Viertklässler der Reisachschule haben die Schlotwiese um 150 Bäume bereichert. Das durch Spenden finanzierte Projekt entstand aus Eigeninitiative.

Vorsichtig berührt Mara die in einen Bollerwagen gebetteten Eichen-Setzlinge. „Wir sind die Bäumeretter“, verspricht sie den Gewächsen. „Wir pflanzen euch.“ 150 Eichen und Linden warten am Dienstagmorgen auf dem Schulhof der Reisachschule in Weilimdorf auf den Transport zu ihrem künftigen Standort: ein Waldstück an der Schlotwiese Zuffenhausen. Die Neunjährige ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass die 4a dort zwei Käferlöcher mit neuem Baumbestand beleben darf.

Im November 2021 kamen Mara und ihre Freundinnen Enya und Lotta mit selbstgemaltem Plakat und Spendenkasse zur Schule. Ihr Ziel: Geld sammeln für ein Umweltprojekt. Die Resonanz war so positiv, dass sich daraus ein großes Projekt entwickelte, an dem sich auch die Mitschüler beteiligten.

Eichen und Linden kommen gut mit Trockenheit klar

Nun ist es soweit. Ein Tross von 22 Schülern setzt sich in Bewegung, begleitet von drei Eltern, Pädagoginnen aus dem Schülerhaus und Klassenlehrerin Susanne Schmidt. Sie hat die Jungbäume am Vortag abgeholt. Zum Einkaufspreis. Komplett durch Spenden finanziert. Die Gärtnerei Häussermann erwies sich bei der Umsetzung des Vorhabens als ebenso kooperativ wie die zuständigen Behörden der Stadt. Nicht zuletzt das Garten-, Friedhofs und Forstamt.

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Vier Waldpädagogen stehen bereit, um Kinder und Pflanzen fachmännisch zu betreuen. Schnell zeigt sich, dass die Aktion, die zwei Vormittage in Anspruch nehmen wird, weit mehr umfasst als ein paar Spatenstiche. Für kleine Markierungspfähle muss Holz gesägt werden. Die gleichmäßige Verteilung der neuen Vegetation erfordert den Umgang mit Maßbändern. Es gilt, Äste und den zerteilten Stamm einer umgestürzten Kirsche aus dem Weg zu räumen. Nebenbei erhalten die Kinder Informationen. Darüber etwa, warum Eichen und Linden ausgewählt wurden. „Sie kommen gut mit der Trockenheit klar“, erklärt Förster Benjamin Schuldt. Auf der Lichtung hätten vorher Fichten gestanden. Die habe aber der Borkenkäfer heimgesucht – sie mussten gefällt werden.

Im Wald gibt es immer was zu entdecken – leider auch Müll

Gegraben wird natürlich auch. Zunächst eine Rinne, in der die Setzlinge gelagert werden. Die freiliegenden Wurzeln mögen es feucht. „Das geht einfacher als auf dem Kartoffelacker“, stellt Benedikt fest und treibt den Spaten mit Nachdruck in den Boden. Dort hätten sie mit der Schule bei der Ernte geholfen. Bald wird er ähnlich lebhafte Erinnerungen an die Arbeit zwischen den Bäumen haben. „Wald macht Spaß“, findet Enya. Früher habe sie dort gerne Hütten gebaut. Es gebe immer etwas zu entdecken. Auch Müll, wie Lotta ergänzt. Unlängst waren sie und ihre Eltern zum Einsammeln von Unrat im Grünen. „Am Ende hatten wir sechs Kilo zusammen“, berichtet sie entrüstet. Ebenso wie Mara haben die beiden das Treiben der Klassenkameraden zunächst ein wenig skeptisch beäugt. Nun wirken sie entspannt. „Es ist toll, dass alle mithelfen“, gibt Mara zu verstehen. „Aber es ist immer noch unsere Idee. Sie ist uns wichtig.“

Schafwolle hält Rehe davon ab, das frische Grün abzufressen

Engagement zeigt am Dienstag jeder. Schuldt ist begeistert von der Einsatzbereitschaft der Gruppe. „Ihr seid richtig gut vorbereitet“, lobt er die Grundkenntnisse der Baumpflanzer, ehe er eine besonders knifflige Frage stellt: Wozu benötigt man den bereitstehenden Sack mit Schafwolle? „Vielleicht macht man die um die Wurzeln, damit Feuchtigkeit gespeichert wird?“, vermutet ein Junge. Tatsächlich dient sie dem Schutz vor dem Appetit der Rehe. Wenn diese das frische Grün abfressen wollen, bekommen sie Haare in den Mund, „Das ist für sie so unangenehm wie für uns“, erklärt Schuldt. Wenn sie das nächste Mal feststellen, dass es nach Schaf riecht, halten sich die Tiere fern.

120 der Bäumchen könnten durchkommen, vermutet Forstamts-Kollege Jan Ladewig. Wenn alles gut läuft, könnten sie noch in 200 Jahren an der Schlotwiese stehen. Paul ist beeindruckt von dieser Zahl. Er nimmt einen kräftigen Schluck aus seiner Trinkflasche. Es ist bestes Wetter für die Waldarbeit. Sollte es am zweiten Pflanztag regnen, wäre das auch nicht schlimm, findet Mara: „Die Bäume brauchen das.“

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