Baumaschinen Gegenwind für Liebherr trotz Rekordumsatzes

Größter Hexenbesen der Welt: Ein Liebherr-Turmdrehkran hebt Stahlbauteile für das Harzer Hexenreich. Foto: Liebherr

Der Baumaschinenkonzern Liebherr hat 2024 zwar einen Rekordumsatz erzielt, die Wachstumsraten und der Gewinn sind aber geringer als in früheren Jahren. Wo die Wachstumsbringer sind, und wie das Unternehmen auf steigenden Kostendruck reagiert.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Die Aufstellung des Liebherr-Konzerns, der von Baggern über Krane bis zu Kühlschränken eine breite Produktpalette hat, sorgte trotz Gegenwinds auch 2024 für Wachstum. Der Umsatz erhöhte sich zum 4,1 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro – ein Rekordwert.

 

Allerdings entwickelten sich die Geschäfte und Märkte ganz unterschiedlich, wie das Unternehmen mitteilte. Insbesondere die gedämpfte Nachfrage in der Bauindustrie , vor allem in Deutschland, belastete einige Produktbereiche. Rückgänge konnten laut Liebherr aber mit anderen Produkten ausgeglichen werden. In sieben von insgesamt 13 Produktsegmenten gab es Umsatzsteigerungen.

Wachstumstreiber waren vor allem Mobilkrane, Komponenten für den Produktbereich Aerospace (Flugzeugausrüstung) sowie die gute Auftragslage bei Verzahntechnik und Mining (Bergbaumaschinen wie Muldenkipper, Bagger und Planierraupen), wo Liebherr im vergangenen Jahr den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen hat.

Allein im Bereich Baumaschinen und Mining legte der Umsatz um 3,5 Prozent auf knapp 9,9 Milliarden Euro zu. Darunter fallen unterschiedliche Produktsegmente – von Bergbaumaschinen über Erdbewegung und Spezialtiefbau über Turmdrehkrane, Mobil- und Raupenkrane bis zur Betontechnik. Dazu zählt auch das Werk für Fahrmischer und Mischanlagen in Bad Schussenried (Kreis Biberach).

Jobverlagerung nach Bulgarien

Erst kürzlich hatte Liebherr angekündigt, angesichts des zunehmenden Wettbewerbs- und Kostendrucks Teile der Produktion, der Entwicklung sowie der produktionsbegleitenden Tätigkeiten und Administrationsaufgaben von Bad Schussenried nach Bulgarien zu verlagern – ins Liebherr-Werk nach Plovdiv. Betroffen sind rund 350 Jobs am Standort, die sozialverträglich bis spätestens 2028 abgebaut werden sollen. Der Produktionsstandort in Bad Schussenried soll langfristig erhalten bleiben, die Sparte sich auf Betonpumpen und Messtechnik konzentrieren.

Die Region Oberschwaben/Allgäu/Bodensee ist bedeutend für Liebherr. In der Region sind rund 40 Prozent der weltweit mehr als 54 700 Liebherr-Mitarbeiter (gegenüber dem Vorjahr sind gut 1000 dazugekommen) beschäftigt. Allein im Landkreis Biberach sind es mehr als 10 500 Beschäftigte in unter anderem sechs Produktionswerken.

Liebherr hat zwar seinen Hauptsitz im schweizerischen Bulle, gegründet wurde das Familienunternehmen aber 1949 von Hans Liebherr in Kirchdorf an der Iller (Kreis Biberach) und ist traditionell stark in Süddeutschland vertreten, wie einige Beispiele zeigen.

Mobil- und Raupenkrane sind gefragt

In Biberach ist unter anderem das Produktsegment Trumdrehkrane angesiedelt, bei dem Liebherr gut 38 Prozent Umsatz auf 315 Millionen Euro einbüßte, weil insbesondere der Wohnungsbau in Europa rückläufig war. Im Segment Mobil- und Raupenkrane, das in Ehingen an der Donau angesiedelt ist, konnte Liebherr dagegen beim Umsatz um 13,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zulegen. Mit Kühl- und Gefriergeräten, zu denen etwa das Werk in Ochsenhausen (Kreis Biberach) zählt, setzte Liebherr knapp 1,1 Milliarden Euro um – 6,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im Bereich Aerospace (mit Standorten in der Bodenseeregion) und Verkehrstechnik kletterte der Umsatz um 15,9 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Liebherr hat den weltweit ersten Großradlader mit Wasserstoffmotor entwickelt, der bei Strabag im Testbetrieb im Einsatz ist. Foto: Strabag/Martin Anger

Im vergangenen Jahr hat Liebherr weltweit fast eine Milliarde Euro investiert und 666 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben – ein Großteil davon für die Entwicklung neuer Produkte. Unterm Strich hat das Unternehmen 2024 weniger verdient. Das Ergebnis nach Steuern sank von 367 auf 258 Millionen Euro.

Gute Chancen in der Luftfahrt- und Mining-Industrie

Für das Jahr 2025 erwartet die Firmengruppe nach eigenen Angaben „ein moderates Wachstum mit Seitwärtsbewegungen bei der Umsatzverteilung“. Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechnet Liebherr mit einer geringeren Investitionsbereitschaft der Kunden. Dazu komme in einigen Bereichen ein hoher Kostendruck.

Grundsätzlich sieht man sich aber gut aufgestellt. Man sei mit einem soliden Auftragsbestand ins laufende Geschäftsjahr gestartet, wenngleich sich die Nachfragesituation in den 13 Produktsegmenten teilweise deutlich voneinander unterscheiden. Besondere Chancen sieht man in der Luftfahrt- und Mining-Industrie sowie auf dem australischen und amerikanischen Markt.

Die Firmengruppe wird von der zweiten und dritten Generation der Familie Liebherr gemeinsam geführt.

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