Nach langem Stillstand sind die Bagger auf dem Esslinger Karstadt-Areal angerollt. Doch das ist nicht die einzige Baustelle, die die Stadt beschäftigt.
Lange Jahre war es in vielen Bereichen der Esslinger Innenstadt ruhig – manche meinen auch: viel zu ruhig. Nun soll es an verschiedenen Stellen vorwärtsgehen. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ist sich wohl bewusst, dass es kein leichtes Unterfangen ist, gleich mehrere große Projekte parallel durchzuziehen. Mancherorts dürfte es in den nächsten Jahren in der Innenstadt zeitweise laut und schmutzig werden. Die Stadt will versuchen, die Belästigungen so gering wie möglich zu halten und die Anwohner umfassend und rechtzeitig zu informieren. Doch der Baubürgermeister ist sicher, dass sich die Mühe und die hohen Investitionen für Esslingen lohnen werden.
Karstadt Lange Jahre ging auf dem Karstadt-Areal zwischen Bahnhofstraße, Martinstraße und Ehnisgasse gar nichts – mit den Investitionen änderten sich auch die Konzepte. Nun will der neue Eigentümer, die Strabag Real Estate, dem ehemaligen Karstadt-Gebäude neues Leben einhauchen und auf dem angrenzenden Parkplatzgelände Wohnungen und Gewerbeflächen bauen. „Qess – Das neue Quartier mitten in Esslingen“ nennt sich das Projekt – geplant sind auf dem Parkplatzareal 162 Wohnungen, im ehemaligen Warenhaus soll es rund 12 000 Quadratmeter Einkaufsfläche sowie Büros und eventuell ein Fitnesscenter geben. Von September 2025 bis zum ersten Quartal 2026 wird die Kanalisation an die neuen Anforderungen angepasst. Sobald die Tiefbauarbeiten erledigt sind, will Strabag im zweiten Quartal 2026 mit dem Rohbau auf dem Parkplatzgelände beginnen. Die Einweihung des „Qess“ ist für 2029 geplant.
Fernwärme Esslingen möchte bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreichen. Um einer nachhaltigen Wärmeversorgung näherzukommen, bauen die Stadtwerke ihr Fernwärmenetz kontinuierlich aus. Das zeigt sich auch in der Innenstadt. In der Ehnisgasse und in der Martinstraße verlegen die Stadtwerke Fernwärmeleitungen, damit die Gebäude auf dem Karstadt-Areal künftig ans Netz angeschlossen werden können.
Marktplatz Zum Stadtjubiläum 2027 möchte Esslingen einen neu gestalteten Marktplatz einweihen. Die zentrale Markt- und Freizeitfläche im Herzen der Stadt ist bislang kein Aushängeschild. Das soll sich nun ändern: Ein heller Pflasterbelag wird den bisherigen Asphalt-Flickenteppich ersetzen und den Platz weniger stark aufheizen. Weitere Bäume und begrünte Baumbeete spenden Schatten. Ein Fontänenfeld und ein Trinkwasserbrunnen sorgen für Abkühlung. Rings um den Marktplatz soll es mehr Fläche für die Außengastronomie geben. Sitzbänke an den Baumbeeten laden zum Verweilen ein. Der Marktplatz wird barrierefrei gestaltet, ein Blindenleitsystem bietet Sehbehinderten Orientierung. Dezente Lichtinszenierungen heben die historische Bedeutung des Platzes hervor. Erste Arbeiten laufen bereits im Untergrund – nach Ende des Mittelalter- und Weihnachtsmarktes soll es im kommenden Frühjahr richtig losgehen. Zu Pfingsten 2027 soll Einweihung gefeiert werden, doch der Zeitplan wird von Fachleuten als recht „sportlich“ bewertet.
Neues aus dem Esslinger Untergrund
Geiselbach Von vielen unbemerkt wird tief unter dem Marktplatz seit geraumer Zeit der Geiselbach saniert. Mehrere tausend Meter Fugen zwischen den historischen Sandsteinen wurden bereits erneuert, rund 20 Tonnen eines speziellen Mörtels wurden dabei verarbeitet. Die Arbeiten sind im Zeitplan und sollen noch vor Beginn des Weihnachtsmarktes abgeschlossen sein.
Neckaruferpark Seit einem Vierteljahrhundert wird in Esslingen über einen Neckaruferpark diskutiert, der „zu einem attraktiven und lebenswerten Ort für die Esslinger Bevölkerung werden“ und sowohl dem Erholungsbedürfnis als auch dem Klima dienen soll. Nun ist das große Ziel in Sicht: Seit Oktober 2023 wird auf der rund 1,6 Kilometer langen Fläche an allen Ecken und Enden gearbeitet – ein Neckarbalkon ist ebenso in Arbeit wie eine Freitreppe und eine Flachwasserzone. Wenn alles vollends glatt läuft, soll der Park bis zum Jahresende fertig sein.
Schelztorhalle Mit ihrer charakteristisch gezackten Dachkonstruktion prägt die Schelztorhalle das Stadtbild, für den Schul- und Vereinssport gilt sie eigentlich als unverzichtbar. Doch seit September 2023 ist die Halle geschlossen, weil sich die Rolllager des Sheddachs verschoben hatten. Seither ist es zu gefährlich, das denkmalgeschützte Gebäude bis zur ohnehin anstehenden Generalsanierung weiter zu nutzen. Bereits im Juli 2023 hatte der Gemeinderat die Sanierung beschlossen, für die nach jüngsten Zahlen gut 15 Millionen Euro veranschlagt werden. Die eigentliche Sanierung soll noch in diesem Jahr starten und Ende 2027 abgeschlossen sein – sofern die bau- und denkmalrechtlichen Abstimmungen und Genehmigungen das zulassen und es während der Sanierung keine unliebsamen Überraschungen gibt.
Esslinger Busverkehr wird voll elektrifiziert
O-Bus Esslingen will bis Ende 2026 eine der bundesweit ersten Städte mit komplett emissionsfreiem Busverkehr sein. Dafür braucht die Stadt insgesamt 52 O-Busse. Außerdem muss das bislang 29 Kilometer lange Oberleitungsnetz um fünf Kilometer erweitert werden. Abgeschlossen ist der Ausbau in der Pliensauvorstadt. Für Herbst 2025 hat sich die Stadt den Oberleitungs-Ausbau für den Zollberg von der Gemarkungsgrenze Nellingen ab der Haltestelle Nellinger Linde über die Zollbergstraße bis zum Jusiweg sowie für den Esslinger Norden vom Neckar Forum über Mülberger-, Wieland- und Rotenackerstraße bis Haltestelle Eugen-Bolz-Straße vorgenommen. Was aussteht, ist der Altstadtring von der Maille-Kreuzung über Kiesstraße, Grabbrunnenstraße, Ebershaldenstraße, Augustinerstraße und Berliner Straße bis zum Schelztor.