Seit die direkte Verbindung zwischen Bietigheim und Sachsenheim gesperrt ist, fahren drei Mal mehr Autos als sonst durch Untermberg. Die Bewohner sind wütend. Hilft die Stadt?

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Untermberg ist mit 1200 Einwohner der kleinste Stadtteil Bietigheim-Bissingens. Das Dorf liegt zwischen der Burgruine Altsachsenheim und der Enz. Was den Ort aber für viele Autofahrer interessant macht, ist die Bissinger Straße, die führt durch Untermberg nach Sachsenheim. Gerade wird die Hauptverbindung zwischen Bietigheim und Sachsenheim, die Landesstraße 1125, erneuert und ist bis in den Herbst hinein gesperrt. Das führt zu einem Verkehrsinfarkt in Untermberg.

 

„Wir vom Verein Sympathie für Untermberg haben Anfang des Monats eine automatische Verkehrszählung an der Bissinger Straße installiert. In der Spitze kommen wir auf 20 000 Fahrzeuge pro Tag hier“, sagt Bernd Klein, Vorsitzender des Vereins. Vor den Bauarbeiten waren es täglich etwa 6000 Autos, die sich durch die teilweise enge Straße schlängelten, wie Matthias Volk, Leiter des städtischen Ordnungsamts bestätigt.

Die Verkehrsexplosion führt zu Problemen, und um diese direkt mit der Verwaltung anzusprechen, lud Kleins Verein zu einem Termin ein, bei dem sich Bürger Luft machen konnten. Neben Volk war der Erste Bürgermeister Michael Hanus aus Bietigheim gekommen. Größte Frage vor dem Termin war, ob die Untermberger dafür sind, dass das bisher erlaubte Parken auf der viel befahrenen Straße vorübergehend verboten wird.

Gruppenbild mit Stau: Michael Hanus (rechts) kam auf Einladung Bernd Kleins (Zweiter von rechts vorne) nach Untermberg und sprach mit verärgerten Bürgern. Foto: Andreas Essig/essigfoto.de

Der Verkehr würde flüssiger laufen, aber die Strecke wäre noch attraktiver. Etwa 25 Untermberger, vor allem Anwohner der Bissinger Straße, waren gekommen. Sie waren sich einig, dass das Parken weiter erlaubt werden solle. Nicht nur um den Verkehr zu bremsen, sondern auch aus praktischen Erwägungen. „Wenn ich aus meiner Ausfahrt will, brauche ich zehn Minuten. Wenn der Verkehr besser fließt, kommen wir gar nicht mehr raus“, sagte eine Anwohnerin.

Lärm und schlechte Luft belasten

Die Liste der Beanstandungen aus Untermberg war aber viel länger, und Volk konnte nur wenig Hoffnung auf Linderung verbreiten. Durch den starken Verkehr stiegen die Lärmwerte über das erträgliche Maß auf der Tempo-30-Straße. Die Luftqualität in dem kleinen Ort habe sich massiv verschlechtert. Trotz Verbots würden auch Lastwagen durch das Dorf rollen.

Auch schwerwiegende Verstöße nähmen zu. Einige Anwohner berichteten von Autofahrern, die in engen Passagen auf den Gehweg ausweichen und von Rowdys, die auf der Gegenfahrbahn überholen und damit eine Gefahr für querende Fußgänger seien. „Das ist echt gefährlich, ich wurde schon zwei Mal fast überfahren“, sagte eine Untermbergerin. „Wir reden nur über die Folgen. Warum kriegt man es nicht hin, dass weniger Verkehr hier durchrollt?“, fragte ein Mann. Untermberg ist keine offizielle Umleitungsstrecke, die führt über Freudental und Hohenhaslach, eine sehr weiträumige Umfahrung. Da nutzen viele lieber die kürzere Strecke, auch wenn das Stau bedeutet. Volk erklärte, man könne den Verkehr nicht verhindern, die Polizei müsse das Lastwagen-Verbot kontrollieren, aber in Sachen Gehwegfahrer wolle man helfen, etwa mit kleinen Hindernissen auf den Gehwegen.

Auch gegen Raser – wenn der Verkehr nicht gerade stockt, halten sich zu wenige an Tempo 30 – will Volk helfen und den mobilen Blitzer der Stadt nach Untermberg beordern. Ab Samstag soll in Bietigheim entlang der Umleitungsstrecke das Abbiegen in Richtung Metterzimmern wieder erlaubt werden. Dadurch könnte der Schleichverkehr weg von Untermberg verlagert werden.