Die Laune beim Spatenstich war gut, auch bei Stefan Ebert, Geschäftsführer der Kleeblatt Pflegeheime, dem Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter, Carsten Schüler, Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau, sowie bei Heike Dierbach, Fachbereichsleiterin Pflege im Landratsamt Ludwigsburg (von links). Foto: Werner Kuhnle
Nahe dem Ortszentrum entstehen in Steinheim (Kreis Ludwigsburg) unter anderem fast 30 betreute Wohnungen und 16 Tagespflegeplätze. Ein Traum ist aber auch geplatzt.
Christian Kempf
08.05.2026 - 12:05 Uhr
Die Bietigheimer Wohnbau ist seit mehr als sechs Jahrzehnten im Geschäft. Doch auch nach so langer Zeit kann und muss man bisweilen neue Erfahrungen machen. Das zeigt sich bei einem aktuellen Projekt des Unternehmens in Steinheim, wo direkt am Steppi-Kreisel auf rund 2300 Quadratmetern ein Dienstleistungszentrum mit Wohnungen realisiert wird. Eine so lange Vorlaufzeit wie hier dürfte es in der Geschichte der Bietigheimer Wohnbau „selten bis gar nicht“ gegeben haben, sagte Geschäftsführer Carsten Schüler am Donnerstag beim offiziellen Spatenstich.
Tatsächlich wird an dem Vorhaben auf dem Gelände der früheren Stuhlfabrik Schnaidt seit acht Jahren gefeilt. Rückschläge gab es dabei zuhauf. Eidechsen auf dem Gelände, archäologische Grabungen, die Corona-Krise und die Folgen des Ukrainekriegs wirbelten den Zeitplan ein ums andere Mal durcheinander. Umso mehr strahlten alle Beteiligten nun, dass die Bagger endlich anrücken konnten. Und das nicht irgendwo, sondern in zentrumsnaher Lage. Von einer „Landmark am Ortseingang“ sprach der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter.
Tagespflege mit 16 Plätzen
Die Bauarbeiten auf dem Areal haben im März begonnen und sollen rund zwei Jahre dauern. Foto: Werner Kuhnle
Entstehen werden hier in den nächsten zwei Jahren zwei Häuser, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. So gut wie fix ist, dass der örtliche Polizeiposten vom Rathaus dorthin verlagert wird. Bereits in trockenen Tüchern ist außerdem, dass unter der Regie der Kleeblatt Pflegeheime eine Tagespflege angeboten wird. 16 Plätze sollen es insgesamt sein, berichtete Stefan Ebert.
„Es wird ein modernes, wohnortnahes und aktivierendes Angebot erstellt“, kündigte der Kleeblatt-Geschäftsführer an. „Es geht nicht nur um die Betreuung und die Versorgung. Es geht darum, Fähigkeiten zu erhalten, Selbstständigkeit zu fördern und Lebensqualität zu stärken“, erklärte er. Dazu sollen beispielsweise Gedächtnisaktivierung und Gleichgewichtstraining beitragen. Ziel sei, eine stationäre Pflege möglichst lange hinauszuzögern oder sogar ganz zu vermeiden.
Neben der Tagespflege werden in dem Gebäudekomplex mehr als 30 Wohnungen entstehen. Davon werden 28 betreut sein, erklärt der Projektleiter Dominic Nagerl. Zuständig ist auch dafür das Team vom Kleeblatt.
Zunächst waren nur 23 Einheiten für Senioren angedacht. Dass es letztlich mehr werden, hänge damit zusammen, dass man für einen Teil der eigentlich vorgesehenen Gewerbeeinheiten keine Nutzer habe finden können, sagt Nagerl. Insofern sollen diese Flächen in betreute Wohnungen umgewandelt werden.
Damit ist gewissermaßen auch ein Traum der Stadt Steinheim geplatzt. An den Start gegangen war der Gemeinderat nämlich einst mit der Vision, auf dem Gelände möglichst viele Mediziner anzusiedeln. Mittlerweile scheint es sich darauf zu beschränken, dass ein Zahnarzt eine Praxis eröffnet. Mit einer Dentistin sei man im Austausch, sagt Nagerl. Die Verträge müssten allerdings noch geschlossen werden.
Betreiber fürs Café gesucht
Projektleiter Dominic Nagerl sagt, dass man sich mit einer Zahnärztin über eine Ansiedlung austauscht. Foto: Archiv (Avanti)
Der Projektleiter betont, dass man zusammen mit dem Bürgermeister alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, aber das Werben um weitere Ärzte nicht gefruchtet habe. Nachfragen bei Alternativen wie Rechtsanwälten, Psychotherapeuten oder Physiotherapeuten hätten ebenfalls nicht zum Erfolg geführt. Einen Betreiber für die anvisierte Bäckerei beziehungsweise eines Cafés im Erdgeschoss habe man trotz intensiver Bemühungen auch noch nicht finden können. Die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten könnten aber auch mit anderen Dienstleistern belegt werden, die für eine Belebung sorgen.
Die Bietigheimer Wohnbau hat auch noch etwas Zeit für die Akquise. Ziel ist, den Rohbau für beide Häuser bis Frühjahr 2027 abgeschlossen zu haben. Im Frühjahr 2028 sollen die Gebäude bezugsfertig sein. In Sachen Baulärm und Erschütterungen dürften die Anwohner das Schlimmste aber schon mit dem nächsten Arbeitsschritt überstanden haben, wenn rund 60 Pfähle zur Gründung der Häuser in den Boden getrieben werden.