Baustelle in Stuttgart-Degerloch Anwohner klagen über Informationsblockade

Von Tilman Baur 

Aufgerissene Bürgersteige, willkürliche Halteverbote, Mülltonnen, die man in Nachbarstraßen suchen muss: Die Anwohner an der Löwenstraße in Stuttgart-Degerloch wüssten gerne, was vor der eigenen Haustür vor sich geht.

Ende April soll diese Baustelle an die Karl-Pfaff-Straße weiter wandern. Foto: Tilman Baur
Ende April soll diese Baustelle an die Karl-Pfaff-Straße weiter wandern. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Eine Baustelle vor der eigenen Haustür hat niemand gern, doch die meisten Menschen dürften sie als notwendiges Übel betrachten. So geht es auch Robert Krülle. Der 41-Jährige wohnt an der Degerlocher Löwenstraße, die seit geraumer Zeit Großbaustelle ist. Zwischen Felix-Dahn-Straße und Erwin-Bälz-Straße ist sie komplett aufgerissen.

Doch die Unannehmlichkeiten sind weitreichender: Getränkekästen schleppt Krülle seit Herbst über die Baustelle; vormittags fließt ab und zu kein Wasser aus dem Hahn; die Maschinen, die den Kies festdrücken, lassen die Fenster der Wohnung beben; ihre Mülltonnen holen die Bewohner aus der Parallelstraße ab. All das stört Krülle nicht besonders. „Solche Dinge bringt eine Baustelle eben mit sich“, sagt er.

Ihn stört etwas anderes: „Man weiß nicht, was gemacht wird und warum.“ Eine knappe Information per Post im Herbst, ein freundliches, aber nichtssagendes Schreiben der EnBW-Tochter Netze BW Anfang des Jahres – das war’s. Wer mehr wissen will, muss selbst bei Bezirks- und Fachämtern oder Bauunternehmern recherchieren. Dass zum Beispiel der Bürgersteig direkt vor seinem Haus aufgerissen werden soll, hat der zweifache Familienvater beiläufig in einem Telefonat mit dem Tiefbauamt erfahren.

Die Umparkerei war also für die Katz

Richtig geärgert hat sich Krülle erstmals im Januar. Weil ein Halteverbotsschild im Bereich seines Hauseingangs platziert war, hatte er sein Auto ordnungsgemäß an einer anderen Straße geparkt. Doch auf Baumaßnahmen, die das Halteverbot gerechtfertigt hätten, wartete er wochenlang vergeblich. Auf seine Nachfrage erfuhr er, dass die Maßnahmen erst am 15. Januar beginnen sollten – die Umparkerei war also für die Katz gewesen.

Was Zeitplan und Ablauf der Arbeiten angeht, tappen die Anwohner weiterhin im Dunkeln. „Ein bisschen guter Wille würde schon viel bringen“, sagt Krülle. Ein Info-Abend hätte ihm zum Beispiel vorgeschwebt, auch eine Bürger-Hotline hätte geholfen.

Krülles Hausnachbarin Anita Bott ärgert sich ebenfalls. „Aufgrund der Witterung und der Feiertage hat es viele Verzögerungen gegeben“, sagt sie. Außerdem mache die Müllabfuhr Probleme: „Die Tonnen werden einfach irgendwo abgestellt“, so Bott. Der Anwohner Andreas Digel musste gar zwölf Tage ohne Telefon und Internet auskommen, weil bei den Bauarbeiten das Telefonkabel vor dem Haus durchtrennt wurde. „Angeblich wusste die Stadt Bescheid“, sagt der Musikschullehrer – informiert wurde aber niemand.

Die Stadt könne nicht auf den Tag genau informieren

Roland Kurz vom Tiefbauamt versteht die Sorgen der Anwohner. „Es ist uns aber einfach nicht möglich, auf den Tag genau zu informieren, was passiert“, sagt Kurz. Anwohner könnten sich an die Baustellenleitung wenden. Kurz bestätigt, dass mehr auf der Baustelle passiert, als ursprünglich geplant war: „Eigentlich wollte Netze BW nur die Gas- und Wasserleitungen erneuern, macht jetzt aber gleich noch die Stromleitungen mit“, sagt er. Und auch die Telekom habe sich mit drangehängt und erneuere Kabel. Große Verzögerungen gebe es dadurch aber nicht, verspricht Kurz. Ende April soll die Baustelle an die Karl-Pfaff-Straße weiterwandern, einen Monat später als ursprünglich geplant. Kurz sagt: Wenn demnächst asphaltiert wird, bekommen die Anwohner ein Informationsschreiben – und zwar rechtzeitig.

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