Bauruine Seepark in Möhringen wird winterfest gemacht

Von Hildegund Oßwald 

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt wieder neues Leben in die große Wohnungsbaustelle im Seepark in Möhringen.  

Auf Stuttgarts größter Wohnungsbaustelle wird bald wieder gearbeitet. Foto: Achim Zweygarth
Auf Stuttgarts größter Wohnungsbaustelle wird bald wieder gearbeitet. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Nach einem Jahr Stillstand sollen im Seepark in Möhringen demnächst wieder Handwerker ihre Arbeit aufnehmen und Stuttgarts größte Wohnungsbaustelle winterfest machen. Nachdem vor Kurzem über die Projektgesellschaft, die von der in Schieflage geratenen Häussler-Gruppe und dem Versicherer Swiss-Re getragen wird, das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, ist jetzt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und der finanzierenden NordLB gekommen.

Aus Handwerkerkreisen ist zu vernehmen, dass mehrere Firmen bereits angefragt wurden und seit Wochen auf Fertigstellungsaufträge für den ersten Bauabschnitt mit 140 Wohnungen warten - in der bangen Hoffnung, den bisher nicht oder nur in Teilen bezahlten Auftrag als Gläubiger nicht gänzlich abschreiben zu müssen. Am Dienstag bestätigte der Sprecher des Insolvenzverwalters Michael Pluta, dass es demnächst weitergehen wird. "Wir haben von der NordLB grünes Licht bekommen und sind beauftragt, für etwa vier Millionen Euro Aufträge zu vergeben. Es geht dabei um den Weiterbau im ersten Bauabschnitt, konkret um Dinge wie den Einbau von Fenstern, Dachabdichtungen und eine Bauheizung. Diese Maßnahmen werden in den nächsten Wochen erfolgen", so der Sprecher. Parallel dazu gebe es weiterhin Verhandlungen mit Kaufinteressenten.

Zum Stand der seit Monaten laufenden Verhandlungen mit Investoren, die das Projekt mit insgesamt rund 500 Wohnungen und einer Kindertagesstätte am Probstsee weiterbauen sollen, wollte sich der Sprecher des Insolvenzverwalters nicht äußern. Die finanzierende Bank, von deren Einlenken letztlich die Zukunft des Großprojekts abhängt, soll angeblich kurz vor dem Abschluss von Verhandlungen mit einem großen württembergischen Wohnungsunternehmen stehen. Die Sprecherin der NordLB wollte sich dazu nicht äußern, zeigte sich aber insgesamt zuversichtlich. "Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Investoren und sind da schon weit fortgeschritten und optimistisch", so die Sprecherin Michaela Stamme. Am Dienstag verdichteten sich die Hinweise, dass die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau (GWG) an einer Übernahme des Seeparks interessiert sein könnte. Von dem Unternehmen selbst gab es dazu jedoch am Dienstag auf Anfrage keine Stellungnahme.

Der Verkauf an einen Investor soll kurz bevorstehen

Der Seepark bietet seit Monaten zum Verdruss vieler Möhringer und zur Sorge der Stadt das Bild einer verwaisten Bauruine. In vielen Rohbauten fehlen noch die Fenster, an anderen kleben gelbe Dämmplatten wie Stückwerk an der Betonfassade, bei weiteren Bauten sind noch gar nicht alle Stockwerke hochgezogen. Wenn die Baustelle jetzt winterfest gemacht wird, bleibt weiterhin die Frage offen, wie und wann es danach weitergeht. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte der erste Bauabschnitt bis September 2012 fertig sein, wenn zügig weitergearbeitet würde.

Auch für die Kindertagesstätte mit vier Gruppen für das Wohnquartier und zwei Gruppen als Ersatz für die Kita in der Vaihinger Straße 79 liegt längst eine Baugenehmigung nach den Plänen des mit dem ersten Bauabschnitt beauftragten Stuttgarter Büros KBK Architekten vor. Wie berichtet, hat sich die Stadt jüngst bereit erklärt, sich mit einer Million Euro an der Kita zu beteiligten, wenn alle anderen Beteiligten auch ihren Beitrag dazu leisten, dass am Seepark zügig weitergebaut wird.

Mehrere Dutzend Handwerkerfirmen, Planungsbüros und andere Gläubiger bangen unterdessen weiterhin um ihr Geld. Die Außenstände gehen in die Millionen und die Hoffnungen auf eine Quote gegen null. "Es ist ein Trauerspiel", sagt ein betroffener Handwerker. Wie lange die Insolvenzverfahren gegen die diversen Häussler-Gesellschaften noch dauern, ist ungewiss. Auch bei der Staatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt, hieß es am Dienstag: "Das Ende der Prüfungen ist noch nicht absehbar", so die Sprecherin Claudia Krauth.

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