Baumsterben in Afrika Baobab – die Riesen wanken

In Afrikas Trockengebieten stehen die  mächtigen Baobab-Bäume – nur wie lange noch? Foto: adrenalinapura/Adobe Stock
In Afrikas Trockengebieten stehen die mächtigen Baobab-Bäume – nur wie lange noch? Foto: adrenalinapura/Adobe Stock

Sie sind majestätisch und nützlich: In Afrika leben Exemplare von über tausend Jahre alten Affenbrotbäumen. Forscher wollen nun ein geheimnisvolles Sterben ausgemacht haben.

Johannesburg - Er ist ein Wesen der Superlative – der merkwürdigste, dickste, älteste und vielleicht auch heilsamste Baum der Welt. Einige heute noch lebende Exemplare des Affenbrotbaums, wie der Baobab auch genannt wird, standen womöglich bereits vor mehr als 2000 Jahren zur Zeit des Römischen Reichs in der afrikanischen Savanne. Aber nun scheint selbst der Methusalem der Pflanzenwelt von den Machenschaften der Menschen bedroht zu sein. Wissenschaftler, die die ungewöhnliche Struktur des mächtigen Baobab untersuchten, mussten feststellen: Neun der 13 ältesten und fünf der sechs umfangreichsten Affenbrotbäume sind in den vergangenen zwölf Jahren verendet.

Der majestätische Baum brach nach mehr als 1000 Jahren zusammen

Darunter ist auch der „Sunland Baobab“ in der Provinz Limpopo in Südafrika, der zeitweise dickste Affenbrotbaum des Kontinents. Im Innenraum seines hohlen Stamms, der fast 22 Meter hoch war und einen Umfang von mehr als 33 Metern hatte, war eine Bar untergebracht, in der 15 Personen Platz finden konnten. Dieser majestätische Baum brach nach weit mehr als 1000 Jahren vor gut einem Jahr zusammen. Der Farmer und Barbesitzer machte für den Tod seines Wahrzeichens zu viel Regen verantwortlich und organisierte ein letztes Grillfest – nicht ahnend, dass auch andere hölzerne Berühmtheiten wie der vielleicht 2500 Jahre alte simbabwische „Panke-Baum“ und der 30 Meter hohe „Holboom“ in Namibia zuvor ebenfalls verendet waren.

Viele uralte Bäume sterben innerhalb kurzer Zeit

„Das Baobab-Sterben kann unmöglich eine Zufälligkeit sein“, meint der wissenschaftliche Leiter der Studie, der rumänische Biochemiker Adrian Patrut. Statistisch gesehen sei es praktisch ausgeschlossen, dass so viele uralte Bäume in vergleichsweise kurzer Zeit aus natürlichen Gründen sterben. Der Universitätsprofessor schreibt in seiner vom Magazin „Nature Plants“ veröffentlichten Studie von einer „dramatischen und schockierenden“ Erfahrung: Das Baobab-Sterben sei ein „Ereignis von beispiellosem Ausmaß“.

Warum, darüber gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Patrut geht davon aus, dass die Klimaveränderung zumindest eine wesentliche Rolle spielt. Im südlichen Afrika, wo die meisten der hölzernen Giganten stehen, seien die Auswirkungen der Erderwärmung deutlicher als anderswo zu beobachten. „Die Bäume stehen wegen der erhöhten Temperaturen und der zunehmenden Dürren unter besonderem Stress.“

Der Baobab spielt auch eine große Rolle in der Mythologie

Affenbrotbäume leben fast ausschließlich in Trockengebieten. Mit ihren tiefen Wurzeln und den voluminösen Stämmen, in denen sie Wasser speichern, haben sie sich über Jahrtausende an ihre Umwelt angepasst. Bei der Bevölkerung sind Baobab-Bäume äußerst beliebt. Ihre jungen Blätter kann man als Spinat verspeisen, und aus den weißen Kernen der brotlaibgroßen Früchte Saft machen. Baobab-Kerne enthalten offenbar deutlich mehr Vitamin C als eine Orange. Aus der Frucht werden auch traditionelle Medikamente gewonnen. Die Frucht ist wegen ihrer Wirkung als Antioxidationsmittel auch international begehrt; sie wird in Kosmetik- und Gesundheitsprodukten verwendet.

Eine Rolle kommt dem Affenbrotbaum auch in der Mythologie zu. Der Schöpfergott habe den Baum aus dem Boden gerissen und umgekehrt wieder hineingesteckt. Deshalb sähen seine Äste wie Wurzeln aus. Die göttliche Wut hatte sich am Stolz der Baobabs entzündet: Die Bäume hatten sich ihres Umfangs wegen für etwas Besseres gehalten. Noch heute finden wichtige Versammlungen im Dorf vorzugsweise unter dem Affenbrotbaum statt: Wie lange noch?




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