Ist ein Bausparvertrag nur dazu da, einen späteren Immobilienkauf günstiger finanzieren zu können? Oder bietet es sich nicht geradezu an, das bereits angesparte Geld zu vergleichsweise verlockenden Konditionen auf dem Konto zu belassen, wenn keine geeignete Immobilie in Sicht ist und gleichzeitig andere Anlageformen deutlich weniger attraktiv sind? Das ist eine Frage, die nun vermutlich der Bundesgerichtshof (BGH) im Nachhinnein prüfen muss. Die Bausparkassen und andere Finanzinstitute aber sollten auch gründlich darüber nachdenken, ob sie ihre Angebote künftig besser und nachhaltiger ausrichten müssen. Natürlich hatten weder Kreditinstitute noch Versicherungen damit gerechnet, dass es je zu einer länger anhaltenden Niedrigzinsphase kommen würde. Aber das Risiko einer solchen Fehleinschätzung müssen die Institute tragen, nicht der einzelne Verbraucher. Da mögen Juristen noch so passende Paragrafen zur Hand haben – rein moralisch fühlt es sich nicht gerecht an, wenn nachträglich die Voraussetzungen für einen Vertrag zu Gunsten des Stärkeren verändert werden. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat mit seinem Urteil ein Ausrufezeichen gesetzt. Spannend wird, wie es vor dem BGH weitergeht.