Zehn Wohnungen, ober- und unterirdische Parkplätze sowie Gastronomie mit einer Außenterrasse: Hemmingen hatte große Pläne für den Ortskern. Das Bauprojekt ist nun geplatzt.
Aus den Plänen der Gemeinde Hemmingen, den Ortskern aufzuhübschen, wird erst mal nichts. Konkret geht es um das Gebäude am Werner-Nafz-Platz 4 (vor der Umbenennung Hauptstraße 4) samt der Umgebung. Das Gebäude mit Baujahr etwa 1870 sollte einem Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage weichen – doch genau die versetzt dem Projekt nun den Todesstoß.
Das geplante Zwei-Giebel-Haus wollte die HEH Wohnbau aus Hemmingen gemeinsam mit den Ludwigsburger AMP Architekten bauen. Zehn Wohnungen sollten entstehen, für den Gastrobetrieb war ein Italiener im Gespräch.
Nun hat der Gemeinderat beschlossen, alles rückgängig zu machen und damit auch den Verkauf des Grundstücks an die Huber-Brüder. Der Grund sind Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro aufgrund der geplanten Erweiterung der Tiefgarage zu einer öffentlichen Tiefgarage. Die lassen das Projekt für den Investor unwirtschaftlich werden. Von den insgesamt 26 Parkplätzen waren zwölf als öffentliche Stellplätze vorgesehen.
Verwaltung: Gastrobetrieb hätte den Ortskern von Hemmingen weiter belebt
Hauptproblem ist demnach „das krasse Verhältnis“ zwischen der Größe der Tiefgarage und der zu realisierenden Wohnfläche von etwas mehr als 500 Quadratmetern. Durch die extrem große Tiefgarage müsse die Baugrube bis an die Grenze ausgehoben und durch einen Verbau gesichert werden. Allein hier beobachte der Investor Preissteigerungen von 100 Prozent in den vergangenen vier Jahren; der Verbau für diese Grube würde rund 600 000 Euro Kosten verursachen. In der Folge würde die Errichtung des Gebäudekomplexes Kosten von circa 7600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche nach sich ziehen. Dies sei im Vertrieb von Neubauwohnungen in Hemmingen „sicherlich nicht zu erzielen“.
Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, auf die öffentlichen Stellplätze in der Tiefgarage zu verzichten. Sie wollte an der „deutlichen städtebaulichen Aufwertung des Ortskerns“ festhalten. Zudem hätte der Gastrobetrieb aus ihrer Sicht die Ortsmitte weiter belebt.
Ideen und Entwürfe für Hemmingens Ortsmitte bleiben schon früher in der Schublade liegen
Die Gemeinderäte lehnten den Vorschlag ab. Man wolle auf eine Lösung warten, bei der man mit vollem Herzen dabei sei, sagte Martin Pfeiffer (CDU). Seit das Projekt gestartet ist, habe es schon viele Abweichungen gegeben. An die zahlreichen Zugeständnisse dachte auch Sabine Waldenmaier (Freie Wähler), als sie sich für die Rückabwicklung aussprach. Für sie sei es nicht der richtige Weg, wie es gerade laufe, sagte Elke Kogler (SPD).
Im Jahr 1986, im Rahmen der Ortskernsanierung, hatte Hemmingen das Gebäude gekauft und wollte es abreißen lassen. Was aber nicht geschah. Stattdessen diente das Haus bis zum Jahr 2010 als Wohngebäude. Seit März 2015 ist ein Teil an eine Hobbykünstlerin vermietet. Einige Ideen und Entwürfe gab es für das Gebäude, die allerdings in der Schublade liegen blieben, weil es keine Einigung gab, wie die weitere Nutzung aussehen soll. Zu den Plänen für die Umgestaltung des Areals gehört auch das Alte Rathaus, aus dem der Polizeiposten ausgezogen ist.