Baumfällungen an der Kreisstraße Kahlschlag zwischen Aidlingen und Ehningen

, aktualisiert am 10.11.2025 - 10:48 Uhr
Wo früher Bäume standen, sind jetzt noch Stümpfe zu sehen. Foto: Stefanie Schlecht

Am Straßenrand der Kreisstraße zwischen Aidlingen und Ehningen wurden Bäume gefällt. Warum so viele?

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Es ist eine schmale, aber idyllisch gelegene Route: die Kreisstraße 1001 entlang der Würm, die Ehningen mit Aidlingen verbindet. Im Spätsommer waren dort Baumfällarbeiten nötig geworden sowie Pflegeschnitte der Alleebäume, weshalb die Straße fünf Wochen lang, zwischen 22. September und 26. Oktober, gesperrt werden musste. Der Wald an diesem Streckenabschnitt gehört der Gemeinde Ehningen und wird vom Forstrevier Magstadt betreut.

 

Inzwischen ist die Straße wieder befahrbar, doch wer die kurvenreiche Straße nun entlangfährt, wird stutzen: Am Straßenrand wurde regelrecht Kahlschlag betrieben, an den Seitenstreifen zeugen an vielen Stellen nur noch Stümpfe vom früher so dichten Baumbestand.

Warum wurden so viele Bäume gefällt?

Dass nicht nur einzelne Bäume gefällt, sondern ganze Bereiche gerodet werden mussten, hat sicherheitsrelevante Gründe. „Nach den vergangenen trocken-heißen Jahren befand sich der Wald entlang der Kreisstraße 1001 in einem sehr schlechten Zustand“, sagt Benjamin Lutsch, Pressesprecher des Böblinger Landratsamts, auf Nachfrage. Im gesamten Landkreis seien die Veränderungen des Waldes durch den Klimawandel sichtbar. Wo zu wenig Wasser im Boden für die Bäume verfügbar sei, würden diese ganz oder in Teilen absterben und dadurch eine Gefahr darstellen.

Die gefällten Bäume hätten überwiegend aus Nadelbäumen und Rotbuchen bestanden, welche auf dem trockenen und steinigen Hang zunehmend an ihre Grenzen gekommen seien, so Lutsch. „Da diese teilweise abgestorben oder stark in ihrer Vitalität geschwächt waren, war eine Durchforstung dringend notwendig, nicht zuletzt aufgrund der Nähe zur Straße.“ Darum seien auf einer Länge von 1,4 Kilometern erntereife oder zu dicht stehende Baumpartien entnommen und Gebüsche auf den Stock gesetzt worden. Das Stammholz wurde an Sägewerke, die Hackschnitzel als Energieholz verkauft.

Was passiert mit der gerodeten Fläche?

Landkreissprecher Benjamin Lutsch betont, Ziel der Maßnahme sei es, einen klimastabilen und artenreichen Waldrand zu etablieren. Der Wald entlang der Straße berge von Natur aus eine große Artenvielfalt und verjünge sich auf natürliche Weise durch vorhandene Baumsämlinge und Stockausschläge der Sträucher. Durch die Pflege des Hangs würden klimaresiliente, vitale Bäume gefördert, wodurch ein klimastabiler und artenreicher Waldtrauf entstehe.

Hitze- und trockenheitstolerante Baumarten wie Stieleichen, Hainbuchen, Mehlbeeren, Elsbeeren, Kirschen und weitere Baum- und Straucharten sollten künftig jenen Südhang prägen. Falls nötig, würden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Bäume gepflanzt, die Naturverjüngung habe aber Vorrang und reiche im Optimalfall aus.

„Auch wenn eine solche Maßnahme auf den ersten Blick den Landschaftszug verändert, entsteht so ein langfristig stabiler und artenreicher Waldrand“, sagt Lutsch. Bis neue Bäume und Sträucher nachgewachsen seien, fänden dort lichtliebende Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Reptilien wie Zauneidechsen und Schlingnattern würden von der Maßnahme profitieren.

Wie der Wald in einigen Jahren aussehen werde, zeige sich am Streckenabschnitt Richtung Aidlingen. Pressesprecher Lutsch: „Dort hat vor mehreren Jahren eine ähnliche Durchforstung stattgefunden und einen artenreichen und strukturreichen Waldtrauf mit sanftem Übergang zum hohen Wald entstehen lassen.“

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