Bauwagen in Filderstadt-Harthausen Treffpunkt für Jugendliche ohne Aufpasser

Vor dem Bauwagen stehen Tim (in Tarnfarben), Sascha, Christian und Derius. Links steht Hajo Zimmermann, in der Mitte Kollegin Julia Sperandio. Foto: Fritzsche
Vor dem Bauwagen stehen Tim (in Tarnfarben), Sascha, Christian und Derius. Links steht Hajo Zimmermann, in der Mitte Kollegin Julia Sperandio. Foto: Fritzsche

Ein Bauwagen beim Sportplatz in Harthausen ist ein neuer Treffpunkt für sechs Jugendliche, die ihn gemeinsam renovieren. Unterstützt wird das Projekt von der Mobilen Jugendarbeit, die solche selbstverwalteten Treffpunkte fördert.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Filderstadt - Deutlich ist zu erkennen, wieviel schon geschafft worden ist: Eine Hälfte des Bauwagens ist innen weiß gestrichen, neuer Laminatboden ist verlegt worden. „Die Leitungen für das Licht sind auch schon da“, berichtet Tim stolz. Er ist Elektriker und hat die Leitungen selbst gelegt.

Tim ist einer von sechs Jugendlichen, die den Bauwagen am Sportplatz beim TSV Harthausen in Eigenregie umbauen. Wenn er fertig ist, wird er ihnen als Treffpunkt dienen, wo sie zusammen sitzen, chillen und Musik hören können. „Es gibt sonst keinen Ort, wo wir nicht von den Anwohnern oder der Polizei verjagt werden“, sagt Tim. Die Jugendlichen planen schon weiter: „Ein Stromanschluss wäre toll“, meint Sascha. Denn ohne den ist weder Licht noch Heizung drin.

Kein Rückzugsort für Jugendliche vorhanden

„Das Ganze ist aus der Not entstanden“, erzählt Hajo Zimmermann von der Mobilen Jugendarbeit Filderstadt, die das Projekt betreut. Es gebe in der Gegend keinen Rückzugsort für die Jugendlichen. „Es muss ein Ort sein, an dem sie niemanden stören, wenn sie sich treffen, sich unterhalten und Musik hören.“ In Harthausen ist zwar der Jugendtreff im Gemeindekeller, „aber nur einmal die Woche“, wie die Gruppe um Tim kritisiert. Sie wollen sich häufiger treffen.

Selbstverwaltete Treffpunkte wie der Bauwagen funktionieren, davon sind die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit überzeugt. „Es braucht nicht immer Sozialarbeiter, die daneben stehen“, so Hajo Zimmermann. Vor zwei Jahren ist der Unterstand am Festplatz in Bonlanden eingeweiht worden, ein halboffener Container, der seitdem als Treff zur Verfügung steht.

Der Jugendgemeinderat sieht das ebenfalls positiv und hat für den aktuellen Haushalt 2018/2019 die Mittel für zwei weitere Bauwägen beantragt. „Damit noch mehr Jugendliche diese Möglichkeit bekommen“, erklärt Hajo Zimmermann. Solche mobilen Unterstände haben den Vorteil, dass für sie einfacher Standorte gefunden werden können, an denen die Anwohner so wenig wie möglich gestört werden. „Die Jugendlichen liefern die Ideen, was sie machen wollen, und wir unterstützen“, erklärt Hajo Zimmermann. Zusätzlicher Nebeneffekt: Durch das selbständige Renovieren des Bauwagens sollen die Jugendliche Inspiration für die Berufswahl finden.

Die Übernahme des Bauwagens ist dabei an bestimmte Bedingungen geknüpft: „Es gibt einen Vertrag mit den sechs Jugendlichen, die einen Schlüssel haben“, erklärt Julia Sperandio, Zimmermanns Kollegin bei der Mobilen Jugendarbeit. Den Schlüssel an andere weitergeben ist nicht drin, einer von ihnen muss stets anwesend sein. Sie müssen selbst für Ordnung und Sauberkeit sorgen, innen und auch um den Bauwagen herum. Mit dem TSV Harthausen haben die sechs Handynummern ausgetauscht, damit sie im Fall der Fälle kontaktiert werden können. „Die Zusammenarbeit mit dem TSV und Karl Dittmann ist super, Herr Dittmann unterstützt uns sehr“, lobt Julia Sperandio. Beim TSV dürfen die Jugendliche auch die Außentoilette benutzen. Gemeinsam mit Zimmermann und Sperandio haben die Jungs Briefe an die Anwohner verfasst, damit auch diese Bescheid wissen, dass der Bauwagen wieder benutzt wird, und von wem.

Der Stromanschluss ist in Arbeit

Die selbstverwalteten Treffpunkte in Filderstadt erhalten Fördermittel aus der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit. Die Mobile Jugendarbeit selbst erhält Fördermittel von der Stadt, wovon ebenfalls ein Teil für dieses Projekt verwendet wird.

Bald gehen die Renovierungsarbeiten weiter: Der Rest des Bauwagens muss gestrichen und die andere Hälfte des Bodens mit Laminat bedeckt werden. Der Stromanschluss ist in Arbeit: Die Stadtverwaltung hat sich des Problems angenommen und arbeitet an einer Lösung. „Wir wünschen uns ein Sofa und einen Tisch, vielleicht eine kleine Musikanlage“, erzählt Sascha. Die Jugendlichen bemühen sich, die Kosten möglichst niedrig zu halten: Das Laminat haben sie etwa über die Facebookseite „Filder-Pinnwand“ geschenkt bekommen.




Unsere Empfehlung für Sie