Südlich der Bahngleise hat die Firma Weiss großflächig abgeriegelt. Dort stehen Container und ein Großteil der Baustelleneinrichtung. Schon die Größenordnung lässt darauf schließen, dass dort etwas Besonderes entstehen wird. Ein Projekt mit „historischer Dimension“ für Eislingen, betonte Oberbürgermeister Klaus Heininger, der sich mit zahlreichen Gästen auf der Nordseite der Bahnlinie auf dem Gelände der Firma Weckerle einfand. Dort wurde mit Reden, Bewirtung und Spatenstich der Bau der Mühlbachtrasse offiziell gestartet.
Spundwand sichert Bahnlinie ab
Auf der Nordseite, am Ende der Sackgasse hinter dem Rathaus, liegt und steht Baumaterial, darunter mächtige Metallrohre, die in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle spielen werden. Bohrpfähle, die in den Boden getrieben werden, sind Teil einer Spundwand, die die Bahnlinie nach unten absichert. Für deren Bau muss demnächst die Filstalstrecke unterbrochen werden.
Heininger erinnerte an den langen Weg, der zu diesem Tag geführt hat, an städtebauliche Ideen, Überzeugungsarbeit und den Aufwand, die Finanzierung zu sichern. Diesen Tenor griff Nicole Razavi (CDU) auf. Die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen und Landtagsabgeordnete aus Salach betonte die Bedeutung der Städtebauförderung. Allein für Eislinger Sanierungsgebiete seien schon 24,5 Millionen Euro bewilligt worden. Das sei ein „großer Wumms“, denn jeder Euro aus diesem Fördertopf löse acht Euro an weiteren Investitionen aus.
Razavi: Dicke Bretter gebohrt
Wer aus Salach, Süßen oder Eislingen komme, kenne die Frage „kommst du aus Nord oder aus Süd“, sagte die Ministerin. Bahn und Fils trenne die Orte, oft auch nach Konfessionen. Für Eislingen zeichne sich jetzt „ein neues städtebauliches Zeitalter“ ab. Schon der Neubau der B 10 habe gezeigt, dass Leben zurückkehrt, wenn der Durchgangsverkehr weg sei. Sie wünsche sich daher, dass auch Geislingen durch den Weiterbau der B 10 eine ähnliche Chance erhalte. Als leidenschaftliche Verkehrspolitikerin und zuständige Ministerin für städtebauliche Entwicklung freue sie sich über den Spatenstich, denn dieser zeige, „dass Ideen nicht nur in Schubladen ruhen. Dazu mussten aber richtig dicke Bretter gebohrt werden.“ Sie würdigte die gute Zusammenarbeit von Stadt, Land und Bund.
Der Oberbürgermeister warb wie ein Wanderprediger
Dieses Zusammenwirken hatte auch der Rathauschef gelobt. Heininger setzte aber früher an und würdigte den anwesenden Städteplaner Gerd Baldauf, der die Idee hatte, in der Stadtmitte ohne Durchgangsverkehr auszukommen. Sein Vorschlag musste sich gegen die bis dahin bevorzugte Variante einer Hauptstraßentrasse durchsetzen. Er habe nach seinem Amtsantritt, „wie ein Wanderprediger immer wieder versucht deutlich zu machen, welche einmalige Chance dies darstellt“, so Heininger. Er sprach von einem „großen städtebaulichen Wurf“. In seiner Begründung ging der Oberbürgermeister zurück bis in die Anfänge der Stadt. Die Nationalsozialisten hatten Groß- und Kleineislingen 1933 zur Stadt Eislingen vereint. Die beiden Stadtteile südlich und nördlich von Fils und Bahn hatten daher keine Stadtmitte, keinen Dorf- oder Kirchplatz im Zentrum. Daher hatten schon die Nazis gefordert, in der Mitte ein Rathaus zu bauen.
Kein Durchgangsverkehr, dafür hohe Aufenthaltsqualität
Das Rathaus steht seit 2015. Jetzt biete der Bau der Mühlbachtrasse die Chance, in der Mitte einen Marktplatz zu verwirklichen, „Sie dürfen ihn auch Schlossplatz nennen“, so Heininger an die Zuhörer. Der Rathauschef erwartet eine erkennbare, erlebbare Stadtmitte. Es könne ein Identifikationspunkt ohne Durchgangsverkehr, aber mit hoher Aufenthaltsqualität werden.
„In sechs Jahren wird die Stadt ein völlig anderes, ein attraktives Gesicht haben“, kündigt Heininger an. Der Rathauschef blickt dabei schon auf die Zeit nach Fertigstellung der Mühlbachtrasse. Das soll im Juni 2026 der Fall sein. Wenn dort der Verkehr fließt, kann die große Bahnüberführung 2027 abgerissen werden. Danach soll der Schlossplatz neu gestaltet werden.
Filstalbahn zehn Tage unterbrochen
Gleispause
Um die Spundwand im Gleisbereich des Eislinger Bahnhofes einzubauen, muss die Filstalstrecke vor und nach Eislingen unterbrochen werden. Zwischen 18. und 28. Oktober gibt es eine Gleispause, es werden keine Züge fahren, teilt der Leiter des Eislinger Tiefbauamts, Martin Fischer, mit. Es werde dann einen Schienenersatzverkehr mit Bussen geben.
Brücke
In der Zeit erhalten die Bahngleise eine Art provisorische Brücke über der Baustelle für die Eislinger Mühlbachtrasse. Für die Zugbrücke werden Bohrpfähle gesetzt, die mit Wänden ausgekleidet werden. Somit entsteht unter dem Bahndamm eine Art Tunnel für die Arbeiten am Trassenbau. Ist die vorläufige „Bahnbrücke“ fertig, können die Züge der Bahn wieder fahren.