Bausas neues Album „Fieber“ Bausa zwischen Gott und Party

Von  

Der Star aus Bietigheim-Bissingen hat mit seiner markanten Stimme Millionen Fans gewonnen. Die will Bausa mit seinem neuen Album „Fieber“ nicht vor den Kopf stoßen – und doch auch Neues bieten.

Bausa überrascht mittlerweile auch mit selbstkritischen Tönen. Foto: Warner Music 18 Bilder
Bausa überrascht mittlerweile auch mit selbstkritischen Tönen. Foto: Warner Music

Bietigheim - Mit Hip-Hop hat das neue Album von Bausa im klassischen Sinne nicht viel zu tun. Das dürfte nach seinem bislang größten Erfolg, dem Titel „Was du Liebe nennst“ aus dem Jahr 2017, auch niemanden wundern. Der eingängige Song stürmte damals innerhalb von kurzer Zeit an die Spitze der deutschen Single-Charts und erreichte Diamantstatus. Da sich aktueller deutschsprachiger Hip-Hop vielerorts hin zum melodiösen, autotune-lastigen, mit Beats aufgepeppten Pop entwickelt hat, wirkt es nur zeitgemäß, dass sich Bausa daran orientiert. Wobei er seinen ganz eigenen Sound hat, nicht zuletzt aufgrund seiner markanten Stimme.

Der 1989 unter dem bürgerlichen Namen Julian Otto geborene Musiker ist schon länger im Geschäft, doch erst seit seinem Debütalbum „Dreifarbenhaus“ Anfang 2017 und der erfolgreichen Single „Was du Liebe nennst“, die ein paar Monate später veröffentlicht wurde, ist Bausa auch außerhalb der Hip-Hop-Szene bekannt. Nun legt der prollig daherkommende, oftmals nuschelnde Rapper mit der tiefdunklen, verrauchten Stimme und den melodischen Songs ein neues Album vor. Nicht jedoch, ohne Teile davon bereits im Voraus zu veröffentlichen.

Beziehungen zu Mutter und Vater

Seit Februar und März sind einzelne Tracks auf Bausas Homepage oder den gängigen Plattformen offiziell zugänglich. So zum Beispiel „Mary“, „Weiss noch nicht wie“ oder „Licht“, ein Song den er mit dem Rapper Dardan aufgenommen hat. Die Achse Stuttgart/Bietigheim-Bissingen schlägt wieder zu.

An diesem Freitag erscheint das neue Album „Fieber“ komplett. Thematisch geht es um seine Paradethemen Frauen, Drogen und Party. Doch Baui, wie sich der Rapper selbst nennt, überrascht auch mit selbstkritischen Tönen über seinen Lebensstil und thematisiert seine Familiengeschichte, vor allem die Beziehungen zu seiner Mutter und zu seinem früh verstorbenen Vater.

„Ich bin gewachsen aus Dreck….“ - mit diesen Worten beginnt sein Album. Das Intro ist eine Liebeserklärung an seine Mutter, „Mama, ich bin im Radio“, bevor er das vielleicht außergewöhnlichste Lied auf dem Album, „Nacht“ anstimmt. Es geht ums Leben bei Nacht, die Gemeinschaft auf der Straße und vor allem die Abgründe seiner Person. „Sachen machen für Geld (…) Bruder, ich bin die Nacht“ schreit Bausa in dem Song über seine dunkle Seite.

Braut im weißen Kleid

„Auf der Suche nach ein bisschen Schnee im Sommer“ lässt sich als Anspielung auf Kokain deuten. Dann geht’s ab nach Mexiko: Koks, Frauen, Kohle. Peng! „Guadalajara“ ist ein typischer Bausa-Party-Song. Frauen stöhnen ein bisschen im Hintergrund. „Baby let’s go“. Party all night long zu experimentellem Sound. Unterstützung bekommt er von Kollege Summer Cem, der miteinstimmt: „Baby ich hab’ genug Geld, brich die Schule ab.“

Spätestens nach den ersten drei Songs wird klar, wie vielfältig sich Bausa aufstellt, ohne seine Fangemeinde vor den Kopf zu stoßen. Bei „Guadalajara“ wird klar, dass sich Baui immer noch für den Frauenschwarm schlechthin hält. Immerhin ist er auf der Suche nach einer, die ihn nicht nur wegen seiner Autos mag. Davon zeugt der Titel „Weiß noch nicht wie“. Da würde Baui „gerne aufhören, Scheiß zu nehmen ( …) ich würd mich gerne sehr gesund ernähren (…), und aus meinen Fehlern lernen, doch ich weiß noch nie wie. Ich will nicht mehr ziehen, ich will weg aus Berlin … Ich such nach einer Braut im weißen Kleid, die nicht nur wegen Autos bei mir bleibt.“

Party und Selbstreflektion

Könnte sein, dass hier ein Erwachsenwerden durchklingt. Schwer zu sagen, vielleicht geht es doch wieder nur um Kokain. So wie der Titel „Mary“, der absolut das Zeug zum Hit hat, doppeldeutig sein könnte. Er kommt ähnlich flach, dafür genauso einprägsam wie „Was du Liebe nennst“ daher. Einige Kritikern gilt er als Hymne auf Marihuana – das im Slang auch „Mary“ abgekürzt wird.

Beinahe noch hitverdächtiger ist der albumgebende Titel „Fieber“. Der Sound erinnert ein bisschen an den der Band Bilderbuch. „Fieber“ ist fast schon ein poppig-leichtes Liebeslied mit Sommerhit-Potenzial, auch wenn sich Baui wieder selbst als Herzensbrecher inszeniert.

Party –und Liebeslieder wechseln mit Selbstreflektionen ab. Im Titel „Licht“ mit Dardan bekennen sich beide zu ihrem Glauben an Gott. Auch das kennt man bereits von Bausa. Songs wie „Lang her“ und „Bundesland“ sind hingegen musikalisch schwer zu ertragen, ebenso wie die häufig verwendeten und episch lang gezogenen, durch den Autotuner korrigierten ahhhhhhaaaaahhhhas, oooohhhhooooooooos, laaaalaaaaaahhhhs und eyyyyooohhheeeyyyyss.

Ein Song sticht heraus

Um das Album abwechslungsreich zu gestalten, tauchen auch Pianoklänge und Streicher auf, vor allem„Blauer Himmel“ sticht heraus und könnte soundtechnisch richtungsweisend für Bausa werden. Mit der Ballade „Deine Augen“, die durch ein Trompetensolo und langen Instrumentalteil hervorsticht, aber latent schlagerhafte Züge hat, schließt Bausa. „Warum liebst du mich nicht?“ – die letzten Worte. Ein langes „mmhhhooo“ setzt den Schlusspunkt.

Die Klicks der bislang veröffentlichten Titeln sprechen eine eindeutige Sprache, sofern sie nicht gekauft sind: 1,5 Millionen für „Ich weiß noch nicht wie“, 3,7 Millionen für „Guadalajara“ 11 Millionen für „Mary“. Im Vergleich: „Was du Liebe nennst“ wurde auf Youtube 130 Millionen mal angeklickt.