Baustellen-Rundfahrt in Herrenberg Das sauberste Wasser der Region
Die Baustellen-Rundfahrt in Herrenberg präsentiert eine Containerunterkunft für Flüchtlinge, eine vorbildliche Kläranlage – und eine neue Idee in der Stadtentwicklung.
Die Baustellen-Rundfahrt in Herrenberg präsentiert eine Containerunterkunft für Flüchtlinge, eine vorbildliche Kläranlage – und eine neue Idee in der Stadtentwicklung.
Wie schwierig das Bauen inzwischen geworden ist, zeigt eine Statistik, die kürzlich in Herrenberg vorgestellt wurde. Von 2019 bis heute sind die Baukosten demnach um 45 Prozent gestiegen, das hat das Team um die Baubürgermeisterin Susanne Schreiber berechnet.
Dennoch hält Herrenberg weiter an seinen großen Projekten fest. Waren es im vergangenen Jahr vor allem die Schulen und Kindergärten gewesen, die erweitert, erneuert oder neu gebaut wurden, liegt der Schwerpunkt der Bautätigkeit in diesem Jahr auf der Kläranlage, dem Fruchtkasten, dem Andreae-Gymnasium und der Flüchtlingsunterbringung. Etwa 40 Gemeinderäte und interessierte Bürger haben sich die anstehenden Projekte bei der alljährlichen Baustellen-Rundfahrt angesehen.
Wie alle anderen Kommunen auch ächzt Herrenberg unter den Anstrengungen der Flüchtlingsunterbringung. Auch im nächsten Jahr muss die Stadt schätzungsweise für etwa hundert Einwanderer Unterkünfte bauen, das hat das Böblinger Landratsamt durchblicken lassen. Zu diesem Zweck gibt Herrenberg rund 5,7 Millionen Euro aus, um in der Stadthallenstraße eine Containerunterkunft mit 250 Betten zu errichten, die Ende November fertig sein soll.
Die Container sind schon aufgebaut, gerade werden die Außenanlagen fertig gestellt und der Brandschutz verbessert. Die Container sind in drei Riegeln angeordnet, die jeweils zwei Wohneinheiten mit zwei und sechs Betten beinhalten. Sie haben eine eigene Küche und ein eigenes Bad, hinzu kommen Räume für die Verwaltung, die Sozialarbeiter, ein Sanitätszimmer sowie Waschküchen und Lager. Geplant, aber noch nicht realisiert, ist ein Spielplatz.
Die zweite Station der Busreise war die Kläranlage in Herrenberg, mit einem großen, jetzt noch unübersichtlichen Baufeld. Hier soll einmal eine Reinigungsstufe vier eingebaut werden. Damit wird Herrenberg eine Wasserqualität besitzen, wie sie kaum eine andere Stadt in Baden-Württemberg aufweist.
Normal sei eine Reinigung in drei Stufen, erklärt Samuel Baier, Chef der Kläranlage in Herrenberg. In der ersten Stufe werde mechanisch gereinigt, in der zweiten biologisch, in der dritten Stufe würden Schadstoffe ausgefiltert. In der neuen, vierten Reinigungsstufe können Medikamente, Hormone und andere Chemiecocktails aus dem Wasser gefischt werden. Dazu wird es mit Ozon behandelt, eine hochreaktive Sauerstoff-Verbindung, die nahezu jede andere Chemikalie angreift.
Etwa drei Viertel des Baus ist fertig, in Betrieb gehen soll die Anlage im Dezember 2025, kosten wird sie rund zehn Millionen Euro.
Noch etwas teurer ist die Renovierung des Andreae-Gymnasiums in Herrenberg. 12,5 Millionen Euro kostet es, den naturwissenschaftlichen Bereich der Schule umzubauen und zu erweitern.
Eine besondere Aufgabe für die Architekten war es, den Umbau während des Schulbetriebs zu stemmen. Die Statiker waren bei diesem Vorhaben besonders gefragt, weil das Gebäude aus den Siebzigerjahren äußerst filigran gebaut ist, mit nur zwölf Zentimeter dicken Decken. Der Rohbau ist inzwischen fertig geworden, gerade verlegen die Bauarbeiter die Leitungen.
Herrenbergs Prunkstück, der Fruchtkasten, ist gerade eingerüstet. Die ganze Fassade wird von halbdurchsichtigen Planen verdeckt. Das ist das zur Zeit größte Projekt der Stadt – und vermutlich auch das repräsentativste. Insgesamt 18 Millionen Euro kostete es bisher, den ehemaligen Kornspeicher zu einem Bürgerzentrum und einem modernen Stadtmuseum umzubauen.
Es sei die größte bauliche Herausforderung in Herrenberg, so wertet Natalie Faber vom Amt für Gebäudemanagement das Projekt. Es bedeute nicht nur Bauen im Bestand, sondern auch Bauen im Bestand plus Denkmalschutz.
Inzwischen wurde das Tragwerk ertüchtigt und die Wände verputzt, gleichzeitig haben Archäologen die Reste der Stadtmauer untersucht, die im Graben an der Westseite des Gebäudes zutage getreten waren. Im Herbst wird die Gebäudetechnik eingebaut.
Weder im Bau noch im Umbau sind die Gebäude in der Tübinger Straße 6 bis 10, das so genannte Denglersche Anwesen, das gleichzeitig die letzte Station der Herrenberger Baustellenrundfahrt ist. Ein altehrwürdiges Fachwerkhaus erhebt sich in der Mitte des Ensembles, flankiert von moderneren Umbauten. Mit dem Kauf dieses Ensembles will Nico Reith (parteilos), der neue Oberbürgermeister Herrenbergs, auch neue Wege gehen. Das Ensemble soll einer Projektgesellschaft übergeben werden, aber nicht wie üblich im Verkauf, sondern stattdessen in Erbpacht.
Damit hat die Stadt die Möglichkeit, auf die Mieten Einfluss zu nehmen, und kann verhindern, dass vielversprechende Ladengeschäfte durch zu hohe Mieten in den Ruin getrieben werden. Die drei Wohn- und Geschäftshäuser stehen auf einem Grundstück von 476 Quadratmetern und verfügen über eine Verkaufsfläche von 330 Quadratmetern.