Bauvorhaben in Sillenbuch Kritik an Neubau von zwei Seiten

Von Eveline Blohmer 

Ein Sillenbucher Bauträger will zwischen der Oberwiesenstraße und der Eduard-Steinle-Straße vier Häuser mit Eigentumswohnungen errichten. Dagegen regt sich Widerstand aus der Nachbarschaft – weil in zweiter Reihe gebaut und ein besonderes Haus abgerissen werden soll.

Das MAN-Stahlhaus an der Oberwiesenstraße ist  eigentlich ein Kulturdenkmal. Doch das wurde zu spät erkannt. Foto: Eveline Blohmer
Das MAN-Stahlhaus an der Oberwiesenstraße ist eigentlich ein Kulturdenkmal. Doch das wurde zu spät erkannt. Foto: Eveline Blohmer

Sillenbuch - Das Baugrundstück liegt wahrlich idyllisch im nordöstlichen Teil von Sillenbuch: zwischen der Oberwiesenstraße und der Eduard-Steinle-Straße, oberhalb des Bußbachtals, in einem ruhigen und grünen Wohngebiet. Die vier Gebäude mit insgesamt 18 Eigentumswohnungen, die die Singer Wohnbau GmbH und die Gräber Bau- und Betreuungsgesellschaft mbH hier errichten möchte, wären sicherlich begehrt. Doch gegen das Bauvorhaben regt sich Widerstand – von buchstäblich zwei Seiten: An der Oberwiesenstraße kritisiert ein Nachbar, dass ein schützenswertes MAN-Stahlhaus für den Bau abgerissen werden muss. Anwohner an der Eduard-Steinle-Straße führen arge Bedenken wegen der Bebauung in zweiter Reihe ins Feld.

Alexander Prinz von Ratibor und Corvey und seiner Frau geht es nach eigenem Bekunden gar nicht so sehr um das Bauvorhaben: „Natürlich habe ich lieber ein schönes als ein hässliches Haus nebenan. Aber meine Priorität ist, dass das Haus stehen bleibt.“ Ratibor meint das MAN-Stahlhaus an der Oberwiesenstraße 8. Aus seiner Sicht müsste das Haus unter Denkmalschutz stehen und dürfte folglich nicht abgerissen werden.

Landesdenkmalamt: Abriss bedauerlich

Eine Sicht, die das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium prinzipiell teilt: Die Kulturdenkmal-Eigenschaft des 1950 von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) erstellten Fertighauses wurde geprüft und ohne Zweifel festgestellt, teilt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums auf Nachfrage mit. Allein: Besagte Prüfung und Feststellung gingen vonstatten, als der Verkauf des Grundstücks, die Neubauplanung und die Finanzierung bereits in die Wege geleitet waren. Mit einer Schadensanalyse wurde dann geprüft, ob es für den Eigentümer zumutbar wäre, das Einfamilienhaus mit Satteldach und Stahlblechverkleidung zu erhalten. Gemeinsam und „mit großem Bedauern“ seien das Landesamt und die Untere Denkmalbehörde der Stadt zu der Auffassung gekommen, dass der Erhalt des Gebäudes nicht gefördert werden könne.

Als „bedauerliche Denkmalgeschichte“ bezeichnet das Nadine Schneider, die Sprecherin des Regierungspräsidiums. Allerdings sei wenigstens eine sehr gute Dokumentation von dem seltenen Exemplar angefertigt worden, so dass bei einem Abriss nicht die wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse verschüttgehen.

Ein wenig Hoffnung bleibt

Vielleicht ist ein Abriss gar nicht nötig. Laut Gert Clement, dem Geschäftsführer der Singer Wohnbau GmbH aus Sillenbuch, muss das Haus zwar weg. Aber es gebe zwei Freilichtmuseen, die an der Versetzung des Gebäudes interessiert seien. Bis Juni könne sich außerdem noch jeder melden, der sich an einer Translozierung beteiligen möchte. MAN selbst habe auf Nachfrage kein Interesse bekundet, sagt Clement. Er hat nach eigenen Angaben Ende November von der Denkmalschutzwürdigkeit des Gebäudes erfahren und würde einen Erhalt an einem anderen Ort begrüßen.

Während also für das Anliegen Ratibors noch ein wenig Hoffnung besteht, sieht es für Nachbarn, die das Bauvorhaben an sich kritisieren, nicht gut aus: „Das Baurecht ist das, was gilt. Und wir müssen uns an Fakten halten, das ist nicht meine Erfindung“, sagt Clement.

Angst vor Schaffung von Fakten

Dass durch die neuen Gebäude zwischen Oberwiesen- und Eduard-Steinle-Straße erst Fakten geschaffen werden würden, ist die Sorge von Marco Henry Neumueller. Weil zwei der vier geplanten Häuser dort entstehen sollen, wo die Grundstücke aufeinandertreffen, befürchtet der Anwohner, dass damit der Startschuss für eine Bebauung in zweiter Reihe fallen würde. Tatsächlich gibt es Bebauungspläne von 1954 und 1964 für das Gebiet, die eine Zweite-Reihe-Bebauung verbieten. Doch die wurden, wie Bodo Köhl vom Baurechtsamt erklärt, nicht von der Vollversammlung des Gemeinderats beschlossen und werden deshalb nicht mehr angewendet. Beurteilt werde das Bauvorhaben nach der Baustaffel 7. Und die erlaube das Bauen auch in zweiter Reihe.

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