Baumfällungen in Böblingen Hau-Ruck-Aktion auf dem Schlossberg

Die Tage eines Teils der Bäume auf dem Schlossberg sind gezählt Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Warum teilt Böblingen erst kurz vor knapp mit, dass Bäume fallen?

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Viele Böblinger werden es wohl nicht gerne hören, wenn in den kommenden Tagen auf dem Schlossberg die Kettensägen kreischen. Ein Teil der jahrzehntealten Apfeldorn-Bäume, die den Grundriss des ehemaligen Schlosses säumen, sollen weichen. Der Grund sind Ausgrabungen zum ehemaligen Schlosskeller im Erdreich. Sie sollen zutage fördern, welches Gemäuer dort vorhanden ist und ob es schützens- und erhaltenswert ist. All das passiert im Vorgriff auf das angedachte Bauprojekt der Stadt, das Böblinger Schloss wieder auferstehen zu lassen für 36 Millionen Euro und in üppigem Gewand.

 

Nur, warum erfährt die Öffentlichkeit erst kurz vor knapp von den Fällungen? Die Stadtverwaltung hielt es nicht für notwendig, den Kahlschlag in der aktuellen Sitzungsrunde des Gemeinderats als eigenen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Er wurde nicht im eigentlich zuständigen Ausschuss für Technik und Umwelt am 1. Februar vorberaten. Stattdessen ploppte das Thema erst ganz am Schluss der Hauptsitzung am vergangenen Mittwoch auf, und das unter dem letzten Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“. Es war im Vorfeld weder für die Ratsmitglieder, noch für die interessierte Öffentlichkeit ersichtlich, was da auf sie zukommt. Stattdessen: Hau-Ruck-Aktion.

Entsprechend verschnupft reagierten einige Räte. Die CDU klagte über „Bauchschmerzen“ bei dem Kahlschlag, die Grünen sorgten sich um die Erreichbarkeit des Fruchtkastens auf dem Schlossberg und die SPD wollte die Bäume nicht fällen, sondern verpflanzen. Doch daraus dürfte nichts werden: Die Stadt schafft Fakten. Sie will, sie muss die Zeit vor dem Beginn der Vegetationsperiode am 1. März ausnutzen, um das Gehölz zu schlagen. Von der Bekanntgabe bis zum Axteinschlag vergehen also nicht Wochen, sondern gerade einmal Tage.

Steckt Schlafmützigkeit dahinter?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es mag sein, dass Schlafmützigkeit dahinter steckt und die Verwaltung selbst erst auf den letzten Drücker realisierte, was da auf sie zukommt. Oder steckt hinter dem Vorgang der Versuch, die unangenehme Wahrheit möglichst lange unter Verschluss zu halten? Die Reaktion im Gemeinderat war eindeutig, und sie war womöglich erwartet worden. Sollte Kalkül dahinter stecken, wiederholt sich damit ein Muster, das schon vor dem Grundsatzbeschluss zur Neubebauung des Schlossberg zu beobachten war.

Damals hielt es die Verwaltung ebenfalls nicht für notwendig, die Öffentlichkeit mehr als unbedingt notwendig über das 36-Millionen-Euro-Projekt zu informieren. Inszeniert sich die Rathausspitze sonst liebend gern wortreich und mit bunten Bildern bei Firmenbesuchen, Hilfsaktionen und Feierstunden, blieben die Öffentlichkeitsarbeiter bei der Schlossbergbebauung im Oktober 2021 auffallend stumm. In dieser Woche war außer dem mündlichen Bericht der Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger unter „Verschiedenes“ über die Baumfällung nichts aus dem Rathaus zu vernehmen.

Arbeiten markieren psychologischen Baubeginn

Klar ist aber auch, dass die jetzigen Grabungen keineswegs den Beginn der Bauarbeiten für den Schloss-Neubau darstellen. Zu diesem gibt es noch keinen Baubeschluss im Gemeinderat. Das Gremium hat im Oktober 2021 zwar einstimmig beschlossen, das Projekt grundsätzlich weiterzuverfolgen. Doch zuvor steht die Bewertung des Landesamts für Denkmalpflege aus, weswegen jetzt die Bäume weg müssen. Doch für Bevölkerung und Gemeinderat markieren die Arbeiten den psychologischen Baubeginn des Projekts. Und der scheint weh zu tun.

Das zeigen die Reaktionen im Gemeinderat überdeutlich: Von der einstigen Schlossberg-Euphorie im Herbst 2021 ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben, was die Stimmung in der Bevölkerung widerspiegelt.

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