Baustellentour Böblingen Etliche Baustellen in XXL-Dimension
Wie jedes Jahr nach den Sommerferien schwangen sich die Böblinger Stadträte aufs Rad und begaben sich auf eine Tour zu den Baustellen und Projekten in der Stadt.
Wie jedes Jahr nach den Sommerferien schwangen sich die Böblinger Stadträte aufs Rad und begaben sich auf eine Tour zu den Baustellen und Projekten in der Stadt.
Böblingen - Zu vielen Baustellen in Großdimension führte die aktuelle Tour des Böblinger Gemeinderats. Kreuz und quer wurden zehn Etappenziele angesteuert.
Elbenplatz Den Auftakt machte eine der auffälligsten und aufwändigsten Verwandlungen, die Böblingen in den vergangenen Jahren erlebt hat. Der Tross blickte auf den komplett neu gestalteten Elbenplatz. Die Barriere zwischen Unterstadt und Altstadt für die Fußgänger vermindern, beidseitige Radwege an der verkehrstechnischen Hauptschlagader der Stadt, und eine Baumreihe, damit Böblingen an dieser Stelle kühl bleibt: Stadtplaner Dietmar Weber skizzierte noch einmal die wesentlichen Effekte des 3-Millionen-Projektes, das die Stadt ein Jahr lang umgetrieben hat. Oberbürgermeister Stefan Belz freute sich, dass die Autos trotz reduzierter Fahrspuren rollen: „Es läuft. Auch um 17 Uhr“, stellte er fest. Jedoch unter entschärften Bedingungen. Die Sperrung einer Fahrspur an der Brumme-Allee hält dem Elbenplatz für die nächsten zwei Jahre den Rücken frei.
See-Carré Gleich um die Ecke der nächste Stopp. Drei Kräne, massige Schaltafeln und überall Armier-Eisen, die in die Luft ragen: An der Herrenberger Straße wächst das See-Carré in den Himmel. Beeindruckt waren die Stadträte, in welchem Tempo die Rohbauer am Werk sind. Bis zu acht Geschosse hoch werden die Gebäude, die die Böblinger Baugenossenschaft (BBG) hier erstellt. Der Beitrag der städtischen Tochter gegen die Wohnungsnot beträgt an diesem teilweise Jahrzehnte lang brach liegenden Ecke 68 Mietwohnungen und 38 Eigentumswohnungen. Die Bauarbeiter sind gerade dabei, das erste Geschoss zu betonieren. Anfang 2023 sollen die Bewohner einziehen.
Konrad-Zuse-Straße Vergleichsweise klein und bescheiden ist das BBG-Projekt, das die Radler-Truppe auf dem Flugfeld inspizierte. Fast fertig präsentiert sich das lang gestreckte Wohngebäude in der Konrad-Zuse-Straße. „Quadratisch, praktisch, gut“, nannte BBG-Vertriebschef Albert Boochs das Objekt, in dem vor allem bezahlbarer Wohnraum entsteht. 23 öffentlich geförderte Wohnungen für den schmalen Geldbeutel entstehen dort. Erster Bürgermeister Tobias Heizmann wies darauf hin, dass der 5-geschossige Quader ein gutes Beispiel sei für die Aufgabe der BBG, mit den Erlösen aus dem Bau von Eigentumswohnungen und Gewerbebauten bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Zusammen mit 48 Wohnungen im See-Carré stehen auf diese Weise demnächst knapp 70 neue Sozialwohnungen zur Verfügung. Hinzu kommen weitere 30 in einem Gebäude, das auf der Diezenhalde geplant ist.
OHG Nichts zu sehen gab es, als die Stadträte die Ständer ihrer Fahrräder vor dem Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) ausklappten. Dafür umso mehr zu hören. Denn es ging um den Brandschutz in dieser Schule. Und der findet zumeist hinter Decken- und Wandverkleidungen statt. Für die Städte dennoch ein Fass ohne Boden – aufwändig, teuer und unberechenbar. 2,8 Millionen Euro sollte die Stadt berappen, damit die Schule fit für den Ernstfall bleibt. Eine Summe, die nicht nur die Stadträte in ihren neongrünen Leuchtwesten zum Stauen brachte. Auch auf dem Amt war man der Meinung, dass das nicht sein kann. Timo Nußbaum und sein Team beschlossen daher, nicht sofort in teuren Aktionismus zu verfallen, sondern der Kreativität Raum zu verschaffen. „Wir haben uns Zeit gelassen und haben uns nicht mit der erstbesten Idee zufrieden gegeben“, erläuterte der Chef des Amtes für Gebäudemanagement. Heraus kam dabei ein neues Konzept: Die Schule wird in Bereiche eingeteilt, die nicht nur eine flexiblere Nutzung erlauben, sondern auch den Brandschutz in Einzelteilen erlaubt und für 1,3 Millionen zu haben ist. Für so viel Hirnschmalz und Einsparung gab es einen Extra-Applaus.
Bauhof BB/Sifi An der Wolfgang-Brumme-Allee traf die Inspektionstour auf ein Sorgenkind der Stadt. Die Technischen Betriebsdienste BB/Sifi, der Gemeinschaftsbauhof der Städte Böblingen und Sindelfingen, musste in diesem Jahr ein Drittel seiner Fläche für den Ausbau der angrenzenden A81 abgeben. Hinter dem Gelände blickte der Besucher-Tross auf ein umgepflügtes Feld. Nach langem Hin und Her und teuren Entwürfen sollen hier für 7,7 Millionen Ersatzgebäude entstehen. Doch dieser Raum reicht nicht. Seit vielen Monaten sind die Städte auf der Suche nach weiteren Flächen. „Wir sind in Verhandlungen auf Sindelfinger Gemarkung“, verkündete Tobias Heizmann. „Es sieht gut aus“. Mehr wollte der Erste Bürgermeister dazu nicht sagen.
Autobahnbrücke Auf einem Stück zukünftiger Autobahn rollten die Stadträte zur ersten Brücke, die bereit ist für die A81-Verbreiterung. Die Überführung der Bahnlinie zwischen Böblingen und Sindelfingen auf Höhe des Hornbach-Baumarktes erhält am ersten Oktober-Wochenende eine provisorische Querung aus dem Lagerbestand der Bahn. Über dieses Bauteil rollt der Bahnverkehr bis die neue 110 Meter lange Brücke gebaut ist. Am selben Wochenende weicht auch der südliche Teil der Autobrücke zwischen Böblingen und Dagersheim. Autobahn-Projektleiter Johannes Kuhn kündigte für diese Zeit die erste Vollsperrung der Autobahn an. Danach geht#s dann richtig los: Die Vorarbeiten für den Tunnelbau beginnen. Der Lärmschutzwall Richtung Sindelfingen wird abgetragen, um Platz für dieses Bauwerk zu machen.
Oststadt Pionierarbeit wartete im Osten der Stadt. Die Radler-Schlange sauste über die noch gesperrte neue Verbindungsstraße von der Leibnizstraße Richtung Autobahn und begab sich mitten in das Gewirr der neuen Straßenwelt zwischen Thermalbad und A 81. Bis die Autobahnbauer nächstes Jahr hier starten, soll alles weitgehend fertig sortiert sein in den neuen Asphaltbeziehungen zwischen Böblingen, Sindelfingen, Vaihingen und Schönaich. Auch hier wird der Autobahnanschluss vom 14. Bis 16. Oktober nochmals komplett dicht gemacht.
Der Dienstwagen des Oberbürgermeistes eskortiert die Radlertruppe
Rad statt Bus
Der Verkehr, die Autobahn, die Bildung und der Wohnbau. Mit diesem Programm-Paket im Gepäck bewegte sich am Mittwoch eine rund vierzigköpfige Radler-Truppe durch Böblingen: der Gemeinderat auf Baustellen-Rundfahrt. Seit Oberbürgermeister Stefan Belz im Amt ist, bleibt der Bus in der Garage, Fahrrad fahren ist angesagt. Wer nicht radeln kann oder möchte, für den steht der OB-Dienstwagen als Begleitfahrzeug zur Verfügung.
Nabel- und Leistungsschau
Die Bürgervertreter waren unterwegs, um zu erkunden, wie die Beschlüsse und die Millionen, die sie verantworten, umgesetzt werden. Zehn Orte in der Stadt vom Elbenplatz in der Mitte der Stadt bis hinaus in den Osten beim Thermalbad umfasste die traditionelle Nabel- und Leistungsschau zum Auftakt des zweiten Sitzungshalbjahres. (mis)