Baustellen Marode Brücken: es droht ein Verkehrschaos

Schwere Lastwagen, Streusalz und Verschleiß haben der Egelseebrücke in Vaihingen/Enz zugesetzt. Foto: factum/Bach
Schwere Lastwagen, Streusalz und Verschleiß haben der Egelseebrücke in Vaihingen/Enz zugesetzt. Foto: factum/Bach

Landrat und Bürgermeister sind in Sorge: der Ausbau der A 81 lässt auf sich warten, gleichzeitig müssen immer mehr große Überwege aus Altersgründen saniert werden. Das erhöht die Staugefahr.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)
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Kreis Ludwigsburg - Bei den Verkehrsplanern im Landkreis herrscht Alarmstimmung. Die ohnehin von Staus geplagte Region muss sich wohl auf eine Verschlimmerung der Verkehrssituation einstellen. Nicht nur, dass der Ausbau der Autobahn 81 noch Jahre auf sich warten lässt. Sorge bereitet den öffentlichen Verwaltungen zudem, dass viele wichtige Brücken und Flussquerungen mittlerweile in die Jahre gekommen sind und saniert werden müssen – mit oft drastischen Folgen für die örtliche Verkehrssituation. „Wir müssen uns auf eine deutliche Verschlechterung einstellen“, fasst der Landrat Rainer Haas zusammen.

Jüngstes Beispiel einer Verschlechterung ist die Egelseebrücke in Vaihingen/Enz. Am Rande der Stadt, unweit des Maientags-Festgeländes, quert die B 10 die Enz, die Strecke wird täglich von rund 14 000 Fahrzeugen genutzt. Doch jüngst haben die Ingenieure im Regierungspräsidium Stuttgart Alarm geschlagen: die Brücke muss bereits von nächster Woche an halbseitig gesperrt, mittelfristig gar abgerissen werden. Bis auf weiteres soll eine Ampel den Verkehr regeln. Umleitungen sollen keine ausgeschildert werden. „Das halten wir für die beste Lösung“, sagt der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Aber Ausweichverkehr wird es geben, das muss man nüchtern sehen.“

Als Umfahrungsstrecke prädestiniert?

Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Sersheim beurteilt die Lage drastischer. Jürgen Scholz erwartet „ein totales Chaos in Kleinglattbach und Unterriexingen“. Die Stadtteile von Vaihingen und Markgröningen seien, auch wegen der Umgehungsstraße entlang des Gewerbegebiets Eichwald, als Umfahrungsstrecken prädestiniert. Die Ortsdurchfahrt in Unterriexingen sei „überhaupt nicht für Schwerlastverkehr geeignet“, betont der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner.

Robert Hamm, Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), nennt auf Anfrage sechs weitere Bauwerke, bei denen die Straßenbaufachleute Handlungsbedarf sehen. Die allermeisten Brücken hätten mittlerweile schon 60 Jahre auf dem Buckel und seien durch Materialverschleiß, Lkw-Belastung und aggressives Streusalz arg verschlissen. „Da stehen einige Sanierungen an“, sagt Hamm. Oftmals seien bereits Tempolimits oder Gewichtsbeschränkungen ausgeschildert worden. Wie lange solche Sanierungen mitunter auf sich warten lassen, zeigt das Beispiel der Gumpenbachbrücke der B 27 in Kornwestheim. Hier wird der Baubeginn wegen des langen Planungs- und Genehmigungsvorlaufs erst für 2018 erwartet. Kostenpunkt: zwölf Millionen Euro. Während der rund drei Jahre währenden Bauzeit muss die B 27 halbseitig gesperrt werden.

Hoffen auf provisorische Ersatzbrücke

„Katastrophal“ sind laut dem Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler die Folgen einer anderen Sanierung: die Neckarkanalbrücke, eine der Hauptverkehrsadern Besigheims, muss ersetzt werden. Dafür sei eine rund neunmonatige Sperrung nötig. Immerhin sei zu hoffen, dass es für die ebenfalls marode Enzbrücke nach Walheim während der Bauarbeiten eine Ersatzbrücke geben soll. „Dann hätten wir nur wenige Tage Chaos“, sagt Bühler. Auf eine ähnliche Lösung hofft übrigens auch der Vaihinger OB Maisch für die Egelseebrücke. „Sonst kriegen wir ein Problem.“ Das werde geprüft, teilt das RP mit.

Besonders drastisch droht die Verkehrslage laut dem Landrat Haas vor allem deshalb zu werden, weil die Nutzung des Standstreifens auf der A 81 zwischen den Anschlüssen Stuttgart-Zuffenhausen und Ludwigsburg-Nord so lange auf sich warten lassen. „Ich hätte das für den Befreiungsschlag schlechthin gehalten“, sagt Haas. Doch leider ist auch hier die Umsetzung schwierig, wie Robert Hamm vom RP erläutert. Für die Nutzung des Standstreifens seien zahlreiche Baumaßnahmen nötig: neue, breitere Brücken für die Abfahrten etwa, Nothaltebuchten oder neue, geräuschhemmende Asphaltdecken oder höhere Lärmschutzwände bei Asperg und Ludwigsburg-Eglosheim. Das 17-Millionen-Euro-Paket harre derzeit der Genehmigung. Vor 2020 sei nicht mit der Fertigstellung zu rechnen.




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