Neckarpark–Hedelfingen in Stuttgart B 10 entwickelt sich zur Dauerbaustelle

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Seit fast einem halben Jahr wird an der B 10 zwischen Neckarpark und Hedelfingen gearbeitet. Und seitdem gilt dort Tempo 60. Auch jetzt ist noch kein Ende abzusehen. Wir erklären, warum.

Die B 10 ist neu asphaltiert, aber die Leitplanken in der Mitte fehlen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die B 10 ist neu asphaltiert, aber die Leitplanken in der Mitte fehlen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Es war ein sonniger Tag in der letzten Sommerferienwoche im September, als Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zufrieden in Hedelfingen von den Otto-Konz-Brücken auf die B 10 blickte: Die wichtige Straßenverbindung im Neckartal war in den Abschnitten zwischen Hedelfingen und Neckarpark fast fertig asphaltiert. Bis Ende des Monats, so die Einschätzung, könne die viel befahrene Verbindung fertig saniert sein – mit neuem Flüsterasphalt, mit verlängerten Aus- und Einfädelspuren zur B 14 in und aus Richtung Remstal und modernen „Rückhaltesystemen“, wie Straßenbauingenieure die Leitplanken nennen.

Mittlerweile ist die Sonne ein seltener Gast, die Weihnachtsferien sind zu Ende und es liegt nicht nur an am trüben Wetter, dass der Besuch der Otto-Konz-Brücken den Verkehrsminister momentan wenig erfreuen dürfte: Zwar ist die B 10 neu asphaltiert, aber die rot-weißen Baustellenbaken und die Tempo-60-Schilder bremsen nach wie vor die Autofahrer.

Übergänge von Beton auf Stahl fehlen

Die Straße entwickelt sich zur Dauerbaustelle – und zum Ärgernis für Autofahrer, die auf einer neu asphaltierten Straße „nur“ Tempo 60 fahren dürfen statt der ansonsten erlaubten 80 Stundenkilometer. Der Grund für die Verzögerungen ist, dass den Baufirmen die Materialien für die Absperrungen zwischen den Richtungsfahrbahnen fehlen, wie das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart bestätigt. Momentan sei im Mittelstreifen noch eine 400 bis 500 Meter lange Lücke vorhanden, sagt RP-Sprecher Matthias Kreuzinger. Das betreffe sowohl die klassischen Leitplanken aus Stahl als auch die dort ebenfalls geplanten Betonschutzwände. So fehlten am Beginn und am Ende der Abschnitte mit Betonschutzwänden jeweils noch die Übergänge von Beton auf Stahl. Auch an der Anschlussstelle Hafen-Süd und im Bereich des Dreiecks Neckarpark seien die Schutzplanken im Mittelstreifen noch nicht montiert.

Momentan könnten die Bauarbeiten nicht abgeschlossen werden, weil „Teile, die benötigt werden, bis Jahresende nicht mehr lieferbar waren, insbesondere die genannten Übergänge“, so der RP-Sprecher. Dies habe auch dazu geführt, dass der zuletzt genannte Fertigstellungstermin Anfang Dezember nicht mehr eingehalten werden konnte. „Um es klar zu sagen: Hierüber sind wir mit Sicherheit nicht erfreut und sind deshalb in ständigem Gespräch mit den Firmen“, sagt Kreuzinger, „die Arbeiten sollen 2018, abhängig von der Lieferung der Teile, schnellstmöglich fertiggestellt werden.“ Konkreter wird er nicht.

Bei der B-10-Sanierung erlebten die Straßenbauingenieure von Anfang an einige Überraschungen. Im Untergrund befand sich überraschend eine Grundwasserwanne, die saniert werden musste, zudem waren zusätzliche Arbeiten an mehr als 200 Schächten nötig. Das wirkte sich auf den Zeit- und Kostenplan aus. Die Vorstellung, die Bauarbeiten mit einem Aufwand von neun Millionen Euro während der Sommerferien zu erledigen, musste schon früh ad acta gelegt werden. Die Fertigstellung verschob sich Woche für Woche von Anfang Oktober bis Dezember, zuletzt war auch dieser Termin nicht mehr zu halten. Nach Angaben Kreuzingers liegen die Baukosten derzeit weiterhin bei 10,5 Millionen Euro – der Betrag war auch schon im September genannt werden. Ob sich die Verzögerungen nochmals kostensteigernd auswirken, „kann noch nicht gesagt werden, da die Baustelle nicht beendet ist“, so der RP-Sprecher. Zu möglichen Konventionalstrafen könne er zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. „Wir sind aber mit den Firmen im Gespräch“, erklärt er.

An den Schutzplanken wird auch nachts gearbeitet

Bis die Bauarbeiten beendet sind, wird auf dem Abschnitt auch weiterhin Tempo 60 gelten. Man habe überlegt, einen Teil der Strecke auf 80 zu setzen, sich aber in einem Gespräch mit der Polizei und den Verkehrsbehörden dagegen entschieden. „Wir waren gemeinsam der Überzeugung, die Temporeduktion aus Sicherheitsgründen bei 60 zu belassen, solange noch Teile der Schutzplanken fehlen“, sagt Kreuzinger. Allerdings betont der RP-Sprecher auch, dass seit Anfang/Mitte November die Asphalt- und Markierungsarbeiten abgeschlossen seien und den Autofahrern alle Fahrstreifen einschließlich der neuen Ein- und Ausfädelspuren am Neckarpark zur Verfügung stünden. „Staus oder größere Probleme sind seitdem aufgrund von Tempo 60 nicht aufgetreten“, sagt er. Die Arbeiten an den Schutzplanken würden weiterhin nachts ausgeführt, um den Berufsverkehr nicht zu behindern.

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