauherr hat eine besondere Verantwortung, bei der Bauwende voranzugehen. Bei der Erweiterung des Schubart Gymnasiums als Null-Energie-Gebäude war die Stadt Aalen der Zeit weit voraus: Der Architekturwettbewerb, den das Büro Liebel/Architekten und der Klimaingenieur Markus Krauß für sich entschieden, fand bereits 2015 statt, lange vor Fridays for Future.
Das Weinverkostungs-Tinyhaus aus Mondholz des Weinguts Idler im Remstal wiederum demonstriert, wie zwei junge befreundete Unternehmer, ein Winzer und ein Zimmermann, Innovation und Umweltverträglichkeit gewinnbringend und zum Wohle der Baukultur zusammenbringen. Was den Band von einer gewöhnlichen Architektur-Publikation unterscheidet: Die Autorin lässt auch die Menschen hinter den Projekten zu Wort kommen, schildert ihre Motive und Erfahrungen. So wird deutlich, dass Nachhaltigkeit vielfach vor allem aus persönlicher Überzeugung und Leidenschaft erreicht wird.
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Nachhaltigkeit ist jetzt, sagt der IBA-Intendant Andreas Hofer in seinem Vorwort. Das Buch zeige, dass es gehe, „in jedem Maßstab, für jede Bauaufgabe“. Es sei kein Hexenwerk, aber man muss es wollen. Und bereit sein, drei bis vier Prozent Mehrkosten in Kauf zu nehmen. Damit geht indes ein unschätzbarer Mehrwert einher: Wer nachhaltig baut, schafft schöne Räume, in denen Menschen gerne leben und arbeiten.
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Buch
Jeannette Jäger: In Hülle und Fülle. Baukunst für Mensch und Natur. Fotos von Frank Paul Kistner. Gatzanis Verlag, Stuttgart. 112 Seiten, 26 Euro.
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