Bauprojekt in Bietigheim-Bissingen Naturschützer prangern Zerstörung eines Parks an

Der Park wirkt idyllisch und beheimatet seltene Tierarten. Foto: BUND

Die Bietigheimer Wohnbau will auf dem ehemaligen Elbe-Gelände hinter dem Bahnhof 180 Wohnungen bauen – das Vorgehen missfällt dem BUND-Kreisverband.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Die Bietigheimer Wohnbau will den alten Park auf dem früheren Elbe-Areal in Bietigheim-Bissingen nach Ansicht des Kreisverbandes des Bund für Umweltschutz und Naturschutz Deutschland (BUND) „maximal ausmosten“. Das kritisiert der Verband in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung.

 

Die Bietigheimer Wohnbau nennt das ehemalige Areal des Schleifmittelherstellers Elbe Aurain-Carré. Die Firma will auf dem 16 000 Quadratmeter großen Gelände beim Bahnhof bis zu 180 Wohnungen und ein Dienstleistungszentrum errichten. Daneben soll auf dem ehemaligen Post-Areal ein Parkhaus mit etwa 450 Stellplätzen entstehen. Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Aurain“ setzt sich für den Erhalt des Parks ein.

Obwohl sich auch der BUND und der Schwäbische Albverein für den Park aussprachen, werde das reizvolle Kleinod weitgehend zerstört, teilt der BUND-Kreisvorsitzende Stefan Flaig mit. Man habe ein umweltverträgliches Konzept vorgelegt, es sei aber nicht aufgegriffen worden.

BUND weist auf den Wert unbebauter Flächen im Klimaschutz hin

Selbst die Minimalforderung des BUND, auf einen Baukörper zugunsten der alten Bäume zu verzichten, sei abgeschmettert worden, kritisiert Flaig. „Die Stadt Bietigheim-Bissingen ist weit von einer ökologischen Stadtplanung entfernt.“ Mit der Bebauung würden neue Flächen und offener Boden versiegelt, und deren ökologische Funktionen gingen verloren. „Wir brauchen für den Klimaschutz und die Klimaanpassung jede kleine Grünfläche in der Stadt.“

Von den 55 Bäumen, die im Park und auf den Freiflächen existierten, würden laut Flaig nur elf Stück erhalten. Dass wieder junge Bäume gepflanzt werden sollen, sieht der Umweltverband als „grünes Mäntelchen“. Junge Bäume könnten die ökologischen Funktionen des Jahrhunderte alten Baumbestandes im Park nicht ersetzen.

Der BUND bezieht sich auch auf ein Artenschutzgutachten, nach dem im Park bei zwei Erhebungen jeweils 22 und 15 Vogelarten erfasst worden seien. Darunter zahlreiche Arten, die im Areal brüteten, wie Mehlschwalben, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz oder Kernbeißer. Die meisten Arten seien besonders geschützt. Es gebe auch bedrohte Arten der Roten Liste.

Streng geschützt seien auch die Fledermausarten, als deren wichtigstes Jagdgebiet der alte Park nachgewiesen worden sei, teilt der BUND mit. Wenn dieser abgeholzt werde und die Freiflächen wie geplant nachts beleuchtet würden, bedeute dies das „Aus“ für die seltenen und bedrohten Nachttiere.

Besonders ärgerlich für den BUND-Kreisverband sei, dass das Gelände bereits teilweise abgeräumt worden sei, noch während das Gutachten erstellt worden sei. „Dabei dürften bereits Nester zerstört oder Tiere zu Schaden gekommen sein.“ Der BUND bestehe darauf, den alten Park in Bietigheim-Bissingen so weit wie jetzt noch vorhanden zu erhalten. „Wir bleiben da dran.“

Ein Gemeinderatsbeschluss steht noch aus – die Stadt Bietigheim-Bissingen werde im Juni die Bürger zu einem Informationsabend einladen, berichtet Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Dort sollen die Verbesserungen der Planungen vorgestellt werden.

Die Stadt sieht die Anforderungen für den Artenschutz erfüllt

Aus Sicht der Stadtverwaltung weist die Planung die notwendigen ökologischen Standards auf. Der Artenschutz sei selbstverständlich berücksichtigt worden, sagt die Stadtsprecherin Hochmuth. Ein Fachbüro habe die Ökologie umfangreich untersucht. Für den Artenschutz seien Maßnahmen festgelegt worden. Außerdem habe ein Baumgutachter den Bestand im westlichen Teil des Grundstücks unter die Lupe genommen. „Dieser Bestand stellt eine besondere Qualität dar, der von Beginn an in den Planungsprozess einbezogen wurde.“

Der Baumgutachter habe, so Hochmuth, die Vitalität umfassend geprüft – und bewertet, inwieweit Bäume überhaupt erhaltenswert seien. „Ziel war es die besonders schönen Bäume als historisches Grünerbe für die Innenhöfe der neu entstehenden Bebauung zu erhalten und langfristig zu sichern.“ Das treffe auf die größten und wertvollsten Bäume zu. „Sie erfüllen weiterhin ihre ökologische Funktion.“ Zudem sollen so viele Bäume wie möglich gepflanzt werden. Das Konzept der Bietigheimer Wohnbau stelle einen umfangreichen Ausgleich für die Bäume dar.

Keineswegs habe der Bauträger unerlaubt Fakten geschaffen, so Hochmuth. Auf dem Areal seien Gebäude abgebrochen worden, die nicht unter Denkmalschutz stehen und nicht benötigt werden. Ebenso einige Bäume, die nicht mehr erhaltenswert gewesen seien und ein Sicherheits- und Gefährdungsrisiko darstellten. Dies sei unter fachlicher Begleitung erfolgt, in Abstimmung mit dem Landratsamt Ludwigsburg.

Das Verhältnis von versiegelter zu unversiegelter Fläche bleibt laut Stadt gleich.

Dem BUND-Vorwurf, die Fläche werde ausgemostet, widerspricht die Stadt. „Es ist zwar richtig, dass teilweise seither unbebaute Flächen in Anspruch genommen werden“, sagt Hochmuth. Das Verhältnis von versiegelter zu unversiegelter Fläche bleibe jedoch annähernd unverändert. Frei- und Grünflächen sowie Baumstrukturen würden – soweit möglich – erhalten. „Der Versiegelungsgrad verbessert sich sogar.“ Als Grund nennt die Sprecherin die Dachbegrünung. Außerdem würden Hitzeinseln minimiert und Niederschlagswasser reduziert.

Um wie viele Bäume geht es im alten Elbe-Areal genau?

Zahl
 Laut Bietigheimer Stadtplanungsamt gab es zum Planungsbeginn lediglich 37 Bäume im Bestand. „Falls es früher 55 waren, so sind diese schon zu einem früheren Zeitpunkt abgegangen“, erklärt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt. Von diesen Bäumen seien zwei abgestorben und vier durch einen Sturmschaden im Jahr 2022 entfallen.

Ausgleich Tatsächlich bleiben laut Hochmuth elf der Bäume erhalten. Für die übrigen Bäume sei nur für einen Teil gemäß der Baumschutzsatzung ein Ausgleich erforderlich. Die Bietigheimer Wohnbau schaffe aber auch für Bäume, die nicht unter die Satzung fallen, einen Ausgleich. Insgesamt sollen später rund 70  Bäume dort stehen.

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