Bauprojekt in Leonberg Die Bosch-Baugrube wird zugeschüttet
Das hässliche Loch mitten in der Leonberger Innenstadt wird mit der Erde gefüllt, die am Robert-Bosch-Krankenhaus ausgegraben wird.
Das hässliche Loch mitten in der Leonberger Innenstadt wird mit der Erde gefüllt, die am Robert-Bosch-Krankenhaus ausgegraben wird.
In der Leonberger Poststraße dürften in den kommenden Woche verstärkt schwere Lastwagen vorfahren. Ihre Ladung: jede Menge Erde. Die Bestimmung der Fracht: die große Baugrube gegenüber des Neubaus der Firma Bosch. Das große Loch, 15 Meter tief, das in seinen Dimensionen an den Braunenkohletageabbau in der Lausitz oder bei Garzweiler westlich von Köln erinnert, wird wieder komplett zugeschüttet. Gebaut wir dort erst einmal nicht.
Letztere Erkenntnis ist nicht neu. Anfang Juli hatte der Technologiekonzern auf Anfrage unserer Zeitung eingeräumt, ein wichtiges Bauprojekt vorerst auf Eis zu legen. Ein Auditorium für rund 300 Gäste mit integrierter Mensa und mehreren Besprechungsräumen wird zunächst nicht realisiert.
Es wird im Moment nicht benötigt. Denn Platz, daraus macht das Unternehmen keinen Hehl, gibt es an seinen Standorten in der Region Stuttgart mehr als genug. Und für die im Leonberger Entwicklungszentrum für autonomes Fahren benötigten Labors, Teststrecken und Prüfstände waren die rund fünf Jahre alten Pläne aus Vor-Corona-Zeiten schon nicht mehr ausreichend, sagt das Unternehmen. Die Technik hat sich schneller weiterentwickelt, als vorausgesehen.
Was vor knapp vier Wochen, als der Baustopp durch unsere Zeitung publik wurde, noch unklar war: Was soll mit der wuchtigen Grube, in der eine eigens angelegte Baustraße in die Tiefe führt, geschehen?
Diese Frage ist jetzt beantwortet: Sie wird wieder zugemacht. „Beim Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart werden bald Erweiterungsarbeiten beginnen“, sagt der für Leonberg zuständige Sprecher Holger Scharf im Gespräch unserer Zeitung. „Dafür muss dort eine Grube gegraben werden. Diesen Aushub wollen wir in Leonberg verfüllen.“
Das ist aus Sicht des Unternehmens nicht nur ein praktische, sondern auch eine kostengünstige Lösung. Die Kosten für die Entsorgung des Erdreichs vom Robert-Bosch-Krankenhaus fallen weg. Gleichzeitig erspart sich der Konzern eine teure Absicherung der Baugrube am Leonberger Standort.
Spätestens im kommenden Februar, so erklärt der Sprecher, hätte die dortige Baustellensicherung erneuert werden müssen. Die Holzpalisaden, die die Grube umringen, hätten durch Betonwände oder durch ein neu gebautes Kellergeschoss ersetzt werden müssen. „Wir haben verschiedene Alternativen geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Zuschütten die günstigste ist“, sagt Holger Scharf. „Zumal uns das die Möglichkeit offen lässt, auf dem Gelände doch etwas zu bauen.“ Sei doch mittelfristig eine Erweiterung durchaus nicht vom Tisch.
So will der Unternehmenssprecher denn auch nicht ausschließen, dass am Standort Leonberg in weiten Teilen noch einmal komplett neu gedacht wird. „Irgendwann werden auch die Bestandsgebäude eine Sanierung benötigen“, sagt Scharf. „Da müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen.“
Keine Einschränkungen hingegen gibt es beim eigentlichen Campus-Projekt auf der anderen Straßenseite, in das die internationale Zentrale des Konzerns für die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen einziehen wird.
Der futuristisch anmutende terrassenförmig angelegte Neubau ist von Außen so gut wie fertig. Hier werden vom kommenden Jahr an 1500 Schreibtische stehen, die sich rund 2000 Beschäftigte nach dem heute gängigen Desksharing-Prinzip teilen werden. Angesichts einer relativ hohen Homeoffice-Quote sei das kein Problem.
Kommen wird auch eine Kindertagesstätte, die gemeinsam mit der Stadt Leonberg betrieben wird. „Da gibt es keine Diskussion“, sagt der Unternehmenssprecher. Noch unbeantwortet ist allerdings die Frage, inwieweit im Erdgeschoss und im Atrium eine öffentliche Gastronomie betrieben wird.
Durch den Wegfall der im nun nicht realisierten Neubau vorgesehenen Mensa, habe sich die Ausgangslage verändert: „Wir brauchen ja eine Kantine für unsere Beschäftigten“, meint Scharf. Ob zu der dann auch externe Gäste Zugang haben, ist noch nicht geklärt. Ursprünglich war geplant, mit gastronomischen und künstlerischen Angeboten den unteren Bereich des Bosch-Campus für alle zu öffnen.