Ursache dafür ist kein geheimer Bauskandal; der im Herbst 2019 ermittelte Grobkostenbetrag von 47 Millionen Euro musste vielmehr wegen des rekordhaften Anstiegs der Bau- und Materialpreise um fast zwölf Millionen Euro erhöht werden. Sodann kommen sieben Millionen für den Abbruch des heutigen Breuninger-Parkhauses und das Freimachen des Baufeldes hinzu. Verwaltung und Gemeinderat wissen aber auch, dass die Baupreise weiter steigen werden, ehe das Film- und Medien-Haus fertig ist – nach jetzigem Plan gegen Ende 2026 und rechtzeitig zur Internationalen Bau-Ausstellung (IBA) StadtRegion Stuttgart 2027.
Ermunterung zu einem realistischem Preisschild
Probleme mit den Kosten hatte im Ausschuss aber niemand. Die Fraktionen ermunterten die Verwaltung sogar, nicht tiefzustapeln, sondern ein realistisches Preisschild dranzuhängen. Das wirke Missverständnissen und einem Verdruss in der Öffentlichkeit entgegen. Der Hochbauamtsleiter will bis zum Projektbeschluss auch aktualisierte Zahlen beibringen, dann jedoch auf Basis der konkretisierten Planung und nach einer gewissen Fortentwicklung des Siegerentwurfs vom Wiener Architekturbüro Delugan Meissl.
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Die Vorfreude ist groß. Da könnte „etwas ganz Besonderes aufgebaut werden in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts“, sagte der Hochbauamtsleiter. Stadträtin Nicole Porsch (CDU) hatte den Eindruck, dass sich hier etwas „Sensationelles“ abzeichnet. Petra Rühle (Grüne) lobte den Entwurf und gleichermaßen die Chance auf eine „offenes Haus“ und eine „Stadtreparatur“ neben der B 14 und der Leonhardskirche. Sie sprach aber auch Baustellen für ein „Nacharbeiten“ an: Schallschutz, Energiesparen, Lichtschein von Leuchtschriften in Richtung Nachbarschaft. „Klasse“, urteilte auch Eric Neumann (FDP). „Begeisterung“ vermeldete Michael Jantzer (SPD). Hannes Rockenbauch (SÖS) sprach von „Strahlkraft“. Das vorgeschlagene Haus sei leuchtend, blinkend und poppig.
Der Neubau soll ein wenig schweben
Mit der schwebenden Anmutung, die der Betrachter haben soll, wenn er auf dem Leonhardsplätzle steht, freundeten sich offenbar schon alle Fraktionen an. Für problematisch befand Rockenbauch jedoch die Rückseite des Mobility Hubs mit 520 Stellplätzen, den die Firma Breuninger im Anschluss an das Film-und Medienhaus errichten will. Dort, im Bereich der Wagnerstraße, müsse man noch für eine attraktive Abrundung sorgen, jedenfalls unattraktive Mauer- und Glasflächen vermeiden, fand Rockenbauch.
Hochbauamtsleiter Holzer machte Hoffnung, dass man die Leuchtschriften nachbarschaftsverträglich gestalten kann und dass auch ein geplantes Café auf dem Dach nicht um 22 Uhr aus Gründen des Lärmschutzes geschlossen werden muss. Das Dach liege höher als die Wohnungen in der Nachbarschaft, und am Rand des Daches soll es Medienwände geben, die den Schall eindämmen. Die Rückseite des Gebäudekomplexes sei allerdings konstruktiv von Bedeutung, wenn man denn auf der Vorderseite zur Leonhardskirche hin luftig bauen will, sagte Holzer.
Kritik am geplanten Handel mit Breuninger
Den Vorprojektbeschluss, also die Genehmigung zu ersten konkreteren Planungen, soll der Gemeinderat kommende Woche, am 17. Februar, fassen. Der Wirtschaftsausschuss brachte die Vorlage erst einmal in die Beratungen in diversen Gremien ein. Das galt auch für den Punkt, den er vorab in nicht-öffentlicher Sitzung beraten hatte: einen Vertrag mit der Firma Breuninger, die auf Erbpachtgelände der Stadt bisher das Breuninger-Parkhaus betreibt.
Das Pachtverhältnis würde noch zwingend bis 2028 laufen, soll nun aber vorzeitig beendet werden. Auf einem Teil des Geländes will die Stadt das Filmhaus bauen, ein anderes Geländeteil für den Mobility Hub möchte Breuninger kaufen. Der Preis solle um etliche Millionen Euro unter dem künftigen Verkehrswert liegen, heißt es.
Die Verwaltung begründet das mit Gegenleistungen des Unternehmens in einigen baulichen Fragen beim Filmhausprojekt. Das störte aber einige Kritiker im Ausschuss. Sie pochten darauf, dass es bei Erbpacht bleiben solle und die Stadt langfristig Zugriff auf das Grundstück behalten müsse. Der Ausgang dieser Sache ist offen. Die Kritiker vertrauen darauf, dass Breuninger das Leuchtturmprojekt Film- und Medienhaus daran nicht scheitern lässt.