Bauprojekt in Gerlingen Stein auf Stein ist nicht so einfach

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Die katholische Kirchengemeinde will seit Jahren am Maximilian-Kolbe-Platz bauen. Nun verzögern sich der Baubeginn für das Gemeindezentrum und das geplante Wohnhaus weiter. Und über die Gestaltung des Platzes davor gibt es neuen Zwist.

Kirchengemeinderäte und Stadträte haben sich die Musterflächen angesehen und sich die Pläne nochmals erläutern lassen. Foto: factum/Simon Granville
Kirchengemeinderäte und Stadträte haben sich die Musterflächen angesehen und sich die Pläne nochmals erläutern lassen. Foto: factum/Simon Granville

Gerlingen - G egenüber der Kirche Sankt Peter und Paul in Gerlingen soll das neue Gemeindezentrum entstehen, außerdem ist neben dem Pfarrhaus ein neues Gebäude geplant. Mit vier Mietwohnungen will die Gemeinde dazu beitragen, die Wohnungsnot zu lindern. Vier Jahre wird an dem Projekt schon geplant, vor einem Jahr ist das Pfarrbüro bereits umgezogen. Nun hat der Architekt gesagt, warum es nicht weitergeht: Er findet keine Baufirma, die den Auftrag zeitnah zu einem akzeptablen Preis übernimmt.

„Die Auftragsbücher in der Baubranche sind voll“, sagt Bernd Nixdorf, „ich kann keinen Termin für den Baubeginn nennen.“ Es sei derzeit ein Problem, „vernünftige Unternehmen zu akzeptablen Preisen“ zu bekommen. Ursprünglich wollte Nixdorf schon im Herbst 2019 mit dem Abriss beginnen.

Pläne bereits genehmigt

Das gibt Zeit, um über die Pläne für den Platz davor nochmals nachzudenken. Denn gegen die bisher vorgesehene Neugestaltung des Maximilian-Kolbe-Platzes regt sich Widerstand – aus der Kirchengemeinde wie aus dem Gemeinderat der Stadt. Die Pläne des Landschaftsarchitekten Frank Jetter, sie sehen Pflasterbelag und Sitzgelegenheiten aus Beton vor, wurden im vergangenen Dezember vom Gemeinderat der Stadt bereits genehmigt.

Der Platz zwischen Hirschstraße und Etterweg ist knapp 3000 Quadratmeter groß. 1375 davon gehören der Stadt, der Rest von 1600 Quadratmetern der katholischen Kirche. Jetter schlug Pflastersteine aus bayerischem Granit vor, in Farbtönen von Gelb bis Grau. Pflaster vertrage die Verkehrsbelastung gut – auf dem Kolbe-Platz fahren Autos und Mülllaster, Fahrräder sind unterwegs wie Mütter mit Kinderwagen oder Ältere mit Rollator.

Doch nun regte sich bei einem Vor-Ort-Termin Widerstand. Pflaster heize sich im Sommer auf – und es biete wegen der vielen Kanten Gelegenheiten zum Stolpern. Die Stolperfallen durch Steinplatten waren schon in früheren Jahren ein heißes Thema in Gerlingen. Daran knüpfte Martin Nufer von den Freien Wählern an. „Pflaster ist ein No-go-Wort in Gerlingen“, sagte er, „damit haben wir leidliche Erfahrungen.“ Die vorgesehenen Steine seien zu klein. Weil auch Bäume fehlen, in der Mitte des Platzes vor der Kirche sind zwei geplant, wünschte sich die Grünen-Chefin Ulrike Stegmaier einen neuen Entwurf.

Kirchengemeinde will Grünflächen

Völlig gegen die Steine ist auch Dieter Klein, der Finanzchef der Kirchengemeinde. „Etwas Trostloseres als diesen großen gepflasterten Platz gibt es nicht“, sagte er unserer Zeitung. Zudem wolle die Kirchengemeinde nicht, dass die vorhandenen Grünflächen, wie entlang der Kirche, reduziert werden. „Das soll so bleiben, wie es ist. Man muss doch um jeden Quadratmeter froh sein, der nicht zugepflastert ist.“

Der Stadtbaumeister Thomas Günther konterte, der Gemeinderat habe sich in seiner Sitzung im Dezember mehr Grün und kleinere Sitzmöbel gewünscht. „Wir bewegen uns darauf zu.“ Frank Jetter argumentierte, bei den vorgeschlagenen größeren Steinen sei ein viel stärkerer Unterbau nötig. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Haag fasste zusammen: „Kirchengemeinde und Stadt sind sich einig, dass wir einen Platz mit einheitlichem Belag wollen.“ Das sei „extrem diffizil“ auch angesichts der Höhenunterschiede, die ausgeglichen werden müssten. Das gehe entweder mit kleinformatigem Pflaster, wie in den Musterflächen zu sehen, oder mit Asphalt. „Das ist relativ simpel“, meinte Haag.

Mit Asphalt hat man an dieser Stelle Erfahrung: Vor einigen Jahren hat man vor der Kirche altrosafarbene große Steinplatten entfernt, deren Kanten hochstanden und die deshalb zu Stolperfallen wurden. Bis zur endgültigen Neugestaltung wurde Asphalt aufgetragen.




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