Jetzt ist es fast geschafft: Nur noch die Feinjustierung der Stützpfeiler fehlt. Foto: Fritzsche
Die Pfarrscheuer in Musberg, eines der ältesten Gebäude im Ort, wird saniert. Jetzt ist das Dach wieder aufgesetzt worden. Auch der Sandsteinboden aus dem Jahr 1580 wird erhalten.
Die Rede ist von der Baustelle bei der Dreifaltigkeitskirche: Derzeit wird die Pfarrscheuer saniert, eines der ältesten Gebäude in Musberg aus dem Jahr 1581. Das „Säle“ war früher Gemeindezentrum, und der historische Saal soll wieder genutzt werden können. Verformungen, Setzungen und Schäden am Fachwerk sind die größten Problemfelder, mit denen das Team um Architekt Nikolai Ziegler zu tun hatte. Um ein Untergeschoss einzufügen und das Erdgeschoss zu stabilisieren, ist im Frühjahr 2025 das Dach abgenommen worden. Jetzt ist das Kellergeschoss gebaut, übrigens aus recyceltem, CO2-reduziertem Beton – Abbruchbeton von Autobahnen.
Zuerst war geplant, die Fachwerkwände wieder aufzustellen und das Dach obendrauf zu setzen. „Es gibt aber unberechenbare Toleranzen im alten Baugut“, erklärt Nikolai Ziegler, sprich: Altes Dach auf alte stabilisierte Wände setzen, könnte schiefgehen, wenn nicht alles passt. Also hat das Team ein Provisorium aus Holzpfeilern und Holzrahmen aufgebaut, auf dem das Dach nun aufsetzen wird. Die Fachwerkwände werden dann passgenau eingefügt. Reicht das Fachwerk aufgrund des gefestigten Untergrunds nicht aus, so wird mit recyceltem Beton aufgefüllt – „Wir wollen die Instandsetzung auch authentisch am Gebäude zeigen“, sagt Nikolai Ziegler.
Architekt Nikolai Ziegler Foto: Fritzsche
Und so macht sich das Dach auf den Heimweg: Der Kran hebt es an, der Weg zur Pfarrscheuer ist ja nicht weit weg und geht verhältnismäßig schnell. Der Feinschliff kommt dann noch: Während das Dach wenige Zentimeter über den provisorischen Pfeilern schwebt, sind die Zimmerer gefragt: Mit Wasserwaage, Zollstock und Leitern machen sie sich an die Arbeit, um sicherzustellen, dass das Dach auch genau da abgesetzt wird, wo es hin soll – und keinen Millimeter daneben.
Pfarrscheuer in Musberg ist ein Leuchtturmprojekt
Beim Erstellen des Kellergeschosses ist auch der ursprüngliche Boden der Pfarrscheuer gefunden worden: „Fünfzig Zentimeter unter Niveau haben wir den tollen Boden von 1580 gefunden“, schwärmt Nikolai Ziegler, „aus Sandsteinplatten.“ Auch dieser bleibt erhalten und soll später sichtbar werden.
„Es ist ein Leuchtturmprojekt“, sagt Nikolai Ziegler, der mit seiner Firma Aedis zwar am Umbau beteiligt ist, aber auch viele ehrenamtliche Stunden hineingesteckt hat: Er ist selbst Musberger, ihm liegt daran, das Pfarrensemble, das den Ortskern von Musberg schon so lange prägt, zu erhalten. „Es ist einfach schwieriger, ein altes Haus gut zu sanieren, als ein neues zu bauen“, sagt er. „Deshalb verlieren viele Orte wichtige Bauten.“