Bauprojekt in Stuttgart-Zuffenhausen Abrisspläne sorgen für Zündstoff

Von Torsten Ströbele 

Ob das Gebäude an der Heimstättenstraße erhalten wird, ist noch unklar.

Der sogenannte Kommunisten-Block  aus den 1920er Jahren gehört der Baugenossenschaft   Zuffenhausen. Foto: Archiv Bernd Zeyer
Der sogenannte Kommunisten-Block aus den 1920er Jahren gehört der Baugenossenschaft Zuffenhausen. Foto: Archiv Bernd Zeyer

Stuttgart-Zuffenhausen - Ein Gebäude aus den 1920er Jahren bot jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik eine Menge Zündstoff. Die Baugenossenschaft Zuffenhausen (BGZ) möchte den so genannten Kommunisten-Block an der Stammheimer/Wimpfener Straße abreißen und durch Neubauten ersetzen. Insgesamt sollen aus den alten 65 Wohnungen 62 moderne werden. „Zwar werden es weniger Einheiten, aber die Bruttogeschossfläche erhöht sich von rund 4600 auf etwa 5900 Quadratmeter“, erklärte Kathrin Steimle vom Amt für Stadtplanung und Wohnen in der Ausschusssitzung. Das neue Quartier soll „Zuffenhäuser Garten“ heißen. Mit diesen Plänen konnten sich auch die Stadträte anfreunden, die 2018 die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans abgesegnet hatten, damit das Neubauprojekt zeitnah umgesetzt werden kann.

Zu diesem Zeitpunkt gingen die Lokalpolitiker allerdings noch davon aus, dass das Gebäude Heimstättenstraße 1 erhalten bleibt. „Es gab einen Architektenwettbewerb. Die Vorgabe von uns war klar: Dieses stadtbildprägende Gebäude soll bestehen bleiben“, betonte Hannes Rockenbauch (Die FrAKTION). Es sei das erste Wohnungsbauprojekt der BGZ nach dem Ersten Weltkrieg, historisch und kulturell wichtig. „Pflegen Sie dieses Erbe“, sagte auch Rockenbauchs Fraktionskollege Christoph Ozasek in Richtung Bernd Heinl. Das Vorstandsmitglied der BGZ hatte nun doch den Wunsch geäußert, die Heimstättenstraße 1 abreißen zu dürfen: „Das Gebäude wurde damals zusammengeschustert. Es hat keine zeitgemäßen Grundrisse. Es wird noch mit Nachtspeicheröfen beheizt. Die Wandstärke beträgt gerade einmal zwölf Zentimeter.“ Es gebe Feuchtigkeitsprobleme im Unter- und Erdgeschoss, die bei einer Sanierung bestehen bleiben würden. Schall- und Wärmeschutz seien statisch nicht möglich, der Brandschutz sei nicht vollständig herstellbar und die Barrierefreiheit nicht möglich. „Dort möchte nicht jeder wohnen“, betonte Heinl. Ein Neubau sei sinnvoller. „Wir wollen aber die stadtbildprägende Optik mit den Rundbögen im Erdgeschoss sowie die Dächer mit Biberschwanzdeckung erhalten.“ Grüne und SPD sahen den Abriss dennoch kritisch, wollten das aber noch einmal in ihren Fraktionen besprechen. Rockenbauch wollte „wirtschaftliche Zahlen“ über das Projekt von der BGZ sehen, um sich ein genaues Bild verschaffen zu können. Die CDU konnte sich hingegen einen Neubau sehr gut vorstellen. Und Jürgen Zeeb (Freie Wähler) fiel es schwer, die Kritik der Ratskollegen an den Abrissplänen der BGZ zu ertragen: „Die Argumente sind doch glasklar! Wir bauen doch für die Bürger und für die nächsten 20 Jahre, nicht dafür, dass so ein Dreck und Murks erhalten bleibt. Oder wollen wir zurück in die Höhle? Da muss ich mir schon ein bisschen an den Kopf fassen.“

Bernd Heinl bot allen Fraktionen an, sich in den nächsten Tagen mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Nach den Herbstferien soll dann entschieden werden, was mit dem Gebäude passieren soll.

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