In der Böblinger Straße in Leonberg soll ein Gebäude zur Anschlussunterbringung entstehen. Was kostet es? Wann ist es fertig? Wie viele Menschen können dort leben?

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Die Stadt Leonberg plant in der Böblinger Straße den Neubau von zwei Wohngebäuden zur sogenannten Anschlussunterbringung von asylsuchenden Menschen. „Hintergrund sind gesetzliche Verpflichtungen der Kommunen sowie anhaltend hohe Zuweisungszahlen aufgrund internationaler Krisenlagen“, wie die Verwaltung mitteilt. Mit einer öffentlichen Informations- und Dialogveranstaltung am Montag, 23. März, 19 Uhr, in der Marie-Curie-Schule möchte die Stadt die Bürgerschaft einbinden, über das Vorhaben informieren und auch den Raum für Fragen und Austausch bieten.

 

Unterbringung von Geflüchteten ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Unterbringung und Integration von Geflüchteten sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Offenheit, Information und Dialog erfordere, heißt es weiter. Beim Infoabend an jenem Montag wird die Verwaltung das Bauvorhaben in der Böblinger Straße vorstellen, Hintergründe erläutern und Fragen beantworten. „Ziel der Veranstaltung ist es, Transparenz zu schaffen, den Sachverhalt verständlich zu erläutern und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.“

Kommunen sind verpflichtet, geflüchtete Menschen nach ihrer Erstaufnahme unterzubringen. Diese sogenannte Anschlussunterbringung soll einer längerfristigen Integration dienen. Im Optimalfall wird Geflüchteten so eine stabile Wohnsituation ermöglicht und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefördert.

Der Bedarf ist zurzeit hoch. „Eine spürbare Entlastung bei den Zuweisungszahlen ist angesichts der Krisenherde in Europa und weltweit derzeit nicht absehbar“, teilt die Stadtverwaltung mit. Bestehende Kapazitäten reichten derzeit nicht aus, sodass zusätzliche Unterkünfte in absehbarer Zeit dringend benötigt würden.

Projekt eigentlich schon gestrichen, dann aber doch wieder im Haushalt

Bereits im Jahr 2020 hatte der Gemeinderat nach einem umfassenden Standortscreening die Verwaltung beauftragt, den Standort in der Böblinger Straße weiterzuentwickeln. Der Bebauungsplan „Sondergebiet Neue Ramtelstraße – Inklusionseinrichtungen“ trat am 20. Dezember 2023 in Kraft. Damit wurde die planungsrechtliche Grundlage geschaffen. Im Rahmen der Haushaltsprioritätenliste ist das Vorhaben zum damaligen Zeitpunkt jedoch zunächst gestrichen worden – bis die Kehrtwende folgte.

Vorgesehen sind jetzt zwei dreigeschossige Gebäude mit Platz für 76 Personen. Die Wohnungen werden als Zwei- und Drei-Zimmer-Einheiten geplant und sind für jeweils vier bis sechs Personen ausgelegt. Jede Wohnung verfügt über ein eigenes Bad mit Duschwanne und hat auch eine kleine Küchenzeile. Die vier Wohnungen im Erdgeschoss sind zudem barrierefrei zugänglich. Eine der Wohnungen verfügt über ein vollständig barrierefreies Bad. Weitere Wohnungen können bei Bedarf nachgerüstet werden. Ein Aufzug im Gebäude ist nicht vorgesehen.

Umnutzung der Unterkunft etwa für Sozialen Wohnungsbau

Die Wärmeversorgung erfolgt über Luft-Wasser-Wärmepumpen auf den Dächern mit Pufferspeichern. Die übrigen Dachflächen werden mit Photovoltaikanlagen belegt. Die Planung berücksichtigt bereits die Möglichkeit einer späteren Nutzung als Sozialer Wohnungsbau, auch bezahlbare städtische Mietwohnungen sind denkbar. Durch Anpassungen im Grundriss, etwa das Entfernen einer Innenwand, könnten größere Wohnbereiche geschaffen werden. Ebenfalls wäre eine Nachrüstung von Balkonen möglich.

Der Baubeginn soll noch in diesem Monat sein, die voraussichtliche Fertigstellung ist für Mitte 2027 anberaumt. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa 7,8 Millionen Euro.