Baustellenverkehr am Albrand Die Straßen halten, einige Außenspiegel nicht

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Auch die zweite Bohrmaschine steht im Voralbtunnel der Schnellbahntrasse Stuttgart-Ulm kurz vor dem Durchbruch. Für die Kreisgemeinden im Lenninger Tal und auf der Alb endet eine zweijährige Leidenszeit.

In Erkenbrechtsweiler ist es besonders eng zugegangen. Die Gemeinde hat sich mit Pollern geschützt. Foto:  
In Erkenbrechtsweiler ist es besonders eng zugegangen. Die Gemeinde hat sich mit Pollern geschützt. Foto:  

Owen/Erkenbrechtsweiler - Zwei Jahre lang im Schnitt 500 Lastwagen täglich, 1,8 Millionen Tonnen Erdaushub, abgefahrene Außenspiegel an parkenden Autos, beschädigte Gehwege – das Lenninger Tal und die Esslinger Kreisgemeinden auf der Schwäbischen Alb haben für den Bau des mehr als acht Kilometer langen ICE-Tunnels zwischen Wendlingen und Dettingen ordentlich den Buckel hingehalten. Rund die Hälfte der 3,6 Millionen Tonnen, die als Abraum beim Vortrieb der beiden Tunnelröhren angefallen sind, sind über die Bundesstraße 465 durch das Lenninger Tal oder über die Beurener Steige durch Erkenbrechtsweiler abgefahren worden. Entgegen der im Vorfeld laut gewordenen Befürchtungen haben die Straßen die Zusatzbelastung gut weggesteckt.

Drei Wochen bevor sich der letzte Lastwagen voll beladen mit dem Aushub des Voralbtunnels auf den Weg zu den Steinbrüchen auf der Schwäbischen Alb macht, gibt zumindest der Leiter des Straßenbauamts im Landratsamt Esslingen, Thorsten König, Entwarnung. Die systematische Kontrolle der stark belasteten Albaufstiege habe keine auffälligen Ergebnisse gebracht. Allerdings habe man zum Start der Lastwagen-Karawane auch kein Beweissicherungsverfahren durchgeführt. „Das sind öffentliche Straßen, auf denen die Baustellen-Lastwagen ohne Einschränkungen fahren dürfen, wie alle anderen auch“, sagt König. Die wirklich großen Schäden kämen ohnehin aus dem Untergrund und von oben herab. „Die Schwäbische Alb bröckelt, mit oder ohne Lastwagen“, urteilt der oberste Straßenbauer im Landkreis.

Albsteigen unter Beobachtung

Die Albaufstiege mit der höchsten Zusatzbelastung, die Ochsenwanger Steige, die Grabenstetter Steige, die Gutenberger Steige und die Beurener Steige, stünden ohnehin unter ständiger Beobachtung. So sei die Sanierung der Gutenberger Steige auch ohne den Baustellenverkehr geplant gewesen. Im kommenden Jahr wird der Asphaltbelag des fünf Kilometer langen Albaufstiegs erneuert. Weil die Steige zudem gen Tal zu rutschen droht, müssen die Gabionen – mit Steinen gefüllte Drahtkäfige – erneuert werden. Während der von März bis November veranschlagten Bauzeit wird die Bundesstraße komplett aus dem Verkehr genommen.

Auch in Owen, der am stärksten vom Durchgangsverkehr betroffenen Kommune, atmet die Bürgermeisterin Verena Grötzinger auf. „Wir haben die Belastung ertragen, weil wir die Notwendigkeit sehen“, sagt sie. Nach Anlaufschwierigkeiten sei die Abstimmung mit der Bahn positiv verlaufen. Die Sanierung der auch ohne den Baustellenverkehr hoch belasteten Ortsdurchfahrt habe sich bewährt. „Wir haben die Bauklasse aufgerüstet und der höheren Belastung angepasst“, sagt die Bürgermeisterin.

Schäden bleiben an der Gemeinde hängen

Angepasst hatte sich auch die Gemeinde Erkenbrechtsweiler. Eine Reihe von Pollern entlang der Ortsdurchfahrt trennen den Fußgängerbereich zusätzlich vom engen Straßenraum. Allerdings hat die rund 10 000 Euro teure Maßnahme nicht verhindern können, dass vorbeifahrende Lastwagen an parkenden Autos den einen oder anderen Außenspiegel mitgenommen haben oder dass die Gehwege gelitten haben. „Die Kosten für die Poller bleiben an uns hängen. Und die Schäden an den Gehwegen auch, weil sie sich nicht zuordnen lassen“, sagt der Erkenbrechtsweiler Schultes Roman Weiß mit hörbarem Bedauern. Die Poller sollen nun auf jeden Fall erst mal stehen bleiben.