Bauvorhaben in Korntal-Münchingen Startschuss für Supermarkt fällt

Vor dem Spatenstich hatten sich Archäologen auf den Spuren der Merowinger durch das Gelände in Münchingen gegraben. Foto: Jürgen Bach
Vor dem Spatenstich hatten sich Archäologen auf den Spuren der Merowinger durch das Gelände in Münchingen gegraben. Foto: Jürgen Bach

Es war der Moment, auf den die Münchinger gefühlt eine halbe Ewigkeit gewartet haben: Der Spatenstich für das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Stuttgarter Straße und Kronenstraße ist vollzogen. Der lang ersehnte Vollsortimenter öffnet 2024.

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Korntal-Münchingen - Der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) nennt den 7. Dezember einen Glückstag – für sich und die Bevölkerung des Korntal-Münchinger Stadtteils Münchingen: Am Dienstag war der Spatenstich für das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Stuttgarter Straße und Kronenstraße. Damit werde der Ortskern deutlich sein Gesicht verändern, an Aufenthaltsqualität gewinnen und weiteren, dringend nötigen Wohnraum bekommen.

Auf einer Fläche von insgesamt rund 3900 Quadratmetern entstehen 61 Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, ein Edeka-Markt, eine Bäckerei mit Café, eine Arztpraxis, zwei Tiefgaragen-Ebenen mit etwa 140 Parkplätzen sowie elf öffentliche Stellplätze. Den Einzelhandel im Stadtteil zu halten, sei immer das politische Ziel gewesen, sagte der Rathauschef Wolf mit Blick auf den Vollsortimenter. Auf den warten die Münchinger schon sehr lange, nachdem der bisherige Edeka Anfang 2010 schloss und im Jahr 2018 dann der Cap-Markt, der Ende April 2010 nach Münchingen kam. Seitdem gibt es im Ort lediglich den Discounter Lidl, der aber fast am Ortsausgang ist. Dagegen haben die Stadtteile Korntal und Kallenberg längst zentral einen Vollsortimenter.

Ärzte aus dem Ort ziehen ein

Der Investor, die Leonberger Firma Mörk Immobilien, rechnet mit der Fertigstellung des gesamten Bauprojekts im Jahr 2024. Der Edeka-Markt im Erdgeschoss werde eine Verkaufsfläche von 1650 Quadratmetern haben und circa 15 000 Produkte anbieten. Für die Kundschaft gibt es 60 Parkplätze. In die Arztpraxis im ersten Obergeschoss zieht eine ortsansässige Gemeinschaftspraxis.

Die Geschäftsführerin von Mörk, Ute Kühn, sprach von einem besonders großen Projekt in einer besonderen Lage im Ortskern: Der neue Gebäude-Komplex steht an der viel befahrenen Stuttgarter Straße, deren Sanierung und Neugestaltung nach der Hälfte der Bauzeit zwischen der Kronenstraße und der Danziger Straße beginnt. Auch sei es eine Herausforderung, einen Supermarkt mit Wohnungen darüber zu bauen, sagte Ute Kühn. Technisch sei da einiges an Abstimmung erforderlich.

Wohn- und Geschäftshaus wird verkauft

Marco Mander, der Prokurist und Leiter von Planung und Technik, sagte, das moderne Wohn- und Geschäftshaus füge sich „sehr schön“ in den Ortskern ein. Dabei sei Mörk kein „Bestandshalter“, sondern ausschließlich für Architektur, Bau und Immobilien zuständig: Neuer Eigentümer des Komplexes werde die Fundamenta Group Deutschland aus München. „Sie teilt unsere Begeisterung für das Projekt“, sagte Marco Mander.

Mörk, so der Prokurist weiter, beschäftige sich nun schon zwei „intensive“ Jahre lang mit dem Vorhaben. Im Frühjahr 2020 übernahm die Firma das Projekt von der IGC Wohnbau aus Ostfildern. Sie hatte 2019 mit dem Entwurf des Architekturbüros Hansjörg Ludmann, auch aus Leonberg, den Wettbewerb zur Neubebauung des Areals gewonnen. Ausschlaggebend war, dass Ludmann das Eckgrundstück mit dem Kronenstüble erworben hatte. So kann jetzt eine größere Fläche als einst geplant bebaut werden.

Bauvorhaben mit turbulenten Zeiten

Das Projekt Vollsortimenter erlebte turbulente Zeiten, nachdem die Stadt nach langer Suche ein geeignetes Gelände gefunden hatte: Von Anfang an wurde um die Größe des Neubaus gerungen, diskutiert, umgeplant. Die IGC Wohnbau hatte die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts hinterfragt, ehe sie sich schließlich zurückzog. Über den Wechsel sei die Stadt nicht unglücklich gewesen, sagte der Bürgermeister Wolf. Mit Mörk habe das Projekt einen erneuten Schub erhalten. Am Ende habe man einen „guten Kompromiss“ gefunden.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Auf den Spuren der Merowinger

Doch damit nicht genug: Im Oktober durchforsteten Archäologen das Gelände nach einem Gräberfeld aus der Merowingerzeit, parallel dazu erfolgten die Abbrucharbeiten. Die Wissenschaftler wurden fündig, ist das Areal doch eine ausgewiesene Verdachtsfläche. Sie stießen auf fünf Einzelgräber, eine Doppelbestattung und zwei durch eine Steinsetzung umfasste Gräber.




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