Bauprojekt „Gubser II Nord“ in Steinenbronn Angespannte Stimmung wegen Neubaugebiet

Gegner der Baupläne stellten Protestplakate vor dem Sitzungssaal auf. Foto: Leonie Schüler

Die Gemeinderäte in Steinenbronn haben sich erneut für das Baugebiet Gubser II Nord ausgesprochen. Bürger protestieren dagegen, die Natur zu verbauen, und sind über den Umgang mit ihnen bei der Gemeinderatssitzung irritiert.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Es war eine klare Botschaft, die rund 20 Teilnehmer der Bürgerinitiative „Steinenbronn – Balance für Natur und Leben“ am Dienstag in den Gemeinderat mitgebracht haben: Sie wollen nicht, dass auf der Wiese am südlichen Ortsrand Steinenbronns gebaut wird. „Leerstände nutzen statt Flächen versiegeln“, „Keine Gewinne auf Kosten der Natur!“ oder „Unser Dorf ist kein Immobiliengeschäft“ hatten sie auf Plakate geschrieben und vor dem Sitzungssaal aufgestellt. Dass sie sie nicht hineinnehmen durften und ein Mitarbeiter der Polizeibehörde den Eingang kontrollierte, hätte sehr irritiert, sagte ihr Sprecher Achim Lotter im Nachhinein. „Das fanden alle sehr peinlich und seltsam. Die Stimmung war echt angespannt und im Nachgang der Sitzung aufgewühlt“, so Lotter. Während der Sitzung selbst war es gleichwohl ruhig geblieben.

 

Konkret geht es um das geplante Baugebiet „Gubser II Nord“. Die Gemeinde möchte auf der Wiese westlich des Dornröschenwegs neuen Wohnraum schaffen; teils für Einfamilien-, teils für Mehrfamilienhäuser. Das Bebauungsplanverfahren steht ganz am Anfang, bislang hat der Gemeinderat die Aufstellung beschlossen. Die Stellungnahmen von Behörden und Bürgern wurden bei der Sitzung am Dienstag angehört.

Details zu den Neubauten werden später festgelegt

Bürgermeister Ronny Habakuk betonte, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgelegt werde, wo genau Grundstücksgrenzen verlaufen oder welche Höhe die Häuser einmal haben werden. Den Bürgern werde erneut die Möglichkeit gegeben, sich am Verfahren zu beteiligen. „Das dürfen Sie, das ist Ihr gutes Recht.“ Letztlich würden die Gemeinderäte als gewählte Vertreter der Gemeinde eine Entscheidung treffen. „Es geht um die Interessen der Gemeinde Steinenbronn, nicht um Einzelinteressen“, sagte Habakuk. Der Bedarf an Wohnraum sei groß. Manfred Mezger vom Stadtentwicklungsbüro „mquadrat“ legte dar, dass dem Vorhaben von Behördenseite nichts im Wege steht und und entkräftete einige Kritikpunkte der Bürger. Etwa steige das Risiko für Überschwemmungen bei Starkregen nicht. Im Gegenteil: Eine Wallaufschüttung entlang der Mehrfamilienhäuser schütze das gesamte Gebiet.

Die Gemeinderäte unterstützten das Vorhaben. Wolfgang Miller (CDU) erinnerte daran, dass seit den 1990er Jahren darüber beraten werde. Die Planung sei immer mehr zusammengeschrumpft, die Fläche auf nunmehr einen Hektar reduziert worden mit einer freien Schneise zu den Sportstätten. „Wenn jetzt einer kommt und sagt, wir gehen zu verschwenderisch mit dem Boden um, dann hab’ ich da kein Verständnis“, sagte Miller. „Das ist der optimale Kompromiss.“

„Niemand kriegt einen Klotz vor sich hingestellt“

Stefan Hauser (OGL) unterstützte den Plan, sowohl Einzel- als auch Mehrfamilienhäuser zu bauen. Je nach Lebensphase verändere sich der Bedarf; beidem werde man gerecht. Zur Mehrgeschossigkeit, die die Bürgerinitiative kritisiert, sagte er: „Wenn man Wohnraum schaffen und wenig Fläche verbrauchen möchte, dann geht es nicht anders, als dass man in die Höhe geht.“ Der Abstand zum Bestand sei groß genug, „niemand kriegt einen Klotz vor sich hingestellt“. Stefan Turata (CDU) bekräftigte, dass die Neubauten den bestehenden Häusern kein Licht nehmen würden. Astrid Hagen (FWV) äußerte Bedenken, Dornröschenweg und Seilerstraße zu verbinden. „Das hätte Folgewirkungen für den ganzen Bereich“, sagte sie. Mezger bekräftigte, dass diese erst Entscheidung später getroffen werden müsse.

Auch wenn im Ort keine Einigkeit über das Vorhaben herrscht – die Räte beschlossen die Sitzungsvorlage einstimmig.

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