Baustart an Aidlinger „Kehle“ Eine Million Euro für 370 Meter Radweg
Am Montag beginnt der Umbau des steilen „Kehle“-Radwegstücks am Ortsende von Aidlingen. „Das ist Steuergeldverschwendung“, heißt es dazu in den sozialen Medien.
Am Montag beginnt der Umbau des steilen „Kehle“-Radwegstücks am Ortsende von Aidlingen. „Das ist Steuergeldverschwendung“, heißt es dazu in den sozialen Medien.
Wer aus Aidlingen nach Dagersheim fährt, der kennt die „Kehle“. So heißt in der Bevölkerung die lang gezogene Steigung, die aus dem Würmtal hinauf auf die Ebene gen Böblingen führt. Insbesondere das parallel laufende Radwegstück hat es in sich – am Rande der Kirschhalde geht es steil bergauf, für manche Radler eine sportliche Herausforderung, für manche der Grund, abzusteigen und zu schieben.
Im Herbst 2025 hatte der Kreistag beschlossen, diesen Abschnitt für rund eine Million Euro zu entschärfen. Den Anreiz dafür gab eine massive Förderung: Das Land Baden-Württemberg schießt rund 960 000 Euro dazu. Und nun ist es so weit: Am kommenden Montag, 2. März, beginnen die Bauarbeiten. Auf der daneben verlaufenden Böblinger Straße (K 1066) kann es zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen.
In der Bevölkerung war das Vorhaben zum Teil auf heftige Kritik gestoßen – in den sozialen Medien und in Leserbriefen war von einer Verschwendung von Steuergeldern die Rede. Beim Landkreis Böblingen sieht man das anders. „Sehr steil, für viele zu steil“ sei der Abschnitt mit bis zu 17 Prozent Steigung. Im Vergleich dazu beträgt die Steigung der Kreisstraße nur rund 7,5 Prozent.
In Zukunft soll der Radweg auf einer Länge von 370 Metern entlang der Straße verlaufen. Mit der Verlegung wird die Steigung deutlich reduziert. „Ziel ist es, das Sturzrisiko bergab zu minimieren und die Sichtverhältnisse sowie die allgemeine Verkehrssicherheit zu verbessern“, erklärt das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Gleichzeitig werde die Strecke laut der Behörde bergauf „auch Kinder, ältere Menschen und Radfahrer mit Anhänger oder Lastenrad“ besser nutzbar.
Für den neuen Radweg ist zunächst ein Einschnitt in die Böschung erforderlich. Zur Hangsicherung kommt laut Landratsamt eine mit rund 300 Mikropfählen im Fels verankerte Spritzbetonschale zum Einsatz. „Die Anker übertragen die auftretenden Lasten in den Baugrund und halten so die Spritzbetonschale in Position und stabilisieren die Böschung“, heißt es in der Pressemitteilung.
Als Alternative zur einer massiven Natursteinwand ermögliche diese Bauweise eine steilere Böschungen und schone außerdem das Gelände und den angrenzenden Waldbestand. Durch die Spritzbetonsicherung könne man Erdbewegungen erheblich reduzieren und damit sowohl wirtschaftlicher als auch umweltschonender arbeiten. Die sichtbare Oberfläche soll am Ende eine Mauerwerksoptik bekommen. Nach Abschluss der Hangsicherung starten dann die eigentlichen Radweg-Bauarbeiten.
Für die Baumaßnahme soll die Fahrbahn der Straße halbseitig gesperrt und der Verkehr mit reduzierter Geschwindigkeit an der Baustelle vorbeigeführt werden. Auch im Buslinienverkehr könne es zu Einschränkungen kommen.
Im ersten Bauabschnitt kann der bestehende Radweg weiter genutzt werden. Wenn später der neue Abschnitt in den Streckenverlauf eingebunden wird, muss der Radweg vorübergehend gesperrt werden. Die Gesamtmaßnahme soll voraussichtlich bis Ende Juli 2026 abgeschlossen sein.
Unter www.lrabb.de/Strassenbau informiert das Landratsamt über den Baufortschritt